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17. Dezember 2017 | 20:40 Uhr

Mit Zweirad-Legenden unterwegs

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erstellt am 06.Mai.2010 | 07:48 Uhr

lübz | Bei Antritt zur Rückfahrt von Lübz nach Barkow will die NSU nicht mehr. Weder wiederholter Kickstart noch mehrfaches Anschieben helfen. "Total abgesoffen!", sagt Besitzer Rolf Jenett, während die Motoren der drei anderen Maschinen seiner Freunde um ihn herum längst wieder zum Leben erweckt sind. Von ruhigem Blubbern bis zu kräftigem Donnern ist alles vertreten. Nach Trockenlegung der Zündkerze ist auch die Qualität aus Neckarsulm wieder zu hören und das Chorkonzert besonderer Art für Technik-Liebhaber vollständig.

Mit "Victoria Bergmeister V 35" (so bezeichnet wegen der Zylinderanordnung), "NSU Max Spezial", "Triumph BDG 125 SL" (in Nürnberg, nicht in Großbritannien gebaut; alle drei Baujahr 1954) und "DKW NZ 350/1" (Baujahr 1940) haben Otto Kolan, Rolf Jenett, Hermann Bies und Knut Ehrich an diesem Tag Station in Lübz gemacht. 21, 18 oder sieben PS bei 125 bis 350 Kubikzentimeter Hubraum sind im Vergleich zu heute geradezu verschwindend kleine Werte, aber keine Gruppe neuerer Zweiräder dürfte so viele Interessierte anlocken wie genanntes Quartett. Lübz bildete keine Ausnahme.

Von den vier Männern - je zwei aus Heide und Neumünster - sind drei bis auf Hermann Bies Rentner. "Schon seit ein paar Jahren machen wir uns immer Anfang Mai gemeinsam auf den Weg zu einem anderen Ziel", erzählt Jenett. Diesmal haben die Schleswig-Holsteiner in Barkow übernachtet, von wo aus ihre Touren sie neben Lübz unter anderem nach Plau am See und zum Agrarmuseum nach Alt Schwerin führten. Alle Männer sind von ihrem diesjährigen Ziel begeistert, loben nette Begegnungen und die schöne Natur. Die Ausfahrten sind jeweils zwischen 100 und 120 Kilometer lang. "Je nach Lust und Laune", sagt Otto Kolan. Saisonbeginn war am 11. April. Weil sich das Wetter danach in diesem Jahr nicht sehr oft motorradfreundlich präsentierte, reisten die Schmuckstücke per Pkw-Anhänger bis nach Barkow. Das ist bei weitem nicht immer so: Für drei der vier Oldtimer stehen in der Heimat Beiwagen bereit.

NSU (Neckarsulm), Triumph, Victoria (beide Nürnberg) und DKW (ursprünglich Zschopau) - alles große, aber längst verschwundene Namen deutscher Industriegeschichte. Otto Kolan, Rolf Jenett, Hermann Bies und Knut Ehrich erinnern mit ihren selbst restaurierten Produkten dieser Unternehmen daran, kommen überall schnell ins Gespräch und werden nicht müde, alle auf sie einströmenden Fragen ausführlich zu beantworten - unentscheidend, ob schon zwei, zehn oder 50 Mal gehört.

Jenett, jetzt 73 Jahre alt, ist NSU seit Beginn seiner Zeit als Kraftfahrer treu geblieben. "Neu habe ich mir damals allerdings kein Motorrad leisten können", sagt er. Nach nur wenigen weiteren Sätzen kommt heraus, dass nicht nur Jenett, sondern auch die anderen mittlerweile mehrere Zweiräder ihr eigen nennen. Spannbreite: Vier bis sieben Stück. Kurt Ehrich bringt es so auf den Punkt: "Für den Keller zuviel, fürs Museum zu wenig."

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