Mitten im Dorf Elektroschrott

Den meisten Blankenbergern reicht’s. Seit zwei Jahren entsteht auf einem privaten Grundstück eine Müllhalde. Weil sämtliche Bemühungen, dagegen vorzugehen, bislang ins Leere liefen, drücken sie ihren Protest jetzt auch mit einer Unterschriftensammlung aus.

von
27. März 2008, 06:23 Uhr

Blankenberg - Viele Bürger waren vorgestern Abend zur Gemeindevertretersitzung ins Blankenberger Gemeindehaus gekommen und damit auch an jenem Grundstück vorbeigegangen, dass für sie Stein des Anstoßes ist. Mitten in der Dorfstraße lagert auf einem Grundstück jede Menge Elektroschrott. „Wir wurden von Besuchern schon gefragt, ob wir auf einer Mülldeponie wohnen“, erklärte Brunhilde Dumke, die als Nachbarin unmittelbar betroffen ist. Weil die Problematik seit zwei Jahren bekannt sei, von Amts wegen aber bisher nichts unternommen wurde, so Brunhilde Dumke, initiierte ihre Familie nun die Unterschriftensammlung „Dorfbewohner gegen private Müllhalden“. 136 Bürger unterschrieben.
Bernd Dumke übergab die Unterschriftenliste vorgestern Abend an Blankenbergs Bürgermeister Peter Davids und Jochen Krippenstapel, Leiter des Umweltamtes des Landkreises Parchim. Krippenstapel war wie auch Gangolf Hergert, Leiter Abfallwirtschaft im Umweltamt, und Eckardt Meyer, Leiter des Bürgeramtes in Sternberg, auf Einladung der Gemeindevertreter nach Blankenberg gekommen. „Sie haben schon alles in Bewegung gesetzt“, meinte Krippenstapel denn auch zur Gemeindevertretung und zu den anderen Bürgern. Doch für die Umwelt spiele Aussehen keine Rolle, meinte er. „Uns gegenüber wurde gesagt, dass dort Elektrogeräte, die laut Gesetz verwertbare Abfälle sind, zerlegt und vermarktet werden. Wir müssen längere Zeit hingucken, ob dies erfolgt“, erklärte Gangolf Hergert. Doch welche Mengen fielen an, welche würden vermarktet und wo blieben die Abfälle?, nannte Hergert offene Fragen. Viele Kleinstgeräte lägen schon sehr lange an der Straße. „Dabei können Privatpersonen wie auch Unternehmen das kommunale Sammelsystem nutzen und ihren Elektroschrott beispielsweise in die kostenlose Annahmestelle nach Kobrow bringen“, erklärte der Leiter für Abfallwirtschaft. „Binnen einer Woche wäre es dann auch hier schon ordentlicher“, meinte er. Hergert versprach den Bürgern, dass das Amt abfallrechtlich auch genau hinsehen werde, wo die Geräte herkommen. „Möglicherweise handelt es sich hier um Diebstahl aus der kommunalen Sammlung?“, fragte er. Diesbezüglich sei auch das Umweltministerium schon informiert worden. „Die Mengen, die dort sichtbar schon länger liegen, werden per behördlicher Anordnung mit zusätzlichen Kosten beräumt werden müssen“, kündigte Gangolf Hergert an und meinte: „Hier findet eine gewerbliche Tätigkeit statt“. Dazu informierte Eckardt Meyer, dass das Amt prüfe, ob hier eine gewerbliche Niederlassung betrieben werde. Diese sei nicht angezeigt worden.

Den meisten Bürgern in den Publikumsreihen war deutlich anzumerken, wie enttäuscht sie von dem bisher an diesem Abend Gehörten waren. Einige von ihnen sprachen aus, was von der Dorfstraße aus nicht zu übersehen sei: Gelagerte Batterien, aus Kühlschränken tropfende Flüssigkeit und inzwischen auch Ratten. Die Gemeinde habe jetzt schon Imageschäden bekommen. Wie lange wolle man denn noch zusehen und die Angelegenheit hin und her schieben?, so der Tenor der Wortmeldungen.
Auch Bürgermeister Peter Davids zeigte sich enttäuscht: „Wir als Gemeinde machen schon seit zirka zwei Jahren auf die Problematik aufmerksam. Das heute Gesagte befriedigt uns nicht. Ich hatte selbst schon potentielle Hausbauer bzw. Investoren in der Bürgersprechstunde, die Abstand genommen haben, weil sie der Zustand des besagten Grundstücks abgeschreckt hat“.
Auch der Eigentümer des in der Kritik stehenden Grundstückes war anwesend. Er machte deutlich, dass ihm lediglich das Grundstück gehöre und er somit nicht der Ansprechpartner sei. Doch Hergert nahm ihm die Hoffnung, so leicht davon zu kommen. „Als Grundstückseigentümer wird es auch ihr Problem werden“, sagte er.

Hätte man gemeinsam mit der Gemeinde nicht eine bessere Lösung gefunden?, wollte Gemeindevertreter Michael Lüders wissen. „So wie es jetzt ist, ist es einfach schädlich für die Nachbarn und für das Dorfbild“, meinte er. Lüders erinnerte daran, dass die Gemeinde einen Bebauungsplan habe und ein Gewerbe im Wohngebiet nicht zulässig sei. Für die Gemeinde forderte er den Landkreis auf, endlich zeitnah und zwischen allen Fachämtern koordiniert zu handeln.

Gemeindevertreter Lothar Ruhmich fragte den Grundstückseigentümer, ob er denn keine Möglichkeit sehe, einen Konsens mit den Bürgern zu finden. Worauf dieser erklärte, dass er sich zur Problematik nicht mehr äußern werde und wenn, dann nur im Beisein seines Rechtsanwaltes.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen