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Ministerium will "Bezahljagden" in Nationalparks

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erstellt am 02.Apr.2009 | 08:23 Uhr

Damm/Schwerin - Agrarminister Till Backhaus (SPD) will möglicherweise sogenannte Bezahljagden in Nationalparken erlauben. "Ich denke darüber nach, inwieweit wir die Nationalparkordnung ändern, um Einnahmen zu erzielen, die zum Wohle der Nationalparke und für den Naturschutz und Umweltbildung eingesetzt werden", sagte Backhaus am Donnerstag im Gespräch mit NDR 1 Radio MV. Zugleich lehnte das Ministerium eine Anfrage für eine Jagdveranstaltung ab, die der Landesjagdverband für November im Müritz-Nationalpark geplant hatte. Der Geschäftsführer des Verbandes, Rüdiger Brandt, bedauerte die Entscheidung.

Auf einer Klausurtagung der deutschen Landesjagdverbände habe man den Kollegen aus den anderen Bundesländern das Wildtiermanagement im Park praktisch vorstellen wollen. Üblicherweise werde in dem Nationalpark in Übereinstimmung mit Abschussplänen von Mitarbeitern des Parks und Inhabern sogenannter Begehungsscheine gejagt, um etwa Schäden durch Rot- und Damwild oder Wildschweine zu begrenzen. Dies diene nicht der Bewirtschaftung, sondern dem Wildtiermanagement. Als Gastgeber der Tagung in diesem Jahr werde man nun in ein Gebiet der Landesforst ausweichen. Dem NDR-Bericht zufolge befürchtet das Ministerium, dass die Veranstaltung Erinnerungen an die DDR- Staatsjagden in dem Gebiet an der Müritz wecken könnte.

Aus demselben Grund lehnen Umweltschützer die Pläne für "Bezahljagden" ab. Die Jagd an der Müritz sei im Dritten Reich Freunden von Hermann Göring, zu DDR-Zeiten dem damaligen Staatsratsvorsitzenden Willi Stoph vorbehalten gewesen, sagte die Landesgeschäftsführerin des BUND, Corinna Cwielag, dem Sender. "Es wäre sehr unselig, wenn man jetzt wieder für Privilegierte Statusjagden durchführt." Die Bürgerbewegung nach der Wende habe sich dafür eingesetzt, dass dieses Gebiet der Natur gehören und nicht für Privilegierte zugänglich sein solle.

Brandt betonte, sein Verband habe keine Jagd für Funktionäre geplant. "Das sind Geschäftsführer von Naturschutzverbänden", sagte er. Die Jagdverbände seien als solche anerkannt. Jetzt werde man in ein Gebiet der Landesforst ausweichen. "Davon geht die Welt nicht unter", fügte er hinzu.

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