Das Fest in Uniform und Schwitzkasten : Mission Weihnachten

Weihnachtsgrüße aus Dschibuti: Obermaat Christian R. aus Wittenförden und  Stabsgefreiter Arno K. aus Schwerin (rechts) sind bis zum Frühjahr 2011 mit der Fregatte 'Hamburg' im Dienst der Mission Atalanta am Horn von Afrika unterwegs.Marine
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Weihnachtsgrüße aus Dschibuti: Obermaat Christian R. aus Wittenförden und Stabsgefreiter Arno K. aus Schwerin (rechts) sind bis zum Frühjahr 2011 mit der Fregatte "Hamburg" im Dienst der Mission Atalanta am Horn von Afrika unterwegs.Marine

Die deutschen Teller, die der Smutje Arno K. aus Schwerin an Bord der Fregatte "Hamburg" mitverantwortet, kommen zu Weihnachten mehr als fünfeinhalb Tausend Kilometer fern der Heimat auf den Tisch.

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23. Dezember 2010, 05:49 Uhr

Schwerin | Das Festessen schwimmt schon seit ein paar Tagen mit durchs Meer vor der ostafrikanischen Küste. "Gänsekeule an Rotkohl und Klößen" will Stabsgefreiter Arno K., Smutje an Bord der Fregatte "Hamburg", seinen Kameraden am 24. Dezember servieren. Zum Mittag. Abends gibts dann Kartoffelsalat mit Bockwurst, die am Heiligen Abend angeblich auf jedem dritten deutschen Teller landen. Die deutschen Teller, die der Smutje aus Schwerin mitverantwortet, kommen mehr als fünfeinhalb Tausend Kilometer fern der Heimat auf den Tisch - am Horn von Afrika, wo die Deutsche Marine im Dienst der europäischen Anti-Piraten-Mission Atalanta Patrouillen fährt.

Am 19. Oktober war die Fregatte "Hamburg" von Wilhelmshaven ausgelaufen mit Ziel Dschibuti, dem Zwergenstaat am Golf von Aden zwischen Rotem Meer und Indischem Ozean. Dort hat das Schiff zuletzt vor drei Tagen Proviant gebunkert: 33 Tonnen einschließlich aller Zutaten für das Festtagsessen, wie Arno K. im Telefongespräch mit unserer Zeitung sagte. Der 23-Jährige ist nach seiner Kochlehre in der mecklenburg-vorpommerschen Landeshauptstadt als Zeitsoldat zur Marine gegangen, seine Hotelerfahrung im Gepäck. "Bei 247 Leuten an Bord ist nun eher Großküchenflair angesagt."

Feldpost bringt ein Päckchen der Freundin

Schon 2008 war der Stabsgefreite für fünf Monate mit der Fregatte "Hamburg" unterwegs, seinerzeit ging es aber erst kurz nach dem Jahreswechsel los. Diesmal fallen Weihnachten und Silvester in die Einsatzzeit. Eine Premiere - notgedrungen - für den Koch ebenso wie für seinen Kameraden und Landsmann Christian R., 26, Obermaat aus Wittenförden. Auch er hat bereits Erfahrungen mit längeren Einsätzen, aber ebenfalls noch keine mit der bevorstehenden Weihnachtsabstinenz.

Das Fest der Familie ohne Familie, ohne Eltern und ohne die Freundinnen? Offenbar klingt das hierzulande trübseliger, als es sich im Auslandseinsatz anfühlt. Oder die Soldaten geben sich wackerer als ihnen zumute ist? "Hier wirst du gut aufgefangen", schildert Arno K.. "Alle machen dasselbe durch, das gibt Halt." Nein, es falle ihm nicht so schwer, vielleicht gehe es anderen schlechter.

Ein Geschenk seiner Eltern hat Arno K. seit Beginn der Fahrt dabei, dieser Tage brachte die Feldpost noch ein Päckchen seiner Freundin - via Wilhelmshaven mit einer Transall nach Dschibuti. Er revanchiert sich mit Weihnachtspost. "Manchmal muss es doch ein Brief sein", sagt Arno K., ohne noch mehr preiszugeben. Üblicherweise hält er per E-Mail den Kontakt nach Hause oder per Telefon, wenn Landgänge es erlauben. Beim letzten Mal in Dschibuti hat er seinen Brief auf den Weg geschickt. Die Geschenke will er bis Heiligabend hüten und ermuntert sich zur Disziplin. "Ja, ich will durchhalten." Bis zu seiner kleinen Bescherung. Ob sich die Besatzung über die Feiertage ein Gläschen Rotwein genehmigen kann, bestenfalls zum Festtagsbraten aus der Bordküche? "Auf See sind zwei Bier gestattet, wenn es Rotwein geben soll, muss das der 1. Offizier entscheiden", verrät der Smutje.

"Welten, die uns von zu Hause trennen"

Mit ähnlicher Gelassenheit sieht Obermaat Christian R. den Feiertagen entgegen. Noch jedenfalls. Von der großen Runde der Kameraden am Abend verspricht er sich genug Zerstreuung, so viel, dass sie über den einen oder anderen wehmütigen Moment hinweg helfen kann. Überdies sind die Soldaten auf See, was bedeutet, dass zu den Feiertagen Dienste anstehen - Alltag also zum Fest. Seine Freundin in Celle hat es da wohl doch etwas schwerer, schätzt Christian K. ein. "Ihre Eltern und auch meine unterstützen sie, zum Glück."

Über Zeitungen und Nachrichten im Internet verfolgt der junge Mann derzeit das winterliche Chaos in Deutschland. Einmal mehr wird ihm dabei bewusst: "Es sind Welten, die uns von zu Hause trennen." Die Aussicht auf Minusgrade und weiße Weihnachten erscheint ihm allerdings schon verlockend an Abenden, an denen das Thermometer 28 Grad Celsius zeigt. Da tut sich die Weihnachtsstimmung schon etwas schwer, wenngleich die typischen Begleiter des Festes an Bord der Fregatte "Hamburg" nicht fehlen: Adventsgestecke gibt es, Lebkuchen, Spekulatius, angeblich sogar Glühwein. "Wir haben gleich im Oktober das meiste mitgenommen", sagt Christian R.. Selbst ein Tannenbaum soll noch aufgestellt werden. "Ein künstlicher allerdings." Ein wenig hapert es auch beim Schmuck, wie der Mecklenburger bemerkt. Die Kameraden bringen die Dekoration nämlich eigenhändig an.

Seine Geschenke von zu Hause hat der Soldat gut verwahrt. Familie und Freundin hatten sie ihm zum Abschied anvertraut. Christian K. ist zuversichtlich, bis Heiligabend standzuhalten. Um selbst schon im Herbst Vorkehrungen für Überraschungen zum Fest zu treffen, fehlte ihm die Zeit. Darum hat er sich vorgenommen: "Zu Hause wird dann alles nachgeholt." In diesem "dann" schwingt Sehnsucht mit. Doch nach Weihnachten und Silvester dauert es noch immer einige Monate bis zur Heimkehr. Erst Ende März, Anfang April soll die Fregatte "Hamburg" wieder im Heimathafen Wilhelmshaven festmachen.

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