Messer im Rücken, weil er helfen wollte

Gestern Berlin, heute Rostock: Zivilcourage scheint sich nicht zu lohnen. In Rostock stach eine Unbekannte einem Helfer brutal ein Messer in den Rücken, als der sich schützend vor eines ihrer Opfer stellte. Messerstecherei, brutale Tritte und Pöbeleien gegen Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr werden offenbar normal. Die Hilfeschreie werden lauter.

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04. März 2008, 08:05 Uhr

Rostock - Ihr mutiger Einsatz ist zwei jungen Männern in Rostock zum Verhängnis geworden. Eine bisher unbekannte Angreiferin stach einem 21-Jährigen kurz vor 4 Uhr in einem Bus am S-Bahn-Haltepunkt Lütten Klein ein Messer in den Rücken – er war eingeschritten, als sie und ihre Begleiter Fahrgäste anpöbelten und bespuckten. „Glücklicherweise wurde der junge Mann durch den Stich nicht lebensgefährlich verletzt“, sagt Volker Werner, Sprecher der Polizeidirektion Rostock. Einem zweiten Opfer schlug eine andere Frau aus der Gruppe von acht Randalierern einen Zahn aus.

Die Opfer waren in der Rostocker Südstadt in die Buslinie Richtung Lütten Klein eingestiegen. Beim nächsten Stopp kamen sechs Männer und zwei Frauen in den Nachtbus der Rostocker Straßenbahn AG. Sie begannen kurz darauf, Fahrgäste zu bespucken und schlugen mit einem Nothammer gegen die Fensterscheiben. Als die beiden Geschädigten die Täter ansprachen und zur Vernunft bringen wollten, beschimpften diese sie als „Nazis“.

In Lütten Klein stiegen alle Beteiligten aus. Nach Angaben der Polizei schlugen die Randalierer auf ihre beiden Opfer ein und traten sie. Daraufhin stach die Täterin zu, während er von vorn durch einen anderen Täter einen Faustschlag ins Gesicht erhielt. Das zweite Opfer verlor – offenbar durch eine Attacke mit einem Schlagring – einen Zahn. Die Täter konnten unerkannt entkommen. Die Fahndung dauert an.

Gewalttaten wie diese und ein ähnlicher Fall vom Wochenende in Berlin haben die Diskussion über bessere Sicherheitsmaßnahmen neu entfacht. Fahrer von Bus und Bahn rufen nach Hilfen, Verkehrsbetriebe und Polizei springen ihnen bei. In Berlin denkt man über den verstärkten Einsatz von Arbeitslosen nach, die angeheuert werden könnten, um Präsenz in Bahnen und Bussen zu zeigen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) nennt das indes Aktionismus und fordert zum Schutz von Fahrern und Fahrgästen eine direkte Notverbindung zur Polizei aus Bussen und Bahnen.

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