zur Navigation springen
Übersicht

20. September 2017 | 04:08 Uhr

Mette-Marit strahlt in Stralsund

vom

svz.de von
erstellt am 13.Jun.2010 | 06:35 Uhr

Stralsund/Binz | Weiße Bluse und schwarze Hose - ihr Outfit war bürgerlich, doch sie lächelte königlich. Freundlich winkte Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit den über tausend Schaulustigen zu, als sie am Sonnabend auf den Stralsunder Marktplatz kam. Die dankten es mit rotblauen Papierfähnchen und Applaus. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Mette-Marit und Kronprinz Haakon zum Kurzbesuch in ihren Wahlkreis eingeladen.

"Wir sind große Norwegen-Fans", bekannten Axel Benz und seine Frau Heike, die einen Platz in der ersten Reihe ergattert hatten. Rentnerin Irmgard Jandke war gekommen, "weil das Prinzenpaar so sympathisch ist". Außerdem wolle sie sehen, "was Frau Merkel heute an hat". Als das Kronprinzenpaar auf Tuchfühlung mit dem Publikum ging, hatte Stefanie Fiebig mehr Glück, als sie sich erhofft hatte. Sie war aus Eberswalde angereist, und wurde von Mette-Marit, deren offenes blondes Haar im Wind flatterte, gefragt, ob es in Stralsund immer so windig sei. Spontan antwortete sie: "Ja." Bereits vor acht Jahren wollte die Reisekauffrau Mette-Marit in Hamburg sehen. Damals musste Haakon allein nach Deutschland reisen, weil sich seine Frau kurz zuvor durch Scheinwerfer eines deutschen Fernseh-Teams Gesicht und Netzhaut verbrannt hatte.

Zivilpolizisten in unauffälligem Knallrot

Sonnenschirme brauchten Mette-Marit und Haakon nicht, als sie mit dem einen oder anderen plauderten. Anders als beim Besuch des damaligen US-Präsidenten Georg W. Bush vor vier Jahren herrschte eine entspannte Atmosphäre in der Stadt. 2006 durften nur geladene Gäste auf den Marktplatz, 12000 Polizisten hatten vorher jeden Gullideckel versiegelt. Diesmal war kaum ein Uniformierter zu sehen, bis auf fünf Zivilpolizisten, die sich mit knallroten Monteursmonturen getarnt hatten.

Neben dem künftigen Staatsoberhaupt Norwegens genoss auch die Bundeskanzlerin sichtlich das Bad in der Menge und die warmen Worte einiger Schaulustigen. Als biete ihr der Besuch des Kronprinzenpaares eine willkommene Atempause in Zeiten koalitionsinterner Streitigkeiten um Sparpakete und den nächsten Bundespräsidenten.

Zur "Morgenstimmung" aus Edvard Griegs "Peer Gynt Suite Nummer 2" betraten Haakon und Mette-Marit die mächtige Backsteinkirche St. Nikolai, wo Pastor Hanns-Peter Neumann ihnen den Klappaltar für den heiligen Olav erläuterte. Dieser König, ein handfester Haudegen und Seeräuber, hat vor tausend Jahren Norwegen christianisiert und ist damit quasi ein Vorfahr Haakons. Stralsunder Kaufleute, die seit der Hansezeit bis nach Bergen fuhren, haben ihn als Schutzpatron in ihrer Heimatstadt verehrt und den geschnitzten Altar aus dem 15. Jahrhundert gestiftet.

Gute Aussicht auf den Königsstuhl

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), der Haakon und Mette-Marit neben Merkel durch die Kirche begleitete, hatte den Eindruck eines "sehr netten und glücklichen Paares". Mit goldener Stadtkette um den Hals wünschte Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow sich zum Abschluss, dass Haakon und Mette-Marit seiner Stadt zwölf Punkte verleihen würden, wie es Norwegen vor zwei Wochen beim Eurovision Song Contest in Oslo mit Deutschlands neuem Star Lena gemacht hat.

Vor jeglicher Punkteverteilung verabschiedete sich der Besuch allerdings nach Binz auf Rügen zum Spargelessen. Beim anschließenden Spaziergang über die Strandpromenade - Haakon hatte inzwischen den Schlips abgenommen - wurden das Kronprinzenpaar und die Bundeskanzlerin von zahlreichen Urlaubern begleitet. Danach fuhren sie mit der kleinen "Nordwind" hinaus auf die Ostsee. Allerdings nicht direkt zurück nach Oslo, sondern nur an die Nordostspitze der Insel, wo das Kronprinzenpaar die Aussicht auf den Königsstuhl, der wie die anderen Kreidefelsen weiß in der Abendsonne strahlte, genießen konnte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen