Molkerei in Upahl blockiert

Landwirte in MV haben auch gestern den Milchstreik fortgesetzt. Sie blockierten mit ihren Schleppern das Werkstor der größte Molkerei des Landes in Upahl. Die Polizei reagierte und setzte wie schon beim G8-Gipfel in Heiligendamm Konfliktmanager ein, um eine Eskalation zu vermeiden. Sie orderte auch Räumfahrzeuge und Wasserwerfer.

svz.de von
29. Mai 2008, 09:36 Uhr

Upahl - Die Milchbauern weichen nicht. Sie lassen keinen Milchtanker rein und keinen Transporter raus – Milchboykott. Wer kann, umfährt die Blockade mit dem Fahrrad, um Brötchen in die Kantine zu bringen oder knattert mit dem Moped zur Arbeit.

Mitten im Menschenpulk steht Landrat Erhard Bräunig. „Niemand will hier eine Eskalation. Aber für die Blockade habe ich kein Verständnis. Wir versuchen eine Lösung zu finden“, sagt er.
Für die Milchbauern ist die Blockade das scheinbar probate Mittel, um ihre Forderung nach besseren Preisen durchsetzen zu können. „Wir wollen mit dieser Aktion nicht den kleinen Mann, der unsere guten Produkte kaufen soll, bestrafen. Wir wollen nur unsere Arbeit fair bezahlt haben. Wir schuften 15 Stunden an 365 Tagen im Jahr. Egal ob Weihnachten, Pfingsten, Hochzeit oder Beerdigung ist“, sagt Rolf Becker (62) vom Gut Menzendorf. Er argumentiert mit einer Verdoppelung der Preise für Kraftfutter, Dünger und Diesel. Dann steigert er sich in eine Diskussion mit Roland Frölich von Hansano hinein. Becker konstatiert: „Ihr habt schlechte Karten und zittert schon alle.“ Frölich kontert: „Was Sie tun, ist Panikmache gegenüber Krankenhäusern und Altenheimen. Das können wir nicht gebrauchen, um ein wirtschaftliches Ziel zu erreichen.“

Polizisten in gelben Westen hören sich den Disput an. Sie sind, was draufsteht: Konfliktmanager. Schon beim G8-Gipfel in Heiligendamm und beim Besuch des US-Präsidenten George W. Bush waren solche Schlichter im Einsatz. Die Blockade der Bauern hat nicht nur sie, sondern mehr als 100 Polizisten auf den Plan gerufen. Die Uniformierten halten sich zurück. Sie telefonieren, lesen Zeitung, bauen eine Verpflegungsstation in einer Nebenstraße auf. Schwere Räumtechnik und Wasserwerfer stehen im vier Kilometer entfernten Grevesmühlen. „Wir müssen auf jede Eventualität vorbereitet sein. Das bedeutet nicht, dass wir die Technik auch einsetzen“, sagt eine Polizistin.

Ein Hansano-Wagen rollt über eine Wiese. Am Steuer sitzt Roland Frölich und liefert nun auch Kakao an Beamte aus. „Erst wenn weniger Milch auf dem Markt ist, begünstigt das am ehesten bessere Preise“, wird Frölich später sagen. Nach seinen Angaben beträgt der derzeitige Literpreis 33 Cent für die Milchbauern. Die Landwirte fordern 40 Cent, wie auf Plakaten zu lesen ist. Welchen Schaden die Upahler Molkerei durch die Blockade erleidet, ist nach Angaben von Roland Frölich noch nicht abschätzbar.

„Die Außenwirkung ist groß. Wir hoffen, dass schnell eine Lösung gefunden wird“, sagt Kay Schmekel vom Landwirtschaftsministerium in Schwerin. Mit dem Herzen sei Minister Till Backhaus bei den Landwirten, er wisse aber auch, dass ein Boykott nicht der richtige Weg sei.

Der Chef des Kreisbauernverbandes, Herman Oldemeyer, lässt sich ein Megaphone geben. „Reden bringt nichts mehr, es muss gehandelt werden“, ruft er den etwa 100 Blockierern zu. Oldemeyer fordert Landwirte zur Solidarität sowie zum friedlichen Protest auf und lobt das bislang faire Verhalten der Polizei. Bauern spenden Applaus. Wenig später zündet einer von ihnen Grillkohle. Ein Einkaufswagen ist voll mit Streikverpflegung.

Am Abend gibt es ein erstes Ergebnis: Freies Geleit für fünf Laster einer Privatmolkerei. „Schrittweise können alle weiteren zwei Stunden je zehn Hansano-Lkw vom Werksgelände rollen. Im Gegenzug dürfen die Landwirte bis Freitag früh, 3 Uhr, weiter friedlich protestieren. Sie wollen dann die Blockade auflösen und in den nächsten Tagen über noch strittige Punkte verhandeln“, sagt Pressespecherin Steffi Nietz und verweist auf eine erfolgreiche Verhandlungsstrategie der Polizei.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen