Mehr Geld für Bildung

Wenig Industrie, hohe Abwanderung, geringe Bildung – MV steckt in der Krise. Dazu kommt der Geburtenknick der 90er-Jahre, der die ausbildenden Unternehmen unter Druck setzt. Sie müssen sich ranhalten: In Zukunft wird es mehr Lehrstellen als Ausbildungswillige geben. Bundesministerin Annette Schavan hat mit der Landes-CDU beim Kongress in Sparow Chancen und Möglichkeiten diskutiert.

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14. September 2008, 05:04 Uhr

Sparow - Unternehmer, Politiker und Demographen sind besorgt: Schwierige Zeiten erwarten Mecklenburg-Vorpommern. Angesichts fehlender Rohstoffe, anhaltender Abwanderung und weniger Industrie „müssen wir unsere Kinder besser vorbereiten“, sagt Landeswirtschaftsminister Jürgen Seidel auf dem Kongress der Landes-CDU in Sparow. Zum Thema „Schule, Ausbildung, Wirtschaft“ sieht Bundesbildungsministerin Annette Schavan schlechte Ausbildung und fehlende Motivation der deutschen Schulabgänger als Hauptproblem an.

Eines der Hauptprobleme des Landes: Hier verlassen zwölf Prozent die Schule ohne einen Abschluss, bundesweit sind es acht Prozent. Nur 32 Prozent der Schüler halten am Ende ihrer Laufbahn eine Berechtigung für eine Hochschulzulassung. In Gesamt-Deutschland liegt die Quote bei 44 Prozent. Zwar sorgt der doppelte Abiturjahrgang im Land seitens der Betriebe zurzeit für Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt, aber Unternehmer werden bald um gute Schulabgänger kämpfen müssen. Der Geburtenknick der 90er-Jahre hat den Lehrstellenmarkt erreicht.

„2009 werden wir weniger als halb so viele Schulabgänger haben“, sagt Seidel. Langfristig soll, laut Landesbildungsminister Henry Tesch mehr Geld in Schulen des Landes fließen. „Wir haben kurzfristig 30 zusätzliche Stellen geschaffen, um hier die Qualität zu sichern“, sagt er. Das sei nur der Anfang. Auch Berufsschulen sollen von steigender Qualität profitieren, vor allem für die duale Ausbildung.

Wie die gut ausgebildeten Erwachsenen dann im Land zu halten seien, blieb für alle Beteiligten offen.„Die ganze Bundesrepublik verliert an Bevölkerung“, erklärt Demographie-Professor Reiner Dinkel von der Rostocker Universität. In MV sei das Problem schon länger bekannt, aber es habe niemand so richtig wahr haben wollen. „Eine Lösung sehe ich jetzt nur in der Zuwanderung“, sagt er.

Prognosen sagen MV weiteren Bevölkerungsschwund voraus. Bis 2020 soll die Einwohnerzahl um weitere 120 000 sinken. Nur 14,5 Prozent davon werden 2010 unter 20 Jahre alt sein – so bleibt MV das älteste deutsche Bundesland. Ein Problem, das andere europäische Länder längst in den Griff bekommen haben. Laut Dinkel, hat Irland, „das kranke Kind Europas“, seine schwächelnden Bevölkerungszahlen mit Fachkräften aus Polen aufgebessert. Schweden hat Hunderttausende Fachkräfte bereitwillig aufgenommen. Für Deutschland funktioniert das noch nicht, „weil hier die Arbeitlosenquote so hoch ist, dass wir noch Nein zur Zuwanderung sagen“, so Dinkel.

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