Millimeterarbeit für die Ewigkeit

von
30. Mai 2008, 12:24 Uhr

Was ist das Besondere an diesem Projekt?
Jahn: Es geht um die komplette Neuvermessung Deutschlands mit höchster Genauigkeit – und zwar millimetergenau. Dazu haben wir verschiedene Messverfahren. Wir wollen vor allem die Höhenveränderung untersuchen. Die langfristigen Veränderungen entstehen durch die Bewegung der Erdkruste, aber zum Beispiel auch durch Braunkohleabbau. Die letzte Eiszeit in Skandinavien führte zu einem millimetergroßen Anstieg in Deutschland. Die letzte vergleichbare Mess-Aktion liegt 20 Jahre zurück, unsere letzten Daten sind also relativ alt. Und viele Messpunkte sind inzwischen verloren gegangen, z.B. durch Baumaßnahmen an Häusern. Eine Aktion wie diese wird es in den nächsten zehn, zwanzig Jahren nicht mehr geben, manche Experten sagen sogar nie wieder.

Warum muss die Messung so genau sein?
Jahn: Durch die Millimeterangaben ist es einfacher, auch in kurzen Zeiten schon Veränderungen festzustellen. Wir vergleichen die Daten dann mit alten Erhebungen. Früher konnte man die Punkte nicht so genau angeben, und es hat länger gedauert, Veränderungen zu erfassen und zu analysieren. Jetzt erfassen wir die Lage auf bis zu fünf Millimeter genau.

Wie funktioniert die Messung konkret?
Jahn: Insgesamt 250 Punkte in Deutschland werden gemessen. 34 Teams sind dafür im Einsatz, ausgerüstet mit modernster Technik. Wir arbeiten unter anderem mit GPS und nutzen über 30 Satelliten. Diese senden konstant Daten, der Empfänger an dem Messpunkt dekodiert diese Daten und bestimmt so genau die Koordinaten. Die Daten werden später in unseren beiden Rechenzentren in Hannover und Frankfurt ausgewertet. Die Messergebnisse werden auch in internationale Kartensysteme eingebunden, so entsteht ein Netz mit dreidimensionalen Koordinaten.

Wofür kann man diese Daten einsetzen?
Jahn: Wir brauchen ein einheitliches Koordinatensystem für sämtliche Erdmessungen, wie z.B. bei Grundstücksaufteilungen, im Straßenbau oder bei landwirtschaftlichen Vermessungen. Außerdem leisten wir mit den Daten einen Beitrag zur Erforschung des Klimawandels. Seit etwa 150 Jahren gibt es die Höhenvermessung. Wenn man die Daten vergleicht, kann man z.B. Rückschlüsse auf die Veränderung an der Nord- und Ostseeküste ziehen. Ein Beispiel: Wir haben in Niedersachsen ein großes Erdgasgebiet an der Küste und wissen, dass es sich senkt. Deichbauer müssen unsere Daten miteinbeziehen. Ein anderes Beispiel: In Lüneburg wurden durch den Salzabbau schon viele Bauwerke beschädigt. Wenn man die Bewegungen kennt, kann man die Ursachen besser analysieren. Aber nicht unbedingt vorhersagen.

Was passiert eigentlich, wenn falsch gemessen wird?
Jahn: Das würde auffallen, denn jeder Punkt wird dreimal gemessen. Wir haben viele Sicherheitsmechanismen.

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