Arbeit als Kontaktbeamte der Polizei in Lübz und Goldberg : Miteinander reden beste Grundlage

Die vier Kontaktbeamten der Polizei in unserer Region (v. l.): Hans-Joachim Pellin und Wilfried Pötschke in Lübz, Nicole Kampf und Thomas Tack in Goldbergilja baatz
Die vier Kontaktbeamten der Polizei in unserer Region (v. l.): Hans-Joachim Pellin und Wilfried Pötschke in Lübz, Nicole Kampf und Thomas Tack in Goldbergilja baatz

Im Zuständigkeitsbereich des Polizeireviers Plau am See gibt es vier so genannte "Kontaktbeamte" - Pellin und Pötschke in der Polizeistation Lübz sowie Kampf und Tack in Goldberg.

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17. Oktober 2011, 10:07 Uhr

Im Zuständigkeitsbereich des Polizeireviers Plau am See gibt es vier so genannte "Kontaktbeamte" (KOB) - Hans-Joachim Pellin und Wilfried Pötschke in der Polizeistation Lübz sowie Nicole Kampf und Thomas Tack in Goldberg. Sie arbeiten etwas selbstständiger und mehr auf den lokalen Bereich bezogen als ihre Kollegen in Plau am See, die überall hin müssen. In Zahlen ausgedrückt: Im Amt Eldenburg Lübz für rund 13 500 Menschen in 16 Gemeinden, im Amt Goldberg-Mildenitz sind es etwa 10 000 Menschen in fünf Kommunen. Die beschriebene Aufteilung bedeutet nicht, dass die vier namentlich genannten Beamten bei entsprechender Erfordernis nicht auch an anderer Stelle eingesetzt werden.

Auftreten, Erfahrung im Dienst und damit in der Regel verbundene Menschenkenntnis, keine Bedenken davor, oft im Auto oder zu Fuß mehr als üblich allein unterwegs zu sein - drei Merkmale, die sich bei einer Bewerbung zum KOB positiv auswirken. "Angst darf man nicht haben. Wenn doch, ist der Beruf falsch gewählt", sagt Pellin. "Aber natürlich gibt es trotz der Tatsache, dass die weitaus meisten Menschen in Ordnung sind und nicht umgekehrt, ein gewisses Risiko. Deshalb ist immer eine gesunde Vorsicht angebracht."

Auf die an Nicole Kampf gestellte Frage, ob sie sich als Frau in gleicher Weise akzeptiert fühlt wie ihre männlichen Kollegen, antwortet die Polizeioberkommissarin ohne Einschränkungen mit Ja: "Es läuft gut und macht mir Spaß, jeden Tag zur Arbeit zu gehen - nicht stupide, weil nicht vor allem am Schreibtisch mit dem Computer als besten Freund, sondern Kontakt zu vielen Menschen." Diesem Satz stimmt auch Tack zu und ergänzt: "Von Vorteil ist, dass man hier wohnt und viele Leute schon zig Jahre kennt." Drei der vier Beamten leben in Lübz, einer ist in Goldberg zuhause.

"Die Anonymität ist bei uns nicht ganz so groß wie vielleicht schon in Parchim. Die meisten kennen sich", so Pötschke. "Auch in den großen Neubauten in Lübz gibt es noch viele Alteingesessene." In Goldberg berichten die Beamten zumindest von einem teilweisen Kommen und Gehen. Die ganz ruhigen Zeiten seien zwar vorbei, aber in der Regel bleibe es bei Hinweisen auf ruhestörenden Lärm, Eskalationen seien die absolute Ausnahme, was man auch als Erfolg des Miteinanderredens werten könne, worin sich das Quartett einig ist.

