Millionengrab dank Bürgerschaft?

Ein Beschluss der Bürgerschaft vom 5. März bringt die Wiro in neue finanzielle Turbulenzen. Das Bauverbot für einen Bereich in Riekdahl bedeutet, dass Flächen der städtischen Wohnungsgesellschaft wertlos sind. Diese will die Wiro nach Absprachen mit der Stadtverwaltung erworben haben.

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26. März 2008, 07:16 Uhr

Rostock - 123 Hektar Land östlich von Riekdahl könnten für die kommunale Wohnungsgesellschaft zum Millionengrab werden. Denn diese Fläche sollte zu bestem Bauland entwickelt werden. So der Plan. Die Bürgerschaft hat der Wiro jetzt ein Schnippchen geschlagen. Vor wenigen Wochen votierten die Stadtvertreter gegen eine Ausweitung des Flächennutzungsplanes – und damit auch gegen neues Bauland in Riekdahl. Was die Stadtvertreter nicht wussten: Das 100-prozentige Stadtunternehmen hat 1998 über die Tochter GWR viel Geld für das Areal ausgegeben. 25 Mark für den Quadratmeter, 1,5 Millionen Euro insgesamt. Jetzt ist die Fläche nahezu wertlos.

In enger Abstimmung mit dem Bausenator sei die Fläche gekauft worden, kritisiert Bauausschuss-Vorsitzender Frank Giesen (CDU). Er muss es wissen. Denn Giesen war lange Stellvertreter von Peter Grüttner, der viele Jahre in Personalunion Wiro-Aufsichtsratchef und Rostocks Bausenator war. Die internen Absprachen damals: Das Land wird vom Stadtunternehmen gekauft und von der Stadt später als Baugebiet ausgewiesen.

Davon will der Senatsbereich heute nichts mehr wissen. Die Fläche sei zum großen Teil als Grünausgleich für den geplanten Gewerbepark Brinckmanshöhe vorgesehen, argumentiert Chefstadtplaner Christoph Weinhold. Auch landschaftsschutzrechtliche Belange würden gegen ein neues Wohnquartier sprechen. Fazit: „Der Standort ist für ein Baugebiet nicht geeignet.“ Amtsleiterin Ines Gründel betont die Unabhängigkeit der Verwaltung: „Wir planen nicht nach Eigentumsverhältnissen.“

Die Eigentümerin Wiro ist dennoch verärgert. „Ja, dadurch könnte ein Schaden entstanden sein“, sagt Sprecherin Britt Serwatka. Ein Verkauf zu erträglichen Konditionen ist derzeit ausgeschlossen. Der Marktwert liegt bei zwei Euro pro Flächenmeter. Eigene Bauvorhaben sind nach dem Bürgerschaftsbeschluss sowieso ausgeschlossen. Sicherheitshalber hat der neue Wiro-Geschäftsführer Ralf Zimlich nach seinem Dienstantritt im November die Bilanz um sämtliche Grundstücksgeschäfte bereinigt. Dennoch: Die Bürgerschaftsentscheidung lähmt die Entwicklung des Unternehmens. Die Ungereimtheiten in der Riekdahl-Sache verärgern auch den zuständigen Ortsbeirat Brinckmansdorf. „Hätten wir diese Informationen vorher erhalten, dann hätte ich anders gestimmt“, sagt Vorsitzender Karl Scheube. Die Ortsteilvertreter hatten sich vor dem Bürgerschaftsbeschluss gegen neues Bauland in Riekdahl ausgesprochen. Die Wiro erwartet „perspektivisch“ eine Korrektur.

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