Betriebe zufrieden wie seit 15 Jahren nicht mehr : Meisteroffensive im Handwerk fruchtet

Klaus Niegengerd hat sich vor zwei Jahren als Zimmerermeister selbstständig gemacht und ist jetzt zusätzlich Gebäudeenergieberater im Handwerk. rüdiger rump
Klaus Niegengerd hat sich vor zwei Jahren als Zimmerermeister selbstständig gemacht und ist jetzt zusätzlich Gebäudeenergieberater im Handwerk. rüdiger rump

Die Handwerkskammer Schwerin verzeichnet eine stärkere Nachfrage nach Beratungsgesprächen zur Meisterausbildung, die Teilnahme daran steigt an.

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19. Mai 2011, 09:02 Uhr

Müsselmow | Bei der Meisterfeier der Handwerkskammer Schwerin Anfang des Monats erhielten auch 17 Betriebswirte des Handwerks und 16 Gebäudeenergieberater ihre Prüfungsurkunden. Zu Letzteren gehörten mit Klaus Niegengerd aus Müsselmow, dem Stern berger Bezirksschornsteinfegermeister Andreas Stoecker und Denis Busse aus Pastin auch drei Handwerker aus der Region.

Der Müsselmower Zimmerermeister sieht die Energieberatung als sinnvolle Ergänzung zu seinem Hauptgeschäft. Er hat sich auf die Sanierung von Gebäuden spezialisiert. Was er über Jahre bei der Denkmalpflege in Schwerin gelernt habe und am besten könne. 2003 erwarb Niegengerd den Meisterbrief, vor etwa zwei Jahren hat er sich selbstständig gemacht und betreibt einen Ein-Mann-Betrieb. Für ihn als Zimmerer sei es heute mehr denn je von Vorteil, die Normen zur Wärmedämmung genau zu kennen und errechnen zu können, was zu ihrer Einhaltung nötig ist. Die Bestimmungen würden immer strenger. Mitte der 1990er-Jahre hätten zwölf Zentimeter Dämmung fürs Dach ausgereicht, jetzt bliebe kaum noch jemand unter 20 Zentimetern. Ähnlich sei es bei den Wänden. Wenn die Entwicklung so weitergehe, müssten die Wände bald über einen halben Meter dick oder nur noch aus Holz sein. Das dämme selbst am besten und lasse dazwischen reichlich Raum für anderes Material.

Seit 2009 müssten Hausbesitzer auf Verlangen ihrer Mieter einen Energiepass vor legen. Den darf der frisch gebackene Gebäudeenergieberater im Handwerk, so die exakte Bezeichnung, nun auch ausstellen. "Ich dränge niemandem einen Energiepass für sein Haus auf", sagt der 46-Jährige, zumal die Kosten bei 300 Euro für ein Einfamilienhaus liegen würden. Die richten sich nach dem Programm und ob aussagekräftige Unterlagen vom Haus vorliegen. "Wenn ich alles selbst ermitteln muss, die Stärke und Beschaffenheit der Wände, möglicherweise schon vorhandene Dämmung und was noch alles bewertet wird, kostet das viel Zeit und mehr Geld", erklärt der Müsselmower.

Zu der Weiterbildung habe ihn seine Frau "zugeredet und etwas geschoben", räumt Klaus Niegengerd schmunzelnd ein. Denn es hänge allerhand Zeit dran. Gut ein halbes Jahr lang saß er Freitagnachmittag und Sonnabendvormittag auf der Schulbank - neben seiner Arbeit als Selbstständiger. Doch heute ist er froh darüber. Das Zertifikat in den Händen erlaube ihm, Kunden ein sinnvolles Zusatzangebot machen zu können, gerade beim Dachausbau, der Domäne eines Zimmerers. Beim Großteil der Erneuerungs arbeiten, die keinen Architekten und keine Baugenehmigung verlangen, erledige er die Planung selbst, so Niegengerd. Soll jedoch eine Dachgaube eingebaut werden, sei die Situation schon anders, die Statik müsse neu berechnet werden. An Ausschreibungen könne sich ein Ein-Mann-Betrieb allerdings nicht beteiligen. Das sei einfach eine Nummer zu groß. Zur Zeit ist der Müsselmower als Subunternehmer an einem umfangreichen Sanierungsvorhaben beteiligt. "An einem Fachwerkbau zu arbeiten, macht mir viel Spaß. Ein Neubau kommt für mich nicht in Frage, außer mal eine Gaube oder eine kleinere Sache", sagt der Zimmerermeister. Manche Aufträge zum Dachausbau, bei denen es nicht eilt, würden sich über ein halbes Jahr hinziehen. Als Zimmerer mache er Fußboden, Wände und Dachfenster, unterbrochen von anderen Gewerken wie Heizung und Sanitär sowie Elektriker. Klaus Niegengerd sieht das jedoch gelassen, genauso wie den unregelmäßigen Auftragseingang. Es gäbe Stoßzeiten, da könnte der Tag 48 Stunden haben, ein anderes Mal kehre Ruhe ein, besonders im Winter sowie im zeitigen Frühjahr, wenn erst einmal die Maurer loslegen und der Zimmerer auf Baufreiheit warten muss.

Wenn er zwischendurch Luft hat, arbeitet der Müsselmower an den Ferienwohnungen im Haus gegenüber, die er mit seiner Frau vermietet. Eine sehr geräumige ist bereits fertig und war im vorigen Sommer gut belegt, überraschenderweise nicht von Rentnern wie vorher angenommen, sondern von jungen Familien mit Kindern. Zwei kleinere Wohnungen sollen jetzt folgen. Die geplante Vermietung habe auch den Schritt in die Selbstständigkeit geebnet. Denn sonst hätte er jedem Auftrag hinterher rennen müssen, sagt Klaus Niegengerd. Und das wäre nun doch nicht sein Ding.


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