Mit Kraft der Sonne

Joachim Warnke überprüft die Messstation... Fotos: Maria Nielsen
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Joachim Warnke überprüft die Messstation... Fotos: Maria Nielsen

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16. Juli 2008, 11:01 Uhr

Neuhaus/Darchau - Es gibt bestimmt luxuriösere „stille Örtchen“, als das Toilettenhäuschen auf dem neuen Floß, das Joachim Warnke gerade gebaut hat, aber der Blick in die Elbelandschaft wird grandios, denn „ein Fenster wird noch eingebaut“, verspricht Warnke. Er traf sich gestern mit Manfred Ruffing, dem Auftraggeber für das neue Floß, in Darchau, um Details für die Ausstattung zu besprechen. Doch dass die künftigen Passagiere sich entweder gegenüber oder hintereinander setzen können, weil es möglich ist, die Bänke variabel zu platzieren, dass es Raum für die Mitnahme von Fahrrädern geben wird, dass auch an Kühlschrank und kleine Kochgelegenheit gedacht werden soll, das ist zwar für die Mitfahrer toll.

Clou des Floßes liegt auf dem Dach

Aber der Clou des neuen Floßes liegt auf dem Dach. Das sind Solarzellen, die für eine umweltfreundliche Fortbewegung der schwimmenden Oase sorgen sollen. Die Solarzellen speisen Strom in große Batterien ein, die wiederum einen Elektromotor mit Strom versorgen, der die Schraube antreibt. Da es bisher noch kein solch großes schwimmendes „Gefährt“ gibt, dass mit Solarenergie angetrieben wird, sind zurzeit umfangreiche Erprobungen im Gange. Um das Gewicht der künftigen Solarmodule zu simulieren, liegen Sandsäcke auf der Dachkonstruktion. Auch die Batterien werden ziemlich schwer sein. Einen Belastungstest mit drei Tonnen Wasser auf der Plattform hat das Floß schon hinter sich. „Es hat sich fast nicht verformt und auch die Geschwindigkeit ist fast gleich geblieben“, ist Joachim Warnke sehr zufrieden.

Schubkraft muss groß genug sein
Doch das ist noch nicht alles, was erprobt werden muss. Zurzeit misst der geniale Tüftler die tatsächliche Schubkraft. Es sollten schon 120 Kilopond sein, um in ruhigen Gewässern auf eine Geschwindigkeit von rund zehn Kilometern pro Stunde zu kommen. Außerdem sollte der Energievorrat für eine Tour von etwa drei Stunden reichen. Sowohl der einfließende als auch der abfließenden Strom muss auf der Ladungsanzeige der Batterien zu sehen sein. Das ganze sei schon eine technische Herausforderung, gibt Warnke zu. Reicht der Solarstrom nicht, dann kann auf ein Dieselaggregat zurückgegriffen werden. Doch angestrebt wird, alles mit der Kraft der Sonne zu bewältigen.

Der Antrieb allein wird zwischen 30000 und 50000 Euro kosten. Auftraggeber Manfred Ruffing hat beim Land einen Förderantrag gestellt. „Wir warten jeden Tag auf den Bescheid, haben aber schon den vorzeitigen Maßnahmenbeginn erhalten.“ Gefördert wird durch das Programm „Natur erleben“. Es „unterstützt Ansätze, mit denen der natürliche Reichtum des Landes einer Vielzahl von Menschen nahe gebracht und erlebbar gemacht wird“, heißt es. Und genau dafür ist das Floß ideal geeignet. Es hat kaum Tiefgang und ist sehr leise. Ganz in Ufernähe können Pflanzen- und Tierwelt beobachtet werden. „Vom Floß aus kann man dem Biber beim Schlafen zusehen“, witzelt Joachim Warnke.

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