Mit vier Brummis gegen hohe Spritkosten - Enttäuschung über geringe Teilnahme beim Protest vor dem Landtag

Demo der Spediteure. Hier wird ein Lkw von Günther Glass (v.) aus Hohen Pritz durch Michael Busch (h.) beklebt. Foto: Michael-Günther Bölsche
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Demo der Spediteure. Hier wird ein Lkw von Günther Glass (v.) aus Hohen Pritz durch Michael Busch (h.) beklebt. Foto: Michael-Günther Bölsche

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12. August 2008, 08:56 Uhr

Brüel/Schwerin - Gestern früh gegen 9 Uhr setzte sich vom Gewerbegebiet in Brüel ein Protestzug verschiedener Speditionsfirmen in Bewegung. Ziel war der Schweriner Landtag. Hier sollte den Politikern klar gemacht werden, dass durch die derzeitige Energiepolitik die Wirtschaft des Landes in Gefahr gerät.

Auch wenn die Dieselpreise gestern früh bei etwa 1,30 bis 1,32 Euro je Liter lagen, so sind diese immer noch zu hoch. „Bei den derzeitigen Rohölpreisen in Rotterdam, die als Begründung der ständigen Erhöhung herhalten, müsste eigentlich der Dieselpreis bei etwa 1,09 Euro je Liter liegen“, meinte Jens Grunwald, der Initiator und Vorstand des in Gründung befindlichen Vereins „Energie-Preis-Kampf e.V.“.

Gemeinsam mit Kollegen haben sie den gestrigen Protestzug vorbereitet, allerdings – und darüber sind viele sehr enttäuscht – folgten viel zu wenige Kraftfahrer und Firmen diesem Aufruf. „Es sind doch alle betroffen und jeder schimpft. Hier hätten heute früh private Busunternehmen, Taxis und Privatpersonen en masse stehen müssen“, sagte Grundwald weiter.

Stattdessen reihten sich vier Lastzüge, zwei von der Insel Rügen und einer aus Wittenberge, sowie einige wenige Pkw in den Zug ein. Fast war die Polizeieskorte größer. „Das ist typisch mecklenburgisch, hier brauchen die Menschen länger. Wir werden im Laufe der Zeit aber mehr“, ist sich Grunwald sicher.

Allerdings kann er seine Kollegen ein wenig verstehen. Schließlich ist es Montag und viele Lastzüge sind seit Sonntagabend wieder auf Tour, doch sonntags ist keiner im Landtag. Andere Teilnehmer waren auch etwas sauer über die etwas schwache Beteiligung. „Wo bleiben unsere eigentlichen Interessenvertreter? Wo sind die Mitglieder und Vorstände der Berufsverbände und die Gewerkschaften, für die wir Beiträge zahlen?“ fragten sich die Spediteure der Schröder-Transporte von der Insel Rügen.

Sie haben alles organisiert und vorbereitet, da hätten diese Vertreter doch nur noch „aufspringen“ müssen, lautete das Credo. Die gestrigen Akteure sind sich sicher, dass die Aktionen weitergehen müssen und dass sich auch die Teilnahme noch erhöhen wird.

Günther Glass aus Hohen Pritz hatte vier Fahrzeuge, jetzt fährt er nur noch alleine, als Selbstfahrer sozusagen. „Es geht doch nicht mehr mit dieser Kostenlawine, die auf uns zurollt. Die Folgen sind kaum absehbar“, ist er sich sicher. Um die Spritpreise zu zahlen, muss anderswo gespart werden. Das kann bis zu Einsparungen bei Werkstattbesuchen führen und dies hätte negative Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit.

Ein Lob bekam das kreisliche Ordnungsamt in Parchim sowie die Polizei. „Die Zusammenarbeit hat bestens geklappt, schon in der Vorbereitung“, lobte Grunwald das Engagement der Ordnungshüter. Sie begleiteten den Protestzug gestern mit 17 Beamten.

Detlef Benecke von der DEBE-Spedition Wittenberge verriet: „In 14 Tagen kommt der Bundesverkehrsminister Tiefensee nach Wittenberge, da planen wir auch einige Aktionen“. Er hat noch 35 Fahrer beschäftigt und eine Flotte von 26 Fahrzeugen. Am kommenden Sonntag gibt es im Brüeler Rathaus eine Diskussionsrunde mit Spediteuren und auch mit der FDP-Landtagsfraktion. Beginn ist um 14 Uhr.

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