Milderes Urteil für Schläger

Ein Pakistaner bedroht, ein Türke verletzt, Läden demoliert, die Innenstadt verwüstet – vier Verurteilte. Über ein Jahr nach der Randale zum Bützower Stadtfest hörte der Haupttäter Michael W. aus Güstrow gestern sein Urteil. Das Landgericht milderte die Strafe auf zwei Jahre und drei Monate ab. Die Hälfte hat W. schon rum.

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12. November 2008, 06:26 Uhr

Bützow/Güstrow - Die Jugendkammer des Landgerichtes Rostock verurteilte gestern den 25-jährigen Güstrower Michael W. wegen Landfriedensbruchs, Trunkenheit im Straßenverkehr und Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Damit änderte sie das Urteil des Amtsgerichtes Güstrow ab, das im März für den Angeklagten eine Strafe von zwei Jahren und acht Monaten festlegte.

Am Sachverhalt gab es keine Zweifel. Es steht fest, dass Michael W. mit schon verurteilten Kumpanen am 24. August 2007 ein regelrechtes Saufgelage feierte. Danach fuhren alle nach Bützow zum Stadtfest. Auch hier tranken sie weiter. An den direkten Tatablauf habe er keine Erinnerung, so W. „Ich wusste von dem Abend gar nichts mehr“, gab er gestern an. Erst als er das Video sah, sei ihm Einiges wieder eingefallen. Michael W. hielt sich in einer großen Gruppe grölender Männer auf. Am Marktplatz brachen sie Buden auf, raubten ein Getränkefahrzeug aus und stießen es um. Auch der Angeklagte nahm eine Kiste Havanna-Rum an sich. Gegen 4 Uhr bewarfen die Randalierer die anrückende Polizei mit Flaschen.

Das Videoband zeigt den 25-Jährigen vor dem Imbissgeschäft eines Pakistaners, das demoliert wurde. Der Angeklagte wurde ebenso beim Verlassen des Anwesens gefilmt. Fragen nach seinen politischen Ansichten beantwortete er gestern zögernd: „Ich bin national eingestellt. Aber ich bin nicht radikal und nicht gegen Ausländer eingestellt.“ Den Kontakt zu seinen politischen Freunden habe er abgebrochen, gab er bekannt.

Der Verhandlungstermin vor dem Landgericht war mehrfach verschoben worden, weil die Jugendkammer eine umfassende Begutachtung des Angeklagten forderte. Ein Gutachter bescheinigt: Michael W. wurde in der Kindheit siebenmal von einem Heim ins andere geschoben. Jedes Mal war damit ein Schulwechsel verbunden. Obwohl ihn bei seiner fünfmal verheirateten Mutter ständige Gewalt erwartete, zog es ihn in die Familie zurück. Eine „entbehrungsreiche Jugend“, so der Gutachter.

Mit zwölf Jahren begann Michael W. zu trinken, mit 14 stand er das erste Mal vor einem Gericht. Der psychiatrische Sachverständige sprach von zwei Problemen, die es zu lösen gilt: eine Neigung zum Alkohol und eine Persönlichkeitsstörung. Das Zusammentreffen beider Probleme – wie in Bützow – würde beim mehrfach Vorbestraften immer wieder zu Straffälligkeit führen.

Die Jugendkammer änderte das Güstrower Urteil nach dem Gutachter-Bericht ab. Sie ordnete nach einer weiteren Haft bis etwa Mai 2009 eine zweijährige Entwöhnungstherapie an. Es liegt nun an W., „ob sie die letzte Chance nutzen“. Bei Erfolg der Therapie könnte der Rest der Strafe auf Bewährung ausgesetzt werden.
Bützows Bürgermeister Lothar Stroppe schüttelte gestern über das Urteil nur den Kopf. „Da kann man nichts zu sagen“, so Stroppe. Er kritisiert: Es könne nicht sein, dass solche Täter stets wegen mangelnder Schuldfähigkeit durch Alkoholkonsum davonkommen.

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