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Kreisverwaltung und StALU stellten Renaturierungsplanung vor : Mehr Natürlichkeit für die Rögnitz

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Die in den 50er und 60er Jahren als sinnvolle Eingriffe in den natürlichen Flusslauf der Rögnitz erachteten Maßnahmen sollen nun zurückgebaut werden. Wiederum von Menschenhand.

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erstellt am 07.Jul.2011 | 11:57 Uhr

Die in den 50er und 60er Jahren als sinnvolle Eingriffe in den natürlichen Flusslauf der Rögnitz erachteten Maßnahmen sollen nun zurückgebaut werden. Wiederum von Menschenhand.

Flussbegradigung, Eindeichung, Entbuschung und Trockenlegung der nahen Uferzonen - das alles soll zukünftig der Vergangenheit angehören, wenn die Renaturierung dieses Fließgewässers mit behördlichem Anspruch einer hohen Wasserkategorie abgeschlossen sein wird. Für den gesamten Fluss liegen bereits Vorplanungen in Abschnitten seitens der Kreisverwaltung Ludwigslust und des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) Schwerin vor. Der erste Bauabschnitt von der Niendorfer Rögnitzbrücke bis zum Tewswooser Wehr wurde vorgestern im Niendorfer Gemeinschaftshaus den Flussanliegern vorgestellt.

Müssen die Grundstückseigentümer für die mit EU-Gelder geförderte Renaturierung keinen Cent zahlen, erhalten gar eine Entschädigung oder eine Ausgleichsfläche, so müssen allerdings, und darüber wurde unmissverständlich informiert, auch landwirtschaftlich genutzte Flächen auf insgesamt knapp dreieinhalb Kilometer Länge dem Projekt geopfert werden. Davon entfällt etwas mehr als ein Kilometer Flusslauf auf die Gemeinde Grebs-Niendorf. Die Zuhörer, meist aus der landwirtschaftlichen Produktion, blieben auf dem Info-Abend dennoch ruhig. Wohl auch, weil ihnen eine Mitsprache seitens des federführenden StALU im Verlauf des in der Startphase steckenden Projektes zugesagt wurde. Doch auch "Schweinerei" und "unverständliche Kehrtwende" machten hinter vorgehaltener Hand die Runde.

Das Umsetzen des EU-"EcoRegion"-Projekts wird wohl sicher auch Widerstände mit sich bringen. Als einer der wenigen anwesenden Landwirte meldete der Geschäftsführer der Niendorfer Landerzeuger GmbH und Gemeindevertreter, Hans-Werner Mau, seine Bedenken an. Nach dem derzeitigen Planungsstand würde er auf ertragreiche Grünflächen verzichten müssen. Darüber sprach er noch auf dem Info-Abend mit Ingenieurin Ulrike Kästner von "biota", dem beauftragten Institut für ökologische Forschung und Planung. Sie stellte den Rückbau vom reinen Fließgewässer mit bedeutender Wirkung als Vorfluter in ein Gewässer mit Flussbögen, saumreichen Uferzonen, Ruhe- und Laichzonen für Fische, Ufergehölzen mit Duldung von so genanntem Totholz und abgemildeter Eindeichung vor. Trotz aller Neugestaltung werde die notwenige, regulierende Funktion des Flusses nicht beeinträchtigt werden, sagte die vorstellende Runde zu.

Dem Rückgang der Fischbestände solle ebenfalls Rechnung getragen werden, hieß es von den StALU-Referenten Stefan Bollmehr, zuständig für die Wasserrahmenrichtlinie, und Antje Adjinski, die die erforderliche Flurneuordnung erläuterte. Allerdings müssen Wasserbaumaßnahmen in Boizenburg abgewartet werden. Aus Gründen der Laufzeit der EU-Förderung sei jedoch ein Beginn der Renaturierung an der Rögnitz zwingend.

Die Wasserläufe des Ludwigsluster Kanals, des Krülle-Grabens und der Rögnitz seien seit eh und je ein zusammenhängendes Netzwerk, das wesentliche Auswirkungen auf die Natur und für die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen haben könnten, weiß der Grebs-Niendorfer Gemeindebürgermeister Detlef Schranck. Dass der Rögnitz-Flusslauf einst in ein künstliches Bett gezwungen wurde, sollte dazu führen, dass das moorige und sumpfige Terrain entlang des Flusses trockener, für den Hochwasserschutz und die Landwirtschaft besser planbar wurde. Nach den Planungen des StALU soll das Rögnitztal nun zukünftig mehr Ökologie erhalten, ohne die Ökonomie im Wesentlichen auszugrenzen.

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