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Immer mehr Senioren über 65 Jahre arbeiten : Minijob für die Zusatz-Rente

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Immer mehr Senioren über 65 Jahre arbeiten - wegen drohender Armut oder aus Freude an der Tätigkeit? Die Zunahme von Mini-Jobs befeuert den Streit aufs Neue. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

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erstellt am 28.Aug.2012 | 07:28 Uhr

Berlin | Immer mehr Senioren über 65 Jahre arbeiten - wegen drohender Armut oder aus Freude an der Tätigkeit? Die Zunahme von Mini-Jobs befeuert den Streit aufs Neue: Die Opposition fordert entschiedene Maßnahmen gegen Altersarmut, die Koalition verweist auf ihre Pläne dagegen und gibt sich überzeugt: Die Zunahme habe eher mit mehr Fitness im Alter und einem Trend zum längeren Arbeiten zu tun als mit materiellen Gründen. Die wichtigsten Fragen zum Thema beantwortet Christoph Slangen.

Hat die Zahl der älteren Mini-Jobber überproportional zugenommen?

Die Zahl der Minijobber ab 65 Jahre ist seit dem Jahr 2000 um knapp 60 Prozent gestiegen. Aktuell - zum 30. Juni 2012 - gab es 764007 Mini-Jobber in dieser Altersgruppe. Knapp verdoppelt hat sich zwischen 2000 und 2011 die Zahl der Älteren, die einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nachgehen. 154 000 waren es zum Jahresende 2011, zur Jahresmitte 2012 jedoch laut Statistik der Bundesagentur etwa 10 000 weniger. Die Mini-Jobs wurden durch die Arbeitsmarktreformen 2003 attraktiver: Bereits Ende 2004 gab es 650 000 Ältere mit Nebenjob. Die Gesamtzahl der Senioren hat seit 2004 um knapp zehn Prozent zugenommen. Der Anteil der Mini-Jobber unter ihnen wuchs von 4,2 auf 4,5 Prozent. Eine rasante Zunahme Älterer, die Mini-Jobs ausüben, ist daraus nicht abzuleiten.

Geht es um Geld oder Spaß an Arbeit?

Beide Gründe dürften eine Rolle spielen. "Viele wollen arbeiten, weil sie sich noch fit fühlen", sagt Holger Schäfer, der Arbeitsmarktexperte des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW). Ulrike Mascher vom Sozialverband VDK hält dagegen: "Ich glaube nicht, dass Rentner Zeitungen austragen, im Wachdienst arbeiten oder im Supermarkt Regale einräumen, weil sie den Kontakt zu Menschen suchen oder Erfüllung in ihrer Arbeit finden." Allein 120 000 Mini-Jobber im Alter von 75 und mehr Jahren seien sicher nicht hochqualifizierte Uni-Professoren oder Banker, die noch weiter arbeiten möchten.

Einschätzung steht gegen Einschätzung. Der größte Anteil der Mini-Jobber ab 65 Jahre ist laut Bundesagentur-Statistik in allgemeinen Dienstleistungsberufen tätig wie Friseure, Kellner oder Reinigungskräfte (153 224), es folgt der Bereich Organisation, Verwaltung, Büro (133 959), dann Verkehrsberufe (127 137), wie Kraftfahrer und Sicherheitsberufe, zu denen die Wachleute zählen (80 572).

Hat sich die Lage der Rentner verschlechtert?

Die Bundesarbeitsministerin weist dies zurück. Sie führt an, dass der Anteil der Rentner, die auf Grundsicherung angewiesen sind, seit 2007 konstant bei rund 2,4 Prozent - oder 400 000 Personen - liegt. Ein schlagendes Argument ist das jedoch nicht: Schließlich könnte es sein, dass die Zahl der auf Grundsicherung angewiesenen Senioren nur deshalb nicht steigt, weil manche es durch das Arbeiten im Alter verhindern, auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein. Fest steht: Das Rentenniveau sinkt durch die Rentenreformen. Gleichzeitig steigt für Neurentner der Anteil der Rente, die versteuert werden muss.

Will die Regierung das Arbeiten von Rentnern fördern?

Die FDP drängt darauf, die Zuverdienstgrenzen für diejenigen zu erhöhen, die vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter in vorzeitige Rente mit Abschlägen gegangen sind. Laut Koalitionseinigung sollen die Betroffenen in Zukunft so viel zur Rente hinzuverdienen dürfen, dass sie in der Kombination aus Rente und Nebenjob ihr früheres Gehalt erreichen - ohne dass die Rente gekürzt wird. Ab Renteneintritt gibt es ohnehin keine Beschränkung mehr, es darf beliebig hinzuverdient werden.

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