Milchbauern machen Druck

Gegenüber dem Haupteingang der Hansano-Molkerei in Karstädt entrollten die Milchbauern gestern Mittag dieses und weitere Protest-Transparente. Fotos: Birgit Hamann (2)
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Gegenüber dem Haupteingang der Hansano-Molkerei in Karstädt entrollten die Milchbauern gestern Mittag dieses und weitere Protest-Transparente. Fotos: Birgit Hamann (2)

Auch gut 100 Tage nach dem bundesweiten Lieferstopp kehrt keine Ruhe bei den Milchlieferanten ein. Landwirte können nach wie vor nicht kostendeckend produzieren und gehen wiederum auf die Barrikaden. Gestern Mittag wurde vor der Karstädter Hansano-Molkerei sowie zeitgleich vor allen Molkereien in Mecklenburg-Vorpommern demonstriert.

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10. September 2008, 07:29 Uhr

Karstädt - „Wir lassen uns nicht mehr melken“, steht auf einem der Transparente, die gestern Mittag genau gegenüber dem Haupteingang und des Verwaltungsgebäudes der Karstädter Molkerei entrollt wurden. Prignitzer Milchbauern und Kollegen aus angrenzenden mecklenburgischen Gebieten hatten sich versammelt, um wieder Bewegung in die monatelange Stagnation bezüglich des Milchpreises zu bringen. Bei um die 30 Cent dümpele der Preis herum, den die Lieferanten von den Molkereien bekommen, fasst Helge Dieckmann, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Brunow, zusammen. Kostendeckend seien derzeit 43 Cent.

Die defizitären Bereiche würden innerbetrieblich sowie mit Krediten von Banken und Händlern ausgeglichen, beschreibt Arnold Blum aus Glövzin. Wie lange das allerdings noch gut gehe, sei eine Frage der Zeit. Die Landwirte ärgert, dass der Warnschuss vor Wochen offensichtlich nicht verstanden worden sei und die Politik nicht entsprechend reagierte. „Milch ist ein Qualitäts- und kein Ramschprodukt“, verdeutlicht Peter Guhl, Landwirt aus der Nähe von Boizenburg, den Wert des Erzeugnisses. Er ergänzt, dass die Bauern auch nicht so ohne Weiteres aus der Milchproduktion „aussteigen“ könnten. „Es handelt sich um sehr kostenintensive Investitionen und Verbindlichkeiten, die über Jahrzehnte laufen.“

Per Megafon verlas Helge Dieckmann gestern eine Resolution in Richtung Molkerei-Betriebsleitung. Eigentlich wollten die Bauen ihre Forderungen persönlich vor dem Gebäude überreichen. Allerdings ließ sich dort kein Vertreter blicken.

Unterdessen hat die Bundesregierung neue Weichen gestellt. Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) schlägt vor, den Faktor bei der Umrechnung von Liter in Kilogramm zu erhöhen. Damit soll die Milchmenge leicht verringert werden. Die Milchmenge, die Bauern den Molkereien liefern, wird in Litern gemessen. Bezahlt wird den Bauern ein Preis in Kilogramm. Der Umrechnungsfaktor soll von 1,02 auf 1,03 erhöht werden. Dies kann nach Ansicht des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter die Milchmenge senken und für höhere Preise sorgen.

Der Vorschlag Seehofers soll im Oktober in den Bundesrat gehen. Nach Ansicht der Linksfraktion im Bundestag reicht eine Änderung des Umrechnungsfaktors allerdings nicht. Die Auszahlungspreise für Milchbauern „haben sich nach Milchstreik und Milchgipfel nicht bewegt, jedenfalls nicht in die richtige Richtung“, betonte die agrarpolitische Sprecherin und Prignitzer Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann.

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