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Erster farbiger US-Präsident feiert erste deutsche Regierungschefin : Merkel bei Obama: Ein bisschen Hollywood

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Die Szene hätte aus einem Hollywoodfilm stammen können. Tausende Menschen jubeln dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und seinem Gast aus Deutschland zu. Über dem Weißen Haus ein strahlend blauer Himmel.

Washington | Die Szene hätte aus einem Hollywoodfilm stammen können. Tausende Menschen jubeln dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und seinem Gast aus Deutschland zu. Über dem Weißen Haus ein strahlend blauer Himmel, Ehrengarden in farbenprächtigen Uniformen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht am Rednerpult und bekennt: "Europa und Deutschland haben keinen besseren Partner als Amerika."

Der Jubel von tausenden Gästen, die lange angestanden haben, um die militärischen Ehren für die Kanzlerin mitzuerleben, ist ihr sicher. 19 Salutschüsse hat sie bekommen - zwei weniger als für Staatspräsidenten. Präsident Barack Obama hebt hervor, dass es das erste Mal in seiner Amtszeit ist, dass ein europäischer Regierungschef einen solchen Empfang bekommt. Am Abend wollte er noch ein Staatsbankett für die hochrangige deutsche Delegation geben, das gab es seit der Amtszeit von Altkanzler Helmut Kohl nicht mehr.

Aus Merkels Sicht müsste dieser Besuch in den USA ihre Kritiker Lügen strafen, die behaupten, ihr Verhältnis zu Obama sei getrübt. Obama würdigt Merkel als Freiheitskämpferin und zeigt sich beeindruckt von der beispiellosen politischen Karriere dieser Tochter eines evangelischen Pfarrers, die sich als erste Ostdeutsche und erste Frau an die Regierungsspitze der Bundesrepublik kämpfte. Und dann betont er noch, dass Merkel und er selbst für tiefgreifenden Wandel stünden: Für alle sei sichtbar, dass sie anders aussähen als ihre Vorgänger. Er, der erste farbige Präsident der USA - Sie, die erste Bundeskanzlerin.

Für Merkels Lebensweg verleiht er ihr die Freiheitsmedaille des Präsidenten, die höchste zivile Auszeichnung, die er vergeben kann. Vor ihr hat aus Deutschland nur Kohl diese Medaille bekommen. Angekündigt hat Obama ihr diese Ehre ausgerechnet an einem Tag im vorigen November, als beide beim G20-Gipfel in Südkorea aneinandergeraten waren. Während Merkel auf die Schuldenbremse trat, pochte Obama auf Konjunkturprogramme zur Ankurbelung der Weltwirtschaft und Eindämmung der Finanzkrise.

Merkel und Obama schätzten sich trotz Differenzen, heißt es in deutschen Regierungskreisen. Das muss aber nicht unbedingt heißen, dass sie sich auch mögen. Bahnbrechende Beschlüsse werden von diesem USA-Besuch Merkels nicht erwartet. In der strittigen Frage des Vorgehens gegen das Regime von Machthaber al Gaddafi in Libyen werden die Kanzlerin und ihr Außenminister Guido Westerwelle nicht hinter die von ihnen scharf gezogene Linie zurückweichen, wonach sich Deutschland nicht am Nato-Einsatz beteiligt. Ein bisschen mehr zivile Hilfe beim Aufbau von Wasser- und Elektrizitätsnetzen könnte angeboten werden. Und später, wenn die Lage befriedet sein sollte, Unterstützung bei der Polizeiausbildung.

An diesem 7. Juni 2011 will die Kanzlerin aber Sorgen um das deutsch-amerikanische Verhältnis ausblenden. Im Sonnenlicht vor dem Weißen Haus sagt sie: "Den heutigen Tag werde ich nicht vergessen."

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erstellt am 07.Jun.2011 | 07:19 Uhr

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