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Westmecklenburg : Mit Kameras gegen Holzdiebe

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Sie sägen am hellerlichten Tag mit Großmaschinen Dutzende alte Kiefernstämme ab und transportieren sie ab, weiterhin verschwinden auf einen Schlag ganze Lkw-Ladungen zugeschnittenes Holz.

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erstellt am 06.Jan.2012 | 09:12 Uhr

Schwerin | Im Wald da sind die Räuber: In Westmecklenburg sägen sie am hellerlichten Tag mit Großmaschinen Dutzende alte Kiefernstämme ab und transportieren sie ab, weiter östlich verschwinden auf einen Schlag ganze Lkw-Ladungen zugeschnittenes Holz - in Mecklenburg-Vorpommern werden die Holzdiebe immer dreister. Der entdeckte Holzklau von großen Partien hat sich im Landeswald in den vergangenen drei Jahren fast verdoppelt. Knapp 400 Festmeter sind in den Wäldern der Landesforstanstalt im vergangenen Jahr gestohlen worden, teilte Holzvermarkterin Susanne Pöppel gestern in Malchin mit. Drei Jahre zuvor waren es 210 Festmeter gewesen, ein Jahr später 260 Festmeter. Nur ein Bruchteil: Zum Diebstahl großer Partien, kämen unzählige kleinere Fälle von Brennholzdiebstahl, so Pöppel. Seit der wachsenden Wertschätzung für Brennholz steige auch das allgemeine Interesse selbst an solchen Partien, meinte Harald Wagner, Jurist der Landesforstanstalt. Die Energiewende mache Holz immer wertvoller. "Das weckt Begehrlichkeiten", sagte Karl-Jochen Rave vom Waldbesitzerverband.

Den Förstern reichts: Ab diesem Monat gehen sie mit Hightech-Sicherheitstechnik gegen die Diebe vor. Die Landesforst wolle es nicht mehr hinnehmen, dass jährlich hunderte Festmeter aufgearbeitetes Holz aus dem Wald verschwinden, erklärte Pöppel. Zwar achteten die Revierförster verstärkt auf die Holzlager im Wald. Bei einer Landeswaldfläche von 200 000 Hektar haben die etwa 200 Revierförster aber kaum eine Chance, jeden Holzstapel zu kontrollieren. Jetzt verstärken die Förster die Überwachung. Mit kleinen, im Wald aufgebauten, gut getarnten Kameras und in den Holzstapeln versteckten Sendern versuchen sie, den Holzdieben auf die Spur zu kommen. Diese Technik wird auch von privaten Waldbesitzern bereits in anderen Gegenden Deutschlands genutzt - mit Erfolg.

Gestohlen wird, was der Wald hergibt: Sägeholz, Industrieholz, wertvolles Paktettholz - das gesamte Sortiment werde abgeräumt, sagte Pöppel. Seit die Preise für den nachwachsenden Rohstoff satte Einnahmen sichern, kennen die Räuber keine Grenzen. Der bislang wohl größte Fall: Vor drei Jahren wurden im Landeswald auf einen Schlag nahe Wesenberg etwa 1300 Raummeter Kiefer gestohlen. Von den Tätern fehlt noch immer jede Spur. Vor allem in verkehrstechnisch günstig gelegenen Wäldern, ist die Gefahr groß, meint Pöppel. Branchenkenner gehen von einem organisierten Holzdiebstahl aus. Die Täter schlagen mittlerweile bundesweit zu. Holz werde gut organisiert und zielgerichtet gestohlen. Der Schaden ist enorm: Durch die illegale Abfuhr großer Holzpartien gingen allein der Landesforst und Holzkunden im vergangenen Jahr mindestens 10 000 Euro verloren, sagte Pöppel - die Dunkelziffer ist hoch. Wenn quasi über Nacht ganze bereits bezahlte Holzpolder verschwinden, könne schnell die Existenz besonders kleinerer Firmen in Gefahr geraten.


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