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Schwerin: Schauspielerin Angelika Waller : "Mein erster und letzter Film"

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Die Schauspielerin Angelika Waller präsentiert am Donnerstag im Verlagshaus unserer Zeitung ihren Erfolgsfilm „Das Kaninchen bin ich“.

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erstellt am 12.Apr.2011 | 12:24 Uhr

Das ist ihre Stimme. Unverkennbar. Ein wenig dunkler, natürlich, aber wer mit vielen ihrer Kino- und Fernsehfilme aufgewachsen ist, an die 100 mögen es sein, und sie auf der Theaterbühne erlebt hat, weiß sofort, das ist Angelika Waller, deren Stimme aus dem Hörer spricht. Auch ein wenig von der Maria ist noch immer da, ein kleiner Trotz, ein Hauch frecher Berliner Luft. Jene Maria Morzeck aus dem Defa-Film "Das Kaninchen bin ich", von dem Angelika Waller heute sagt: "Mein erster und letzter Film." Eine sarkastische Schwindelei. Denn der Film von Kurt Maetzig aus dem Jahr 1965 wurde nach dem berüchtigten XI. Plenum des ZK der SED 1965 gemeinsam mit weiteren elf Filmen verboten, die gesamte Jahresproduktion der Defa. Das gesellschaftliche Tauwetter mit der vorsichtigen Hoffnung auf einen demokratischen Sozialismus war auf Breschnews Weisung für beendet erklärt worden.

Was wäre wenn? Diese Frage hat sich Angelika Waller oft gestellt. Was wäre aus ihr geworden, wenn "Das Kaninchen bin ich" in die Kinos gekommen wäre? Vielleicht wären Angelika Waller und ihre schöne, selbstbewusste, aufsässige Maria zum Idol einer ganzen Generation junger Frauen geworden? "Vielleicht wäre ich aber auch als Schauspielerin gar nicht mehr da, totgeknipst, wie so viele junge Gesichter. So bin ich ans Theater gegangen und hatte eine wunderbare Zeit am Berliner Ensemble."

Also: "Keine Fehlerdiskussion!" Mit diesen berühmten DDR-Worten beendet Angelika Waller den Rückblick auf ihren ersten und darum auch liebsten Film. "Das Kaninchen bin ich" wird sie am Donnerstag im Verlagshaus unserer Zeitung zum Filmfest-Warmup präsentieren. Leider nicht mit ihrem Regisseur Kurt Maetzig, der erkrankt ist und sein Kommen kurzfristig absagen musste.

Nach Schwerin kommt die Schauspielerin dennoch gern. Feierte sie doch am Mecklenburgischen Staatstheater große Erfolge. 1974 begeisterte sie als Franziska Linkerhand in dem gleichnamigen Stück nach dem Roman von Brigitte Reimann. "Alle Vorstellungen waren ausverkauft. Sogar Berliner pilgerten ins Schweriner Theater", erinnert sich Angelika Waller. Im legendären Antike-Projekt von Christoph Schroth war sie dann als Helena zu erleben. Nicht zuletzt spielte auch ihre Tochter Susann Thiede viele Jahre in Schwerin, bevor sie Christoph Schroth ans Chottbuser Theater folgte.

Obwohl "Das Kaninchen bin ich" in vielerlei Hinsicht ein Wendepunkt im Leben der Schauspielerin wurde - ein furioses Debüt in einem Film, der sofort verboten wurde -, hatte Angelika Waller neben ihren vielen Rollen am Theater immer auch ihren festen Platz im Kino- und Fernsehkosmos der DDR: "Schwarze Panther" (1966), "Im Himmel ist doch Jahrmarkt" (1968) "Die Frauen der Wardins" (1974), "Daniel Druskat" (1976), "Rotfuchs" (1973), "Abschied vom Frieden" (1976), "Ein April hat 30 Tage" (1978), "Johann Sebastian Bach" (1985) oder "Der Bruch" (1988) mit Götz George sind nur einige Filme, die noch heute zu später Stunde hin und wieder zu sehen sind.

Als 1992 Direktoren ans Berliner Ensemble kamen, die ein anderes Theater wollten als sie, kündigte Angelika Waller. Seitdem arbeitet sie an der renommierten Schauspielschule "Ernst Busch" als Professorin. Was sie ihren Studenten vermitteln will? Da ist wieder der Maria-Trotz in ihrer Stimme zu hören. "Ach, man vermittelt sich doch vor allem selber." Bei den Aufnahmeprüfungen muss sie sich nur manchmal wundern, wenn junge Leute mit dem Namen der Busch-Schule wenig anfangen können und eine Uni im Grünen vermuten oder eine Szene per Handbuch einstudiert haben, ohne das gesamte Stück gelesen, geschweige denn verstanden zu haben. Bei der Generation Superstar, so die Schauspielpädagogin, sind die Vorstellungen von Talent zuweilen sehr seltsam.

Ins Theater geht die Schauspielerin unentwegt, "aber oft verlasse ich es dann auch in der Pause. Ich bin neugierig auf Sprache, auf Grips. Theater als Fernsehshow brauche ich eher nicht."

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