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Schwerin: Parteien fordern Entschädigung : Missbrauch in DDR-Heimen

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Wer als Kind in DDR-Kinderheimen missbraucht oder misshandelt wurde, muss entschädigt werden. Das fordern SPD, CDU, Linkspartei und FDP in einem gemeinsamen Antrag.

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erstellt am 24.Jun.2011 | 11:15 Uhr

Wer als Kind in DDR-Kinderheimen missbraucht oder misshandelt wurde, muss entschädigt werden. Das fordern SPD, CDU, Linkspartei und FDP in einem gemeinsamen Antrag, der in der kommenden Woche auf der letzten regulären Landtagssitzung vor der Neuwahl im September in Schwerin beraten werden soll. Die vier Parteien sprechen sich auch dafür aus, missbrauchte Kinder in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt besser zu betreuen. Weil das Thema nicht für parteipolitischen Zwist ausgenutzt werden dürfe, waren alle Seiten auf dem Weg zum Konsens zu Kompromissen bereit, berichteten Sprecher der Fraktionen.

Es sei nicht hinzunehmen, "dass die Opfer der DDR-Kinderheime als Opfer zweiter Klasse behandelt werden", heißt es in dem Antrag. Für sie müsse eine Lösung gefunden werden, die dem 120-Millionen-Euro-Entschädigungsfonds gleiche, den der Bundestag für Opfer der Heimerziehung in der alten Bundesrepublik vor kurzem auf den Weg gebracht hat. Die Schweriner FDP hatte vor einem Jahr das Thema DDR-Heimerziehung auf die Landtagstagesordnung gehoben. Es folgten lange Beratungen in den Ausschüssen und eine Anhörung von Betroffenen, die offenbar viele Abgeordnete tief bewegt hat. Ihnen sei man es schuldig, das schwierige Thema nicht zum Ende der Legislaturperiode ad acta zu legen, so eine CDU-Fraktionssprecherin.

In den Nordbezirken der DDR gab es 17 Jugendwerkhöfe und sechs Spezialkinderheime. Seitdem die öffentliche Debatte über sie vor etwa zwei Jahren entbrannt ist, haben sich 200 ehemalige Heimzöglinge gemeldet, die von Schikanen und sexuellen Übergriffen berichteten, heißt es bei der Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen, die für ehemalige Heimkinder Anlaufstelle ist. Viele Betroffene sind traumatisiert.

Der gemeinsame Antrag stellt fest, dass Kindern in DDR-Heimen Unrecht widerfahren ist - dies zuzugeben, fällt nicht jedem Mitglied der Linkspartei leicht. Aber, so heißt es weiter, das Unrecht war keine Folge des politischen Systems der DDR, wie manche Christdemokraten es darstellen.

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