Mekka Inselsee vor dem Aus?

Aus 30 Zentimetern Tiefe hat Bodo Schulze dieses Kraut nahe der ersten Badestelle herausgeholt. Wird es entfernt, muss geklärt werden, wie es entsorgt wird. Foto: Hans-Jürgen Kowalzik
Aus 30 Zentimetern Tiefe hat Bodo Schulze dieses Kraut nahe der ersten Badestelle herausgeholt. Wird es entfernt, muss geklärt werden, wie es entsorgt wird. Foto: Hans-Jürgen Kowalzik

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05. August 2008, 09:30 Uhr

Güstrow - Dienstagabend. Wir fahren mit Bodo Schulze auf den ersten See. Der Übungsleiter des Güstrower Wassersportvereins (WVG) kennt die Krautflächen: „Es ist unerträglich geworden“, diktiert er uns ins Notizbuch, „hier muss etwas getan werden, sonst können wir Segelregatten auf dem Inselsee in den Wind schreiben und Güstrow damit ein Aushängeschild.“ Beispiel gefällig? Die Segelregatten am Wochenende zum Inselseefest mussten besucherfern auf dem zweiten See ausgetragen werden. „Aber auch hier wird es immer schwieriger, anspruchsvolle Kurse auszulegen“, sagt Jörn-Christoph Jansen vom WVG.

Dann sind wir an einer der vielen verkrauteten Flächen. Nur 30 Zentimeter sind es von den Krautplacken bis zur Wasseroberfläche, teilweise schaut das Kraut aus dem Wasser heraus. Schulze: „Wenigstens an der ersten Badestelle müsste man das Kraut entfernen.“

Das sieht die Güstrowerin Roswitha Petrow genauso. Sie schreibt: „Leider schwimmt man im Inselsee im Kraut. Das ist nicht mehr angenehm und macht keinen Spaß. Da die Stadt nichts dagegen unternimmt, werde ich mir einen anderen See suchen, ohne Kraut.“

Kraut-Problem gibt es seit Jahrzehnten

SVZ hakte nach und wollte wissen: „Ist kein Kraut gegen dieses Kraut gewachsen?“ Neu ist das Problem nicht. Es besteht bereits seit Jahrzehnten. Daran erinnert sich auch Vize-Landrat Rainer Boldt aus seiner Studienzeit in den 1970er-Jahren. Der sagt, dass im Bereich der ersten Badestelle eine Krautung sicher möglich ist. Sie müsste aber jährlich wiederholt werden, mit erheblichen Kosten. Auch das Staatliche Amt für Umwelt und Natur (StAUN) Rostock schließt sich dieser Meinung an. Die Stadt als See-Eigentümer müsste das nach Absprache mit dem Landkreis beantragen und finanzieren. Jürgen Nawrocki, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Nebel, gibt den Tipp, Fördermöglichkeiten zu prüfen.

Einschränkungen für die Segler räumt Boldt ebenfalls ein, meint aber: „Das müsste man sich genauer ansehen, weil der See tiefere Becken (bis 17 Meter) hat. Dort dürfte das Segeln ungehindert möglich sein.“

Geesche Koch vom StAUN antwortet ähnlich: „Die Behinderung des Segelsports durch die Verkrautung ist bedauerlich. Ein schonendes Unterwassermähen wäre denkbar, aber äußerst fraglich, da das Potenzial des Sees zum Erhalt einer guten Beschaffenheit so leicht gefährdet werden kann.“ Koch denkt deshalb daran, die Segelsaison zu verlagern oder abzukürzen.

Kraut im See darf aber nicht verschwinden
Sowohl Boldt als auch Koch betonen trotz der Kritik der Badegäste und Segler, dass das Kraut im See ein gutes Zeichen ist und nicht verschwinden darf, weil es den See in einem günstigen biologischen Gleichgewicht hält. Koch: „Die Verkrautung, die durch Wärme befördert wird, ist sehr positiv, weil sie die Produktion von Mikroalgen (Phytoplankton) und damit eine Eintrübung (z.B. durch Blaualgen) unterdrückt. Nur so kann die gute Badewasserqualität erhalten werden.“ Boldt ergänzt: „Einige ,Kräuter’ im See sind fest am Boden verwachsene Algen, Characeen. Die führten zur Einstufung des Sees als FFH-Gebiet, da sie besonders zu schützen sind. Eine Entfernung dürfte problematisch sein.“

Der niedrige Wasserstand, der die Situation verschärfe, sei eine Folge der Trockenheit, sagt der Dezernent. So weit er wisse, sei der See frei spiegelnd und schwanke deshalb mit Wasserzufuhr, Verdunstung und Grundwasserstand.

Vor nächster Badesaison Problem beraten
Das StAUN bestätigt, dass der Wasserstand wegen der Witterung niedrig (50 Zentimeter) sei. Das bisherige Juli-Minimum habe 46 Zentimeter betragen; im August seien schon 35 gemessen worden, betont Koch. Zur Zeit werde der Teuchelbach daher vollständig in den See geleitet, der bei der Regulierung des Baches immer den Vorrang habe und ein Zufluss bleibe. Daran ändere auch nichts der Rückbau des Wehres in Kirch Rosin, weil ein Staukörper vor Mühl Rosin die Verteilung übernehme, so Jürgen Nawrocki.

Güstrows Bürgermeister Arne Schuldt – gerade aus dem Urlaub zurück – zeigte sich Montag von solchen Meinungen überrascht, weil sie noch nicht auf seinem Tisch gelangt sind. Und er verweist auf die Kosten. Bleiben die Fakten, die SVZ erfahren hat. Rainer Boldt schlägt daher vor: Alle Fragen, die SVZ aufgeworfen hat, werden vor der nächsten Badesaison gemeinsam beraten. Auch StAUN-Chef Hans-Joachim Meier bekräftigt: „Wir tun alles, damit der Inselsee ein Mekka der Schwimmer und Segler bleibt.“

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