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Geocaching : Moderne Schatzsuche via Satellit

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Mit GPS begeben sich immer mehr Abenteuerlustige auf Schatzsuche. Nicht nur Technik-Fans, sondern auch Kinder, Rentner und Familien erkunden mit dem Navi die Natur und werden dafür am Ende belohnt.

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erstellt am 15.Apr.2011 | 08:17 Uhr

Hagenow | Noch acht Meter. Noch fünf. Noch drei. Bodo Schneider schaut auf seinen GPS-Empfänger. Die rote Kompassnadel auf dem Display zeigt die Richtung. "Gleich sind wir da", sagt er. "Hier in der Nähe muss es sein." Es ist Sonnabend. Mittagszeit. Bodo Schneider und seine Tochter Lea stehen am Ufer eines Teiches, irgendwo zwischen Sudenhof und Kirch Jesar. Zwei Schwäne gleiten lautlos über das Wasser, der Wind rauscht. Sie sind am Ziel des Harry-Potter-Mystery-Cache. Lea lächelt. Sie muss nicht suchen. Schließlich hat sie den Schatz versteckt. Wer es bis hierhin geschafft hat, der hat zuvor im Internet (www.geocaching.com) Harry-Potter-Rätsel gelöst und danach die Koordinaten für den Weg erhalten. Die Rätselfragen und den Weg bis zum Schatz hat sich Lea ausgedacht. Neugierig holt sie den wasserdichten Behälter aus seinem Versteck, öffnet ihn und blättert im beiliegenden Logbuch. "Schön ist es hier" steht dort geschrieben. Und: "Danke für den schönen Wanderweg". Jeder, der den Schatz gefunden hat, hat unterzeichnet. Ein Schweriner Drachenboot-Team war schon hier, "Oma Bärbel und die Holzwürmer" oder "Locke" und "Rebhuhn" aus Hagenow. 37 Einträge zählt Bodo Schneider. "Der Cache kommt gut an."

Mit Stirnlampen durch die Nacht

Seit eineinhalb Jahren ist der Hagenower mit Leib und Seele Geocacher. Kein sonniges Wochenende vergeht an dem er sich nicht mit dem GPS auf den Weg macht. Schneider gehört inzwischen zu den Fortgeschrittenen - er klettert auf Bäume, stochert in Astlöchern, schnallt sich nachts die Stirnlampe um und sucht auf stillgelegten Fabrikgeländen nach verborgenen Schätzen. In Wittenburg hat die Polizei erst kürzlich mitten in der Nacht auf eben einem solchen Gebiet zwei Geocacher angesprochen. "Zeugen haben dort Verdächtiges beobachtet und uns gerufen", berichtet der Hagenower Polizeichef Uwe Mathews. "Inzwischen wissen die Beamten dort von dem versteckten Schatz und können das nächtliche Taschenlampen-Geflacker erklären", sagt er. Auch Bodo Schneider kennt diesen Platz in Wittenburg, aber sein Lieblings-Nachtcache ist bei Pampow. Den kann man nur im Dunkeln finden. Wenn an den Bäumen Reflektoren das Taschenlampenlicht widerspiegeln. Auch seine elfjährige Tochter Lea ist diesen Weg nachts mitgelaufen. "Wir waren vier Stunden unterwegs und es war nie langweilig. Im Gegenteil", erzählt sie. Am Ende fanden sie eine große alte Kiste voller historischer Schätze.

Müll sammeln ist Ehrensache

Geocacher, die einen Schatz finden, dürfen sich immer etwas herausnehmen, müssen dafür aber auch wieder etwas Neues hineinlegen. Deshalb trägt Schneider in seiner grünen Geocacher-Tasche nicht nur Schraubenzieher, Pinzette, Fotoapparat und Zange bei sich, sondern auch immer eine kleine Überraschung. Dabei ist ihm der Schatz gar nicht so wichtig, sagt er. Das Zusammenspiel von Technik und Natur reizt ihn. "Ich bin gern draußen unterwegs und manchmal bin ich richtig überrascht, was für schöne Wanderwege es direkt vor unserer Tür gibt." Überrascht ist er aber auch von dem Müll, der selbst in entlegensten Winkeln achtlos weggeworfen wird. Deshalb nehmen sich erfahrene Geocacher bei jeder Suche eine Plastiktüte mit. "Wir sammeln nebenbei den Müll ein", erzählt Bodo Schneider. "Das ist Cacher-Ehre."

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