Minderjährig vor Gericht

Begehen Jugendliche eine Straftat, ist nicht allein die Justiz dafür zuständig. Die Jugendgerichtshilfe des Kreis-Jugendamtes berät, betreut und unterstützt Jugendliche, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Drei Sozialarbeiter sind im Landkreis Bad Doberan dafür zuständig.

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03. März 2008, 06:24 Uhr

Bad Doberan/Schwaan - Jeder Fall eines jugendlichen Straftäters zwischen 14 und 21 Jahren kommt auf den Tisch der Jugendgerichtshelfer. Silke Dzaebel und Rene Orth sind Diplom-Pädagogen und beim Landkreis fest angestellt. Die Heilerzieherin Ariane Peters arbeitet als Jugendgerichtshelferin bei einem freien Träger. Sie ist u.a. für den Schwaaner Amtsbereich zuständig. 51 Fälle hatte sie dort im vergangenen Jahr zu betreuen, neun mehr als ein Jahr zuvor. Eine Tendenz könne man daraus nicht ablesen. „Schwaan fällt nicht aus dem Rahmen“, sagt Ariane Peters.

Kreisweit sinke die Zahl der Fälle, in denen Jugendliche mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Da spielen die geburtenschwachen Jahrgänge eine Rolle. „Die Probleme haben sich allerdings verschoben“, sagt Silke Dzaebel, die seit 15 Jahren als Jugendgerichtshelferin in Bad Doberan tätig ist. Drogensucht spiele zunehmend eine Rolle, auch wenn es nicht um Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz gehe. „Viele Probleme sind auf Drogensucht zurückzuführen“, sagt Dzaebel. „Jugendtypische“ Straftaten seien Körperverletzung, Diebstahl, Sachbeschädigung, Fahren ohne Führerschein.

Generell informiert die Staatsanwaltschaft die Jugendgerichtshilfe – eine Abteilung des Kreis-Jugendamtes. Sie muss immer dann zum Einsatz kommen, wenn 14- bis 21-Jährige wegen einer Straftat angezeigt sind. Sie fallen unter das Jugendstrafrecht. „Das kann auch für 18- bis 21-Jährige noch gelten“, sagt René Orth, zum Beispiel bei jugendtypischen Taten. Auch die menschliche Reife eines Heranwachsenden zwischen 18 und 21 Jahren entscheidet darüber, ob für ihn Jugendstrafrecht gilt oder nicht. Dann nämlich hat „der Erziehungsgedanke Vorrang“, sagt Ariane Peters. Sie und ihre Kollegen begleiten Jugendliche durch ein Strafverfahren, beraten sie auch und bringen sozialpädagogische Gesichtspunkte in den Prozess. „Sie haben einen anderen Blick auf die Dinge“, sagt Christian Bull, zuständiger Sachgebietsleiter im Jugendamt.

Aufgabe der Jugendgerichtshelfer sei, den Jugendlichen und sein Umfeld kennenzulernen und eine Prognose abzugeben, wie Sanktionen wirken könnten. „Wir sagen im Gerichtssaal auch mal was Positives über den Angeklagten“, sagt Silke Dzaebel. Die Vorschläge der Sozialarbeiter helfen Richtern und Schöffen bei der Urteilsfindung.

Nicht jeder Fall landet vor Gericht, Verfahren können unter Auflagen eingestellt werden. Auflagen sind z.B. gemeinnützige Arbeit, ein Anti-Aggressions-Training, ein Täter-Opfer-Ausgleich Die Jugendgerichtshelfer begleiten die jungen Menschen auch nach dem Prozess. Auch sie sind der Kritik und dem Ruf nach härteren Strafen ausgesetzt. Eine Verschärfung des Jugendstrafrechts lehnen die drei Sozialpädagogen allerdings ab. „Es ist ausreichend, wenn das jetzige System ausgeschöpft wird“, sagt Ariane Peters. „Außerdem fehlt der Nachweis, dass härtere Strafen greifen“, sagt Christian Bull. Er wünscht sich stattdessen gute Strukturen für junge Menschen und eine größere Akzeptanz zwischen den Generationen.

Zahlen und Fakten:

Die Jugendgerichtshilfe des Landkreises bearbeitete im vergangenen Jahr 340 Anklageschriften, 256 eingestellte Verfahren und führte 189 so genannte erzieherische Gespräche mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

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