Mittag für Grundschüler kostenlos - Pilotprojekt startet im Januar an drei Schulen

Diana Schäfer gibt an der Astrid-Lindgren-Schule derzeit täglich etwa 50 Mittagessen für die Schüler aus. Foto: Klawitter
Diana Schäfer gibt an der Astrid-Lindgren-Schule derzeit täglich etwa 50 Mittagessen für die Schüler aus. Foto: Klawitter

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08. Juli 2008, 07:18 Uhr

Schwerin - Im Schuljahr 2008/09 bekommen alle Grundschüler der Nils-Holgerson-Schule, der Astrid-Lindgren-Schule und der Schule am Fernsehturm kostenloses Mittagessen und Schulmilch. Das beschlossen die Stadtvertreter einstimmig. Nach jahrelanger Debatte über das Problem Kinderarmut setzt Schwerin damit ein Zeichen und geht landesweit in die Vorreiterrolle.

Konkret wird mit dem Beschluss der Oberbürgermeister beauftragt, in einem Pilotprojekt an städtischen Grundschulen, die zum Schuljahresbeginn 2008/2009 als volle Halbtagsschulen geführt werden – also an den drei kommunalen Ganztagsschulen – vom 4. Januar 2009 an den Kindern ein kostenfreies, warmes und gesundes Mittagessen zur Verfügung zu stellen. Außerdem wird der OB beauftragt, Gespräche mit der Landesregierung mit dem Ziel zu führen, das Land an der Finanzierung zu beteiligen.

Ausgrenzung von Schülern aus armen Familien verhindern
Vorausgegangen war der klaren Beschlussfassung indes eine umfangreiche und emotionale Debatte, in deren Mittelpunkt die soziale Funktion des gemeinsamen Essens stand. „Endlich kommen wir jetzt zu einer positiven Entwicklung dieses Themas, das wir bereits vor zwei Jahren angeschoben haben“, sagte Daniel Meslien, stellvertretender Fraktionschef der SPD, zur Begründung.

„Während es in Schulen anderer Länder völlig selbstverständlich ist, das Kinder ganztags beschult und mit einem warmen, gesunden und vor allem kostenfreien Essen versorgt werden, haben wir diesbezüglich noch einen weiten Weg vor uns. Es darf nicht länger zugelassen werden, dass einige Schüler einer Klasse mittags ein vollwertiges Essen bekommen, andere Kinder Stullen von ihren Eltern mitbekommen haben und andere gar nichts haben“, sagte Meslien.

Mitunter würden die Lehrer oder der Mittagstisch des Kinderschutzbundes helfen. „Hier geht es sowohl um soziale Gerechtigkeit als auch um die Gesundheit der Kinder. Schwerin als familienfreundliche Stadt muss verhindern, dass einige Kinder spüren, dass sie aus ärmeren Verhältnissen kommen. Deshalb müssen alle Kinder einer Klasse mit einem warmen, gesunden und kostenfreien Essen versorgt werden“, forderte Meslien.

Der Einstieg sollte nach den Weihnachtsferien mit Beginn des Jahres 2009 erfolgen und langfristig auf alle städtischen Grundschulen ausgedehnt werden.

Finanzierung mit Hilfe des Landes und von Unternehmen
Meslien rechnete zugleich die Finanzierbarkeit des Projekts vor: In den drei Grundschulen auf dem Dreesch würden derzeit etwa 800 Kinder beschult, die rund 200 Tage pro Jahr die Schule besuchen. Bei einem Kostenansatz von zwei Euro pro Essen wären also 320 000 Euro jährlich für die Finanzierung des Pilotprojekts notwendig.

Durch die Schließung der Gutenbergschule sei von der Verwaltung ein Einsparpotenzial von 150 000 Euro ausgewiesen worden, die PSD-Bank hatte versprochen, sich mit 10 000 Euro an einem derartigen Projekt zu beteiligen. Blieben 160 000 Euro offen, für die Landesmittel sowie Sponsorengelder eingeworben werden müssten.

Gute Chancen für eine Unterstützung durch das Land sah Angelika Gramkow von den Linken, die zu den Mitbegründern der Landesinitiative für ein kostenlosen Mittagessen an den Grundschulen gehört. Sie verwies zugleich darauf, dass dem Pilotprojekt in den drei Dreescher Stadtteilen besondere Bedeutung zukommt, da dieser Sozialraum durch die hohe Konzentration von Hartz-IV-Empfängern besondere Unterstützung bedürfe. „Es geht um ein Stück soziale Gerechtigkeit“, betonte sie.

Gramkow verwies zugleich darauf, dass sich Investoren, Unternehmer und Kreditinstitute durchaus in die Finanzierung derartiger sozialer Projekte einbinden ließen und erinnerte an die Vereinbarung mit der ECE-Gruppe, als es um den Bau des Schlosspark-Centers ging.

Eltern nicht von ihrer Verantwortung entbinden
Silke Gajek von den Bündnisgrünen, die gemeinsam mit der SPD-Fraktion den Beschlussvorschlag eingebracht hatten, legte besondere Betonung auf die Verantwortung der Eltern für ihre Kinder, die durch das Engagement der Stadt mit dem kostenlosen Mittagessen ihnen nicht abgenommen werden. „Ich würde mir wünschen, wenn wir mit diesem Pilotprojekt zugleich auch Einfluss auf die Eltern nehmen und Erwachsenenbildungsaspekte festschreiben würden“, sagte die Stadtvertreterin.

Auch der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU und Liberalen, Sebastian Ehlers, sprach von einem guten und wichtigen Ansatz, den der Beschluss für das kostenlose Mittagessen bilde. Er verwies zudem auch auf die Notwendigkeit der Bereitstellung von Schulmilch, weshalb seine Fraktion den ursprünglichen Beschlussentwurf um diesen Punkt noch angereichert habe – was ebenfalls die Zustimmung der Stadtvertretung fand.

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