Moderation aus der Luft

Sandra Fritsch kennt die Autobahnen und wichtigsten Bundesstraßen in Brandenburg und Berlin inzwischen in- und auswendig. Allerdings nicht als Berufskraftfahrerin, sondern als Pilotin aus der Vogelperspektive.

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10. Juni 2008, 10:13 Uhr

Eggersdorf - Die 29-Jährige ist nach eigenen Recherchen Deutschlands erste und bisher einzige Verkehrsfliegerin. Mit einer Cessna vom Typ „Skyhawk 172 SP“ geht sie wochentags vom Flugplatz Eggersdorf in Brandenburg in die Luft - und auf Sendung.

Täglich dreieinhalb Stunden lang kreist Fritsch in ihrer Maschine mit 200 Stundenkilometern über der Mark und der Bundeshauptstadt, hält aus 800 bis 900 Metern Höhe Ausschau nach Unfällen, lotst Autofahrer um Staus und Straßensperrungen herum. Zweimal stündlich ist die rothaarige Berlinerin morgens mit den neuesten Verkehrs-Informationen auf der RBB-Hörfunkwelle Antenne Brandenburg zu hören – dem Sender, bei dem sie bereits seit sieben Jahren als Moderatorin arbeitet.

Dass die gebürtige Cottbuserin nicht nur aus dem Studio, sondern auch aus der Luft Informationen in den Äther schicken würde, hätte sie sich bis vor kurzem nicht vorstellen können. „Ich und fliegen - das war für mich undenkbar“, gibt sie zu. Doch dann kam das Angebot des Radiosenders: Fritsch sollte den Verkehrsservice von Antenne Brandenburg verstärken und den Stamm-Piloten Erhard Anders entlasten. Der 66-jährige erfahrene Flieger will etwas kürzer treten, steht seiner jungen Kollegin jedoch mit Tipps gern zur Seite. „Die Chemie zwischen uns stimmte sofort“, erzählt Anders, der seit zwölf Jahren Verkehrsmeldungen für den Sender durchgibt.

Die Ausbildungsdauer beträgt acht Monate
Fritsch musste jedoch erstmal eine Woche über das Flieger-Angebot nachdenken.
Ihre erste Bekanntschaft mit der „Cessna“ machte sie im Sommer vergangenen Jahres. Acht Monate dauerte die Ausbildung, die sie neben ihrer eigentlichen Moderation beim Radio absolvierte. Die Theorieprüfung schaffte sie auf Anhieb, die praktische Prüfung musste sie wiederholen, weil sie sich beim ersten Mal „etwas verflogen“ hatte.

Seit Anfang Mai ist sie nun als Verkehrsfliegerin unterwegs. Starts und Landungen sind inzwischen kein Problem mehr, auch Notlandeverfahren beherrscht sie. Größere Turbulenzen hat die frischgebackene Pilotin aber noch nicht erlebt. „Ich fliege ja auch nicht bei jedem Wetter - bei Sturm, tief hängenden Wolken, starkem Nebel oder dichtem Schneefall bleibt die “Cessna„ am Boden“, sagt sie.

Dennoch sei die Fliegerei für sie bisher sehr anstrengend. „Ich bin halt noch Anfängerin, mir fehlt diese gewisse Grundgelassenheit“, meint Fritsch selbstkritisch. Die Nachtflugberechtigung beispielsweise muss sie sich erst noch erarbeiten. Im Winter, wenn es morgens noch dunkel ist, seien Orte und Straßen nur schwer zu identifizieren, weil man außer Lichtern nichts sehe.

Zielgenaues Landen ist noch immer schwierigWas sie an Verkehrshindernissen aus der Luft entdeckt, notiert sich die 29-Jährige auf einem Klemmbrett, das sie mit Klettband auf ihrem rechten Oberschenkel befestigt hat. „Im Kopf behalten könnte ich die möglichst detaillierten Informationen bis zur nächsten Live-Schaltung zum Sender keinesfalls“, gibt sie zu.

Bevor Fritsch um 7.00 Uhr abhebt, schaut sie sich das weiße Kleinflugzeug mit prüfendem Blick genau an. „Ich schaue mir die Tragflächen an, suche nach eventuellen Beschädigungen“, sagt sie. Den Start in den Morgen genießt sie dann, das zielgenaue Landen sei schwieriger und bei Seitenwind noch immer eine echte Herausforderung, bekennt sie. Trotzdem könnte sich die junge Pilotin inzwischen vorstellen, auch in ihrer Freizeit zu fliegen. „Es macht wirklich Spaß und ist halt nicht so alltäglich“, schwärmt Fritsch.

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