Innenminister Caffier zieht dennoch positive Kriminalitätsbilanz 2010 : Mehr Diebstähle in Grenznähe

Nach ersten Analysen hat es in Mv 2010 weniger Straftaten gegeben als im Jahr zuvor. Gründe für den Rückgang seien der Bevölkerungsschwund wie auch bessere Prävention, sagte Innenminister Caffier.

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30. Dezember 2010, 10:56 Uhr

Zugleich sei eine Internationalisierung der Kriminalität und eine Verlagerung der Straftaten auf das weltweite Datennetzwerk zu beobachten. "Es ist einfacher geworden, jemanden im Internet zu erpressen als einen Menschen zu entführen", so der Minister. Die Aufklärungsrate im Land erhöhte sich leicht auf rund 60 Prozent.

Um etwa zehn Prozent zugenommen habe die Zahl der in Mecklenburg-Vorpommern festgestellten ausländischen Tatverdächtigen. 2010 waren sechs Prozent aller im Land ertappten Täter nicht deutscher Herkunft.

Besonders betroffen sei die Grenzregion in Vorpommern. Schwerpunkte bildeten Einbrüche und Diebstähle in Läden oder von Autos vor allem durch polnische Kleinkriminelle. "Es gibt aber genauso Deutsche, die in Polen klauen", sagte der Minister. Nur sei ihm dazu keine Statistik bekannt.

Weiterhin auf hohem Niveau finde internationaler Schmuggel über die Autobahnen durch Mecklenburg-Vorpommern nach Osteuropa statt.

Edellimousinen, Drogen, Zigaretten sowie zunehmend teure Baumaschinen und Bootsmotoren - alles was Wert hat und leicht zu transportieren ist - schafften Hehler dank der gut ausgebauten Infrastruktur im Nordosten an Abnehmer im Ausland. "Zigaretten bringen sehr hohe Gewinnspannen", erklärte Caffier den anhaltenden Tabakschmuggel.

Während der Minister für 2010 noch einen Rückgang extremistisch motivierter Straftaten bilanziert, gehe er für das Landtagswahljahr 2011 von einer deutlichen Zunahme aus. Doch auch dieses Jahr habe er trotz sinkender Fallzahlen eine höhere Gewaltbereitschaft rechtsextremistischer Täter beobachtet. Caffier verwies auf Übergriffe auf Polizisten wie jüngst im Streit um die Ehrenpatenschaft des Bundespräsidenten für das siebte Kind einer offenbar rechtsgerichteten Familie in Lalendorf (Kreis Güstrow). "Die Gewaltbereitschaft der Rechten konnten wir früher in dieser Form nicht so wahrnehmen", sagte Caffier. Auch linksextremistische Straftäter würden mehr Gewalt anwenden: "Brandstiftungen sind von einer ganz anderen Qualität als Farbbeutel an Wänden."

Aufrecht erhalte er die Forderung nach einem Verbot der NPD, die seit 2006 auch im Landtag Mecklenburg-Vorpommerns sitzt, sagte der Minister. Nur müssten sich die Ländergremien über einen möglichen Verbotsantrag beim Bundesverfassungsgericht einig sein. Zugleich appellierte Caffier an die demokratischen Parteien, der NPD nicht das Feld insbesondere bei Freizeitangeboten für Jugendliche und Ältere zu überlassen.

Bei einigen Drogenarten seien im Land 2010 größere Mengen als im Vorjahr sichergestellt worden, erklärte der Minister. Cannabis- Pflanzen würden in sogenannten Indoor-Plantagen angebaut werden, wie etwa in Gnemern (Kreis Güstrow). Dort hatte die Polizei im September knapp 700 erntereife Hanfpflanzen für die Gewinnung von Marihuana entdeckt. Professionell betriebene Cannabis-Plantagen gingen in ihrer Größe weit über den Eigenbedarf hinaus.

Auch Straftaten von Rocker-Clubs wie den Hells Angels oder den Bandidos nähmen zu. Unter dem Deckmantel "motorradfahrender Familienväter" begingen Clubmitglieder in letzter Zeit regelmäßig Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, das Waffengesetