Molkerei-Blockade in Karstädt und Upahl

svz.de von
29. Mai 2008, 01:30 Uhr

Die Milchbauern im Nordosten haben die Proteste wegen der nach ihrer Auffassung zu niedrigen Erzeugerpreise am Donnerstag fortgesetzt worden. Neben dem seit Dienstag andauernden Milchlieferstopp haben die Landwirte inzwischen zwei Molkereien in Upahl (Nordwestmecklenburg) und seit Donnerstagmorgen auch im brandenburgischen Karstädt (Prignitzkreis) blockiert, bestätigte die Polizei. Die Bauern wollen Milchlieferungen in die Molkereien verhindern. Die Mitarbeiter wurden am Morgen durchgelassen.

„Wir bleiben hier in Upahl, bis wir Signale aus Berlin bekommen“, sagte Eckhard Meiners vom Landesverband Deutscher Milcherzeuger am Donnerstag der dpa. Der Protest in Upahl, wo rund 80 Traktoren die Einfahrt zu einem Gewerbegebiet versperren, in dem sich die Molkerei befindet, läuft seit Mittwochabend. Die Blockaden in Upahl und Karstädt sind Teil des am Dienstag begonnenen Lieferboykotts, mit dem Milchbauern höhere Preise für ihre Milch durchsetzen wollen.

Milchhändler: Können Boykott nicht auffangen - Preis stark gestiegen
Trotz stark gestiegener Abnahmepreise kann der freie Milchmarkt den Lieferboykott der Bauern nicht auffangen. „Wir können den Streik nicht 1:1 ausgleichen“, sagte der Geschäftsführer von Apollo Milchprodukte, Uwe Kockerbeck, am Donnerstag in Kleve. „Wir können nicht so viel Milch von außerhalb einführen wie wir momentan verlieren.“ Der Milchpreis auf dem Spotmarkt sei binnen einer Woche von 28 auf mehr als 40 Cent gestiegen, berichtete der Großhändler. Seit Dienstag boykottieren zahlreiche Milchbauern in Deutschland die Molkereien.

Kaum frei verfügbare Milch aus dem Ausland
„Der Spotmarkt reagiert auf Knappheit sofort, genau wie an der Tankstelle - dann geht der Preis nach oben ab“, erläuterte Kockerbeck. Nur etwa zehn Prozent der in Deutschland produzierten Milch sei überhaupt frei handelbar, der Rest werde - im Rahmen langfristiger Verträge - von den Molkereien abgenommen. Zusätzliche Importe aus dem europäischen Ausland seien schwer zu organisieren. „Die Milch dort ist natürlich auch verplant, außerdem streiken neben den deutschen Bauern auch einige im Ausland“, sagte Kockerbeck. Die Milchindustrie hatte betont, der Lieferboykott sei durch Einfuhren aus dem Ausland problemfrei auszugleichen.

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