Mit alten Kühen aus der Krise

Kühe in MV: Je älter, je besser?
Kühe in MV: Je älter, je besser?

In der bisher tiefsten Krise auf dem Milchmarkt ziehen die Bauern in MV die Kostenschraube an: Sie lassen ihre Kühe wieder älter werden und bessern die Geschäftszahlen auf. Jetzt stellt auch Brüssel Finanzhilfen in Aussicht.

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25. April 2009, 09:02 Uhr

Neubrandenburg/Schwerin | Es ist eine der wenigen Chancen, die Verluste in der Milchwirtschaft nicht noch größer werden zu lassen: Die Bauern lassen ihre Kühe wieder länger im Stall und auf der Weide. "Das ist der einzige Weg, um effektiv wirtschaften zu können", meinte Ulrich Kesting vom Landeskontrollverband gestern in Güstrow. Stand früher die Spitzenleistung der Tiere im Vordergrund, legten die Bauern jetzt stärker auf eine hohe Lebensleistung wert. Bislang standen die Tiere in MV im Schnitt 4,3 Jahre auf dem Hof, bundesweit sechs Jahre. Wirtschaftlicher wäre es, die Tiere elf Jahre zu halten, erklärte Prof. Gerhard Flachowsky vom Friedrich-Loeffler-Institut gestern. Das Alter haben zumindest einige Tiere in MV längst erreicht. Die ältesten lebenden Kühe im Land seien 17,5 Jahre alt und stünden z. B. im Agrarbetrieb Kasten in Milienhagen (Nordvorpommern) und in der Rinderzucht Peters in Körchow (Ludwigslust). Die Tiere würden es dann meistens auch auf eine Gesamtleistung von mehr als 100 000 Liter Milch bringen. Vor 20 Jahren hätten die Kühe in MV rund 4000 Liter Milch im Jahr gegeben, heute seien es 8800 Liter, so Kesting. Spitzentiere brächten es auf mehr als 10 000 Liter.

Die rund 700 Milchviehbetriebe in MV mit ihren etwa 172 000 Rindern geraten derzeit immer stärker in Bedrängnis. Die Branche ist auf dem tiefsten Stand seit Jahrzehnten. Milchpreise von 20 Cent je Liter lassen keine rentable Produktion mehr zu, und zwingen zur Kostensenkung. Kühe mit hoher Lebensleistung bringen da mehr Effizenz, meinte Sylvia Ey vom Bauernverbandes in Neubrandenburg. Dabei sei MV auf einem guten Weg. Ab einer Lebensleistung von 30 000 Litern habe sich der Einsatz einer Kuh amortisiert, rechnete Kesting vor. Inzwischen steige die Leistung jährlich um bis zu 800 Liter - derzeit auf 23 462 Liter.

Indes können die Bauern auf Finanzhilfe aus Brüssel hoffen. Die EU prüft offenbar, die Agrarbeihilfen in diesem Jahr früher auszuzahlen als üblich. Bei einem Treffen der EU-Agrarminister gestern in Luxemburg habe sich Unterstützung für den deutschen Vorschlag abgezeichnet. EU-Agrarkommissarin Fischer Boel habe eine Prüfung zugesagt. Damit konnten die Bauern schon am 16. Oktober statt am Jahresende die Direkthilfen erhalten - Bundesweit 5,4 Milliarden Euro.

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