Mehr Kunst am Meer

Seit über 100 Jahren kommen Künstler nach Ahrenshoop, um sich von der Landschaft und der Stimmung inspirieren zu lassen. Zahlreiche Werke namhafter Maler wie Paul Müller-Kaempff und Lyonel Feininger sind hier entstanden. Sie sollen künftig in einem Museum hängen, das der Künstlerkolonie Ahrenshoop gewidmet ist. Das Berliner Architektenbüro Staab hat es entworfen. 2011 soll der privat finanzierte Museumsbau stehen.

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16. Oktober 2008, 05:50 Uhr

Ahrenshoop - Den Verein, der dieses Projekt förmlich aus dem Boden gestampft hat, gibt es erst seit drei Jahren. Er besteht aus Kunstliebhabern und Sammlern, die sich auf den jährlichen Auktionen in Ahrenshoop trafen. Ein Grundstück ist inzwischen gekauft, eine rote Infobox informiert über die Gründung einer Stiftung. Mit dem Realisierungswettbewerb ist der Verein dem Museumsbau nun ein gutes Stück näher gekommen. 15 Architekturbüros waren geladen – fünf aus der Region, fünf aus Deutschland und fünf europäische Planer. Zwölf von ihnen reichten einen Entwurf ein. Die Wahl fiel einstimmig auf den Entwurf des Büros Staab Architekten aus Berlin. Die hochkarätig besetzte Fachjury fand das Raumkonzept sehr überzeugend. Die Gewinner des Architekten-Wettbewerbs haben einen Vorschlag vorgelegt, der aus einer Ansammlung kleinerer Häuser besteht. Aus der Entfernung wirkt der Bau so kleinteilig und passt sich sehr gut in die dörfliche Umgebung ein.

Variable Ausstellungsräume plus Zusatznutzung
„Wir haben uns gefragt, welche Struktur sich an diesem Ort von selbst ergibt. In unserem Büro haben wir ein Bild mit Reetdachhäusern, das hat für mich eine starke Verbindung zu diesem Ort“, so der Architekt Volker Staab. Zwar habe man anfangs auch mit Großformen experimentiert, diese aber für städtebaulich nicht passend empfunden. „Aus der Nähe betrachtet verschmelzen die kleinen Solitäre zu einem Gebäudekomplex“, erklärt Marion Müller-Axt vom Projektbüro des Kunstmuseums.
Den Anforderungen der Bauherren kommt das Konzept auch in der Grundrissgestaltung sehr entgegen. Die Ausstellungsräume lassen unterschiedliche Varianten mit Rundgängen und Kabinetten zu, so dass die Ausstellung variabel bleibt und Themensammlungen gezeigt werden können.

Ein Mehrzweckraum, Gastronomie und ein Shop erweitern die Möglichkeiten der Nutzungen über den Rahmen eines Museums hinaus. „Wir wollen nicht nur Gemälde zeigen. Es soll auch andere Veranstaltungen geben. Und eine Bibliothek und ein Archiv für wissenschaftliches Arbeiten und Forschen“, so Marion Müller-Axt.

Verbindung von Tradition und Moderne
All diese Wünsche haben Staab Architekten auf optimale Art und Weise umgesetzt. Zwar gäbe es auch hier noch Bedarf zum Ändern und Nachbessern, meint Marion Müller-Axt, doch dieser Entwurf habe eben alle überzeugt. Zur Gestaltung der Fassade hat Volker Staab bereits Ideen. „Es sollte eine Transformation aus dem Reetdach sein.“ Eine Gebäudehülle aus eloxiertem Aluminium in einem changierenden Naturfarbton würde wiederum aus der Entfernung betrachtet eine Verbindung zum traditionellen Bauen herstellen und gleichzeitig der Architektursprache unserer Zeit angemessen sein, so Volker Staab.

Die übrigen Entwürfe zeigten eine breite Palette von Möglichkeiten, wie sich die Bauaufgabe lösen ließe, doch oft mit eher massiven, auffälligen Baukörpern, die einen starken Kontrast zur Umgebung bilden. Der zweite Preis ging an Fogh & Folner Architektfirma aus Dänemark. Ihr kompaktes Gebäude hatte auch energetische Aspekte berücksichtigt. Mit Bastmann & Zavracky aus Rostock blieb der dritte Preis in der Region. Ihre Planung mit „Lichttürmen“, die eine natürliche Beleuchtung der Ausstellungsräume ermöglichen würden, fand Zustimmung bei der Jury. Auch die Lösungen von Graft Gesellschaft von Architekten aus Berlin und des Architekturbüros Zeipke aus Rostockwurden von der Jury als interessant gewürdigt.

Mit dem Wettbewerbsgewinner beginnen nun die Gespräche über das weitere Vorgehen. Müller-Axt ist zuversichtlich, dass der selbst gesteckte Zeitrahmen des Vereins eingehalten werden kann und bis 2011, spätestens 2012, der Bau des Kunstmuseums fertig gestellt sein wird.

Sammlung umfasst bereits über 200 Werke
Auch die inhaltliche Arbeit am Museumskonzept muss weiter vorangetrieben werden. Geplant ist, neben der eigenen Sammlung des Vereins, auch Arbeiten aus dem Besitz der Gemeinde und des Förderkreises Ahrenshoop e.V. auszustellen. Die Sammlung des Vereins ist durch Spenden und Zukäufe auf mittlerweile über 200 Werke, hauptsächlich Ölgemälde, Zeichnungen und Grafiken angewachsen. Zu den Glanzlichtern der Sammlung gehören Gemälde wie der „Liegende Akt“ von Caesar Klein, Bilder von Hans Kinder, Paul Müller-Kaempff oder Anna Gerresheim.

Neben den Spenden der Mitglieder ist der Verkauf von so genannten „Museumsbausteinen“ eine weitere Säule im Finanzkonzept des Vereins. Bei den Bausteinen handelt es sich um limitierte Auflagen von Kunstwerken von Hubertus von der Goltz bzw. Jo Jastram. Müller-Axt hofft, so noch viele Spender und Stifter zu finden, mit deren Hilfe der Bau des Kunstmuseums in den nächsten Jahren finanizert werden kann.

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