Mit Kopfnoten gegen die Wand

Die umstrittenen Kopfnoten werden erstmals

zum Ende des Schuljahres 2008/09 auf den Zeugnissen erscheinen. Zum Schulhalbjahr sei darauf „als Schritt zur Entbürokratisierung“ verzichtet worden, so Johanna Hermann, Sprecherin des Bildungsministeriums. Gespräche mit den Schülern sollen die Benotung ersetzen.

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01. Oktober 2008, 05:19 Uhr

Schwerin - Das Ministerium kommt damit dem Wunsch von Lehrern, Eltern und Schülern nach mehr Zeit für individuelle Beratung und Gespräche nach. Die Änderung führe für alle Beteiligten zu einer Verbesserung, so Hermann. Eigentliche „Kopfnoten“ wird es allerdings – vorerst – im Land nicht geben. Das Arbeits- und das Sozialverhalten sollen mit den vier Prädikaten „vorbildlich“, „gut“, „zufriedenstellend“ oder „entwicklungsbedürftig“ bewertet werden.

Das ist aber selbst unter Lehrern höchst umstritten. Es geht nicht um das Ja oder Nein zur Bewertung, sondern um das Wie. Denn selbst die Pädagogen sahen sich zu Schuljahresbeginn mehr schlecht als recht informiert, wie sie das Arbeits- und Sozialverhalten bewerten sollen. Aus dem Schweriner Bildungsministerium gab es ein Informationsheftchen (siehe Hintergrund) und die Aufforderung, dass die Umsetzung an der jeweiligen Schule selbst zu beraten und Regularien festzusetzen. Klar war nur die Aufforderung: Jeder Fachlehrer habe jeden einzelnen Schüler zu bewerten – selbst wenn er diesen nur aus einer Unterrichtsstunde pro Woche kennt.

Wie der Klassenlehrer das wichten und zusammenfassen soll, blieb völlig offen. So „vorbereitet“ mussten die Klassenlehrer in den zurückliegenden Wochen vor die Eltern treten und ihnen die Neuerungen mitteilen. Die Palette der Reaktionen reichte von ratlosem Kopfschütteln bis zu heftigem Protest. Vor allem hinterfragten die Eltern immer wieder die Objektivität und die Vergleichbarkeit einer solchen Beurteilung.


Hintergrund


Die Bewertungskriterien
Im Sommer ließ das Bildungsministerium 150000 Heftchen drucken und verteilen, in denen die Bewertungskriterien aufgelistet wurden:

In welchen Jahrgangsstufen werden Kopfnoten vergeben?

Ab der Jahrgangsstufe 2 bis zum Ende der Jahrgangsstufe 8 erscheint die Bewertung auf allen Jahreszeugnissen.
Bei Zeugnissen in den Jahrgangsstufen 9 und 10, Abgangs-, Übergangs- und Abschlusszeugnissen erfolgt die Bewertung auf einem gesonderten Beiblatt. Der Schüler kann selbst entscheiden, ob er dies bei einer Bewerbung vorlegt.

Welche Kriterien bilden die Grundlage der Bewertung?
Bereich Arbeitsverhalten:
  Anstrengungsbereitschaft
  Mitarbeit und Fleiß
  Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Sorgfalt
  Selbstständigkeit
  Belastbarkeit und Ausdauer.
Sozialverhalten:
  Umgangsformen und Einhaltung von Regeln
  Teamfähigkeit und Verantwortungsbereitschaft
  Konfliktverhalten und Kritikfähigkeit
  Hilfsbereitschaft

Welche Bewertungsgrade werden vergeben?

  vorbildlich, wenn das Verhalten des Schülers überdurchschnittlich ist und als besonders lobenswert hervorgehoben werden soll.
  gut, wenn das Verhalten des Schülers den Anforderungen in vollem Umfang entspricht.
  zufriedenstellend, wenn das Verhalten des Schülers im Wesentlichen den Anforderungen entspricht.
  entwicklungsbedürftig, wenn das Verhalten des Schülers nicht zufriedenstellend ist.

Hat die Bewertung des Arbeits- und des Sozialverhaltens Auswirkung auf die Versetzung?
Nein, die Bewertung des Arbeits- und des Sozialverhaltens beeinflusst die Entscheidung über die Versetzung nicht. Für die Versetzung sind allein die in den Fächern erreichten Leistungen maßgebend.

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