zur Navigation springen

Rostocker Zahnmediziner helfen seit Jahren im Jemen : Mit Plüschtieren im Gepäck

vom

Mit Sorge blicken Dr. Dr. Jan-Hendrik Lenz und Dr. Ann Dieckmann von der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie in den Jemen. Hier gibt es Unruhen.

svz.de von
erstellt am 26.Mär.2011 | 02:27 Uhr

Rostock | Mit Sorge blicken Dr. Dr. Jan-Hendrik Lenz und Dr. Ann Dieckmann von der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie in den Jemen. Wie in vielen anderen arabischen Staaten gibt es auch dort Unruhen. Die Universität Aden, mit der die Rostocker Universität eine intensive Zusammenarbeit pflegt, ist derzeit geschlossen.

In den vergangenen Jahren waren Rostocker Zahnmediziner direkt in Jemen vor Ort und haben geholfen, ein Spaltzen trum an der Universität Aden aufzubauen. Der Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie Lenz war bereits fünf Mal im Jemen und hat Operationen durchgeführt, aber auch Ärzte und Studenten weitergebildet. "Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe geben", sagt der 43-Jährige. Im arabischen Land ist die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte viel häufiger anzutreffen. Das liegt an Ernährungsmangel, aber auch an genetischen Faktoren. Mit rund 3000 US-Dollar war solch eine Operation für die meisten Jemeniten unerschwinglich. Das gehört nun dank der Rostocker Hilfe der Vergangenheit an.

Regelmäßig war ein Team aus Ärzten und Schwestern in Aden. Pro Aufenthalt wurden etwa 60 bis 80 Patienten operiert und in ein Nachsorgeprogramm aufgenommen. "Wir waren beseelt von der Dankbarkeit der Menschen. Dies half auch über die körperliche Anstrengung hinwegzukommen", erinnert sich Lenz. Neben der medizinischen Erfahrung schätzt der Rostocker das Vertrauen, das ihm entgegen gebracht wurde. Dr. Ann Dieckmann war besonders beeindruckt davon zu sehen, welche enorme Bedeutung die Hilfe für die Frauen bedeutete. Eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte gelte dort als "Fluch". Frauen hätten immer den Schleier getragen und seien, wenn sie aus ländlichen Regionen kamen, niemals draußen gewesen. Die Stimm- und Sprachheilpädagogin war einmal in Jemen und erinnert sich noch gerne an den sechsjährigen Jungen - der Bruder einer Patientin - der jeden Morgen vorm Krankenhaus auf sie wartete und ihr zum Abschied sogar einen Kuss gab. Zuvor hatte sie in Rostock bei den Patienten Plüschtiere gesammelt und ist mit drei Säcken losgeflogen. "Jedes Kind bekam ein Plüschtier zur Belohnung nach der Behandlung", erzählt die 41-Jährige. Manche hätten sich nicht getraut, das Geschenk anzunehmen.

"Ich mache meinen Beruf als Berufung", sagt die Rostockerin, die gerne auf Reisen geht und besonders für asiatische Länder schwärmt. Von daher sei es ihr ein Anliegen, dass Kinder eine echte Chance bekommen. "Jeder Mensch hat das Recht dazu." Lenz hält es für selbstverständlich, eine "gewisse Expertise" anderen zugute kommen zu lassen. Der Gesichtschirurg freut sich, dass die Universitäten Rostock und Aden eine intensive Kooperation betreiben - besonders die Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie unter Leitung von Prof. Dr. Dr. Bernhard Frerich. Auch in den Gebieten Umwelt und Wassertechnik arbeitet man zusammen.

Regelmäßig sind jemenitische Experten in Rostock, um sich weiter zu bilden. Kürzlich verließen zwei glückliche jemenitische Mädchen Rostock und flogen wieder in ihre Heimat. Die beiden kleinen Kinder haben sich in der Hansestadt schwierigen Operationen unterzogen, denn sie litten an einer schweren Fehlbildung des Gesichtsschädels. "Diese Kinder konnte man nicht vor Ort behandeln, da dort eine Intensivstation fehlt, wo die Kinder nach der Operation betreut werden können", erläutert Lenz. Daher habe sein aus Syrien stammender Kollege Oberarzt Dr. Bassam Saka die Mädchen bei sich in der Familie untergebracht und in der Rostocker Klinik operiert.

Neben Gewürzen wie Kardamon und Chili, Tee und Kaffee sowie bunten Tüchern nahmen die Rostocker Helfer eine Erfahrung mehr mit im Gepäck nach Hause. Gemäß des arabischen Sprichwortes: Was man anderen im Leben Gutes tue, werde einem im Paradies wieder gegeben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen