Mehr Hausärzte für Rostock

Stundenlange Wartezeiten, Zweiklassen-Patienten und gestresste Ärzte – die gesundheitliche Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern ist alarmierend. Es fehlt vor allem an Allgemeinmedizinern. Um die Lücke zu schließen, setzen Rostocks Uni-Klinik und die Kassenärztliche Vereinigung MV auf bessere Ausbildung.

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21. Juli 2008, 10:11 Uhr

Rostock - Für Felix Mahr ist die Sache klar. Er arbeitet als Arzt an der Rostocker Uni-Poliklinik für Innere Medizin. Hier möchte er aber nicht bleiben. Er will sich als Hausarzt niederlassen.
Mahr ist einer von drei jungen Ärzten, die sich als Erste für eine neue fünfjährige Ausbildung zum Allgemeinmediziner entschieden haben. Die bietet die Universitätsklinik Rostock in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung MV und mehreren Kliniken an. Um dem wachsenden Ärztemangel im Land die Stirn zu bieten, schaffen die Verantwortlichen eine Verbundausbildung.

Das Neue: Bewegliche Planstellen machen „einen unkomplizierten Wechsel innerhalb des Klinikums möglich“, sagt Bettina Irmscher, Kaufmännische Direktorin der Uni-Klinik. Durch Kooperationen mit anderen Häusern kann Rostocks Uni-Klinik bis zu zehn jungen Ärzten eine Ausbildung anbieten.

Weniger Geld mehr Patienten
Als Hausarzt muss Mahr später über ein breit gefächertes medizinisches Wissen verfügen. Sein Berufswunsch kam ihm nach einem Praktikum in der Praxis eines Allgemeinmediziners. „Die Selbstverständlichkeit, für die Patienten der erste Ansprechpartner zu sein, hat mir gefallen“, sagt er. Der direkte menschliche Kontakt sei ihm wichtiger als das Geld.

Als Hausarzt wird er weniger verdienen als ein Facharzt. Er wird mehr Aufwand haben, mehr herumfahren. Er verfügt über weniger Freizeit und muss sich auf breiterem Feld als seine Fachkollegen weiterbilden. „Wenn zum Beispiel acht neue Medikamente zugelassen werden, kann es sein, dass es einen Urologen oder Physiotherapeuten nicht betrifft“, erklärt Dr. Wolfgang Eckert, Präsident der Kassenärztlichen Vereinigung. „Ein Hausarzt muss meist über alle Neuzulassungen Bescheid wissen.“
Gerade weil diese Mediziner nicht so viel Geld verdienen wie Fachkollegen, schlagen nach Angaben von Eckert weniger Studenten diese Richtung ein. „Das finanzielle Problem müssen wir aufarbeiten“, sagt er.

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