Merkel startet Bau für neuartiges Kraftwerk

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22. April 2009, 07:57 Uhr

Ein neuartiges Hybridkraftwerk in Brandenburg soll künftig weltweit erstmals aus Wasserstoff und erneuerbaren Energien sowohl Strom als auch Treibstoff erzeugen. „Von diesem neuen Typ Kraftwerk werden viele etwas lernen“ sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag bei der Grundsteinlegung nahe Prenzlau. Schließlich hänge eine sichere und klimaverträgliche Versorgung mit Energie entscheidend davon ab, inwieweit Energie aus erneuerbaren Quellen auch gespeichert werden kann.

Die 21 Millionen Euro teure Anlage im Norden Brandenburgs solle 2010 in Betrieb gehen, sagte Jörg Müller, Vorstandschef des Investors Enertrag AG (Dauerthal). Bei dem Projekt werde erstmals zugleich Wind, Biogas und Wasserstoff in industriellem Maßstab genutzt. Das Vorhaben wird unter anderem von Hochschulen und Universitäten in Stralsund, Braunschweig und Cottbus wissenschaftlich begleitet.

In Hybridkraftwerken werden erneuerbare Energien so miteinander kombiniert, dass dauerhaft Treibstoff, Wärme und eine konstante Stromleistung zur Verfügung steht. Dies ist bei Windkraft oder Solarenergie allein wegen der Wetterabhängigkeit nicht der Fall. Die Anlage bei Prenzlau soll garantiert sechs Megawatt Stromleistung liefern, die ins Netz gespeist werden. Die Wärme soll in das Versorgungsnetz der Stadt Prenzlau eingespeist werden.

Mit überschüssigem Strom wird laut Müller Wasserstoff erzeugt, der als Treibstoff für Autos an Tankstellen zur Verfügung steht oder bei Bedarf über Blockheizkraftwerke mit Biogas wieder verstromt werden kann. Das Gesetz über Erneuerbare Energien gebe Unternehmen eine stabile Grundlage, sagte Müller. Ein zukunftsweisender Energiemix sei die intelligente Kopplung von Energieerzeugung und -verbrauch aus erneuerbaren Quellen.

Brandenburg Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) nannte die neue Hybridtechnologie dieser Anlage einen „großen Fortschritt für die Energiebranche.“ Damit werde das Argument von Kritikern, Strom fließe aus regenerativen Quelle nicht kontinuierlich, hinfällig.

In Deutschland gibt es bereits in Baden-Württemberg und auf der Nordseeinsel Pellworm Hybridkraftwerke. Auch der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) in Berlin begrüßte das Vorhaben bei Prenzlau ausdrücklich. Es zeige eine wichtige technologische Neuerung auf dem Weg zur Vollversorgung mit erneuerbaren Energien. Dafür seien zusätzliche Speichertechnologien und neue Kombinationen in der Anwendung, wie sie in Prenzlau realisiert werden, maßgeblich.

Die Enertrag AG hat nach eigenen Angaben europaweit 440 Windkraftanlagen und 390 Mitarbeiter. Die Firma hatte 2008 rund 250 Millionen Euro Jahresumsatz.

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