Mit Schwester "Verah" wieder dichter am Patienten

Nach acht Jahren Berufserfahrung machte Arzthelferin Daniela Schmidt eine Fortbildung   zur Versorgungsassistentin  in der Hausarztpraxis  und  fährt  auf Weisung   Patienten-Hausbesuche. Simone  Herbst
Nach acht Jahren Berufserfahrung machte Arzthelferin Daniela Schmidt eine Fortbildung zur Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis und fährt auf Weisung Patienten-Hausbesuche. Simone Herbst

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15. April 2010, 05:54 Uhr

Ludwigslust | Aufgrund des demographischen Wandels und der Zunahme chronischer Krankheiten steigen die Anforderungen an Hausarztpraxen kontinuierlich. Vor allem im ländlichen Raum, wo immer mehr Patienten von immer weniger Ärzten betreut, die Wege weiter, die Zeit immer knapper wird und daher ganze Regionen von medizinischer Unterversorgung bedroht sind.

In dieser Situation sah sich auch die Ludwigsluster Praxis von Dipl. med. Anette Hofmann, die nicht nur Ludwigsluster, sondern vor allem auch Patienten in Loosen und Leussow hat. Ein Ausweg, zudem ein relativ kurzfristiger, bot sich in einer Fortbildung über den Deutschen Ärzteverband, die für Mitglieder des Praxisteams, sprich Arzthelferinnen, greift. Sie umfasst ein zweihundertstündiges Fortbildungskonzept, das inhaltlich mit der Bundesärztekammer und dem Verband der medizinischen Fachangestellten abgestimmt ist und mit einer Prüfung zur Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis ("Verah") abschließt.

Daniela Schmidt ist inzwischen eine solche Schwester "Verah". Nach acht Jahren umfangreicher Berufserfahrung in o.g. Praxis sah sie in erster Linie die Dringlichkeit, mehr Verantwortung im Rahmen der Patientenversorgung zu übernehmen. Andererseits hält sie Fortbildung in einer Zeit, da sich das Rollenbild des Hausarztes ganz offensichtlich dahingehend ändert, dass sie immer mehr zu Koordinatoren und Managern eines interdisziplinären Praxisteams werden, für zwingend.

Inzwischen macht die junge Frau, die Ende Februar ihre "Verah"-Prüfung machte, nahezu täglich Hausbesuche. Sie übernimmt dabei Arzt entlastende und von ihrer Ärztin delegierte Aufgaben und unterstützt sie dadurch bei der Sicherstellung einer umfassenden Patientenbetreuung. Der Hausärzteverband spricht hier von "strukturierter und hausärztlich koordinierter Langzeitversorgung chronisch und/oder multimorbid Kranker", was sehr an die Gemeindeschwester aus Vorwendezeiten erinnert.

"Unsere Praxis hat im Bereich Loosen und Leussow tatsächlich sehr viele Patienten. Meist sind es ältere, alleinlebende Frauen, die niemanden haben, der sie zum Arzt fahren kann", sagt Daniela Schmidt. Statt der Ärztin, deren Zeitkonto Besuche in der Regel nur alle halbe Jahre zulässt, macht "Verah" den Besuch im Abstand von drei Wochen möglich. "Ich komme dann zwar nicht als Ärztin, doch aufgrund der Fortbildung habe ich nun sehr viel mehr Kompetenzen als eine reine Arzthelferin. Denn immerhin umfassen diese die Bereiche Präventions-, Gesundheits-, Technik-, Praxis-, Besuchs-, Wund- und Casemanagement. "Wenn ich Hausbesuche mache, mache ich das auf Weisung der Ärztin. Darüber hinaus muss ich meine Augen praktisch überall haben. Beispielsweise die Tablettensituation checken, ich muss sehen, ob es Stolperfallen gibt oder ob ein Patient sich kaum bewegt, sich deshalb durchsitzt oder durchliegt, wie sich seine Gesamtkonstitution entwickelt hat." "Verah" ist also quasi so etwas wie das verlängerte Auge des Hausarztes, und eine versierte Schwester, der sich die Patienten mitteilen können. "Im Anschluss berichte ich der Ärztin und dann fällt die Entscheidung, ob ihr Besuch bei einem Patienten angeraten ist."

Von Patientenseite wird das Modell gut angenommen. "Viele wissen inzwischen, dass ich mehr als nur Arzthelferin bin. Das ist für meine Arbeit sehr wichtig", sagt Daniela Schmidt. Nicht verstehen kann sie die Vorbehalte, die die Pflegedienste gegenüber "Verah" haben. "Sie haben Angst, dass wir ihnen die Patienten wegnehmen. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Durch die Hausbesuche, die wir jetzt regelmäßig fahren, können wir viel eher Pflegebedarf feststellen und wenn nötig organisieren."

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