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13. Dezember 2017 | 16:09 Uhr

Mit Kaviar in die Pleite

vom

svz.de von
erstellt am 31.Mai.2010 | 07:58 Uhr

Düsseldorf/Demmin | Einen Reibach mit edelstem Rogen hatte er tausenden Aktionären versprochen, jetzt wird Frank Schaefer Kapitalanlagebetrug in großem Stil vorgeworfen: Der ehemalige Chef des Kaviar-Produzenten Caviar Creator sitzt seit gestern auf der Anklagebank des Düsseldorfer Landgerichts. Der 54-Jährige, unter dessen Leitung die nach seinen Angaben "weltweit größte überdachte Störzuchtanlage" in Demmin aufgebaut wurde, war in den USA festgenommen und an Deutschland ausgeliefert worden.

Der Schaden soll sich laut Staatsanwaltschaft auf gut 18 Millionen Euro summieren. Der Kaufmann herrschte demnach über ein Firmengeflecht mit Unternehmen in Gibraltar und Las Vegas, zu dem auch die Demminer Anlage mit rund 200 000 Stören gehörte. Wie viel Geld Schaefer bei den Geschäften für sich abgezweigt hat, "wissen wir nicht", sagte Staatsanwältin Stephanie Küpper. "Aber er hat gut gelebt."

Schaefer soll Anleger mit falschen Angaben gelockt haben

Schaefer und seine Anwälte bestreiten allerdings die Vorwürfe. Die sechs Jahre währenden Ermittlungen hätten das Geschäft und seine Expansionspläne massiv behindert. Hinter den Vorwürfen hatte der Düsseldorfer vor Jahren angeblich einen feindseligen Konkurrenten ausgemacht, der ihn aus dem Geschäft mit dem luxuriösen Gaumenschmaus drängen wolle.

Die Eier des Störs gelten als die teuersten Eier der Welt. Weil der Beluga-Kaviar in Russland durch Umweltzerstörung und Überfischung immer seltener wird, witterten die Anleger das große Geschäft durch die Zucht. Laut Staatsanwaltschaft soll Schaefer aber spätestens im Dezember 2005 schon gewusst haben, dass das operative Geschäft von Caviar Creator nicht überlebensfähig war. Mit 200 000 Euro pro Monat sei die Produktion in Demmin bezuschusst worden.

Während Schaefer in Newslettern und Emissionsprospekten Umsatzexplosionen von 1600 Prozent und 400 Tonnen Kaviar pro Jahr in Aussicht stellte, sei in den Demminer Wasserbecken gerade einmal eine Tonne der teuren Luxus-Fischeier gewonnen worden - die bei einem Tester dann auch noch als "muffig" durchfielen.

Glaubt man der Anklage, hat sich Schaefer vor allem darauf konzentriert, über raffinierte Telefonakquise durch sogenannte "Opener" und "Loader" immer wieder neues Kapital einwerben zu lassen. Ein angeblicher Großanleger entpuppte sich als völlig verarmter Deutscher auf Mallorca. Eine Bank, die das Unterfangen angeblich finanzieren wollte, habe es ebenso wenig gegeben wie Produktionsstandorte in Iran und Armenien. Stattdessen habe Schaefer ein Schneeballsystem betrieben: Von rund 5000 Anlegern seien insgesamt 52,2 Millionen Euro Kapital über den vorbörslichen Verkauf von Wertpapieren eingeworben worden.

Versprochener Börsengang war laut Anklage nie geplant

Ein Börsengang, der den Anlegern eine enorme Rendite bescheren sollte, sei nie wirklich geplant gewesen. In Briefen an die Anleger seien permanent falsche Angaben gemacht worden. Im April war für die Demminer Störzuchtanlage das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Die Arbeiten in der Anlage gehen laut Insolvenzverwalter derzeit mit 16 Beschäftigten weiter. Schaefers Anwälte kündigten gestern noch eine Erklärung an. Weil die Strafkammer kurzfristig umbesetzt werden musste, wurde das Verfahren aber vertagt. Mit einem Urteil ist frühstens Ende September zu rechnen.

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