Passau: Robson nimmt längste Paddeltour der Welt in Angriff : Mit dem Kanu nach Australien

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Diese Frau kennt keine Furcht. Die Australierin Sandy Robson hat in ihrem Kanu bereits die Attacke eines Krokodils überlebt. Jetzt hat sie sich von Deutschland aus auf die längste Kanustrecke der Welt gemacht.

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26. Mai 2011, 11:24 Uhr

Diese Frau kennt keine Furcht, nur Abenteuerlust. Die Australierin Sandy Robson hat in ihrem Kanu bereits die Attacke eines Krokodils überlebt. Jetzt hat sie sich von Deutschland aus auf die längste Kanustrecke der Welt gemacht: Sie will in fünf Jahren von Ulm in ihre Heimat paddeln – rund 50 000 Kilometer. „Es ist die längste Kanuroute, die es auf der Welt gibt. Ich liebe das Abenteuer und die Herausforderung“, sagt die 43-Jährige.

Sie eifert dabei einem Deutschen nach, der diese Tour bereits in den 1930er-Jahren gemacht hat. Oskar Speck hatte in Deutschland zur Zeit der Weltwirtschaftskrise 1932 keine Arbeit und wanderte aus, vielmehr er paddelte aus. Über Zypern gelangte er nach 13 Jahren schließlich nach Australien. „Sechs Jahre verbrachte er auf seiner Reise in indischer Gefangenschaft, weil sie ihn dort für einen Spion der Nazis gehalten haben“, erläutert Max Scharnböck vom Deutschen Kanuverband. Speck hatte damals an seinem Boot eine Hakenkreuzfahne gehisst. Bis zu seinem Tod lebte Oskar Speck in Australien.

Seitdem ist der Deutsche vor allem in der australischen Kajak-Szene eine Ikone. „In Sydney gibt es eine kleine Ausstellung im Marinemuseum und es werden viele Geschichten über ihn geschrieben“, ergänzt Sandy. Wie Speck will auch sie zunächst nach Zypern. Sechs Monate Zeit hat sie dafür eingeplant. Dabei hat Sandy ihre bislang längste Tour fast mit dem Leben bezahlt. Bei dem Versuch, Australien mit dem Kanu zu umrunden, sei sie 2007 von einem Krokodil angegriffen worden. „Zum Glück hat das Tier in das Boot gebissen und mich nicht verletzt“, schildert die Frau.

Anschließend habe sie die Tour aber abgebrochen, der Schreck steckte zu tief in den Knochen. Ihren ersten Paddelschlag in Deutschland machte die 43-Jährige, die in ihrer Heimat Paddel- und Kajakkurse für Touristen organisiert, am 14. Mai in Ulm. Die Donau ging es dann hinunter bis nach Passau.
An der dortigen Schleuse wurde sie von Überwachungskameras entdeckt, wie sie ihr Faltboot in den australischen Landesfarben (gelb und grün) zum Übersetzen aus dem Wasser zog. „Hoffentlich hat der Mann an der Schleuse nicht so genau hingeschaut“, sagt die 43-Jährige. Als sie aus dem Wasser kam, habe sie sich schließlich erstmal in einem Gebüsch erleichtern müssen.

Nach zwei Tagen Pause will sie weiter über Österreich nach Bulgarien paddeln. Nach dem Vorbild von Oskar Speck plant sie dann über den Landweg zur mazedonischen Hauptstadt Skopje und zum Fluss Vadar zu gelangen. Anschließend geht es über Thessaloniki an die türkische Küste. Hier beginnt der gefährlichste Abschnitt der Reise nach Zypern – rund 80 Kilometer mit dem schmalen Kanu über das offene Meer. Auf Zypern sucht sie sich dann erst einmal Arbeit und spart für die im Frühjahr 2012 geplante Weiterfahrt. Den Großteil der Kosten ihrer Expedition trägt die 43-Jährige selbst, auch das Boot hat sie von ihrem Geld gekauft.

Der zweite große Abschnitt der Tour ist für Sandy Robson noch in weiter Ferne. Die Reise soll dann über Syrien zum Euphrat und Tigris bis in den Iran führen. „Vielleicht lässt es die politische Lage nicht zu, dass ich durch diese Länder komme. Ich habe auch noch keine Erlaubnis“, erzählt sie. Zur Not will sie ihr Kanu auf ein Autodach schnallen und versuchen, sich auf dem Landweg nach Indien durchzuschlagen. „Dort kommt dann der letzte Abschnitt: Über Indonesien in die Heimat.“

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