Wichtig zu erwähnen finden alle, dass die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Stadt- und Amtsverwaltungen sehr unkompliziert und daher als sehr gut zu bewerten sei. Niemand empfinde es beispielsweise als Problem, wenn es darum gehe, etwa kurzfristig eine Veranstaltung abzusichern oder auch in anderer Hinsicht Hilfe und Unterstützung zu leisten. "Im Bereich der Wohnungsverwaltungen zum Beispiel muss man nicht immer sofort polizeilich tätig werden. Vieles geht dort auch auf beratender Basis", sagt Pötschke. "Wenn man sich kennt, geht vieles einfacher. So etwas festigt sich über Jahre."

Viele beklagen das Phänomen abends auf der Straße "herumlungernder Problemjugendlicher" - oft als solche bezeichnet. "Wir haben auch mit ihnen Gespräche geführt und es geht durchaus. Sie wollen anerkannt werden", ergänzt Pötschke. "Viele schlagen auch bloß deshalb immer wieder aus, weil es niemanden gibt, der sich hauptamtlich um sie kümmert."

Das Freizeitangebot für junge Leute sei gering, meint Tack. In Goldberg gebe es nicht einmal mehr einen Jugendclub, so dass der Nachwuchs ausschließlich durch ehrenamtliche, in Vereinen geleistete Arbeit aufgefangen werde - vor allem im Lübzer Sportverein und im TSV Goldberg. "Oft bekommen auch wir Dinge zu hören wie ,Warum müssen die ständig hier sitzen?’ Da kann ich nur sagen: Wo sonst?", sagt der Polizeihauptmeister. "Wir schicken die jungen Leute hier weg, wir schicken sie dort weg. Und das ist nicht in Ordnung." Tack bestätigt die in Lübz gemachte Beobachtung, dass die Jugendlichen fast durchweg auf die Polizei hören, wenn es zu Konfliktsituationen kommt. Mittlerweile leisteten die Beamten immer öfter Sozialarbeit, obwohl die Jugendlichen keinen Einsatzschwerpunkt bildeten.

"Sie können auch anders", meint Peter Wassilewsky, Leiter des Polizeireviers Plau am See, zu dem die Regionen Lübz und Goldberg gehören, und schmunzelt. Damit ist nichts anderes gemeint, als dass das Quartett unabhängig von seiner Funktion als Bindeglied zum Beispiel "ganz normal" in den Verkehr eingreifen und Verstöße ahnden kann, gerade auch im Zusammenhang mit der Schulwegsicherung.

Mit 35 Jahren ist Nicole Kampf die Jüngste in der Runde. Ihr Großvater förderte den Entschluss, Polizeibeamtin zu werden, entscheidend, denn schon er hatte diesen Weg gewählt. "Ich wollte für Gerechtigkeit sorgen - ein Ziel, das sich durch die tägliche Arbeit sehr relativiert hat", berichtet die junge Frau. "Aber wenigstens ein bisschen kann auch ich vielleicht dazu beitragen."

Auch ihr direkter Kollege kritisiert, dass Gerichtsentscheidungen zu oft zu lange auf sich warten lassen und gerade auf Gewalttäter schneller reagiert werden müsste. "Das sage ich vor allem als Privatperson", meint er. "Wir haben mit der gerichtlichen Schiene nichts zu tun, was viele nicht sehen, aber unabhängig davon, dass zahllose Verfahren eingestellt werden, halte ich jeden immer wieder dazu an, jede Tat anzuzeigen und nicht zu resignieren. Ohne Anzeige dürfen auch wir nichts tun und steter Tropfen höhlt den Stein." Außerdem entstehe nur dann ein richtiges Bild von einer Region, was auch Einfluss auf die Stärke der eingesetzten Poliuei habe.

Seine Fähigkeit, ruhig zu bleiben, war zum Beispiel bei Pellin - vor der Wende über ein Jahrzehnt Streifenpolizist in Ost-Berlin - schon 1990 besonders gefordert: "Kollegen und ich mussten am Ende der DDR auch als Schutz an der Volkskammer stehen, als Demonstranten direkt vor uns die DDR-Fahne angesteckt haben. Wir reagierten darauf nicht und haben Konfrontation vermieden - richtig so."

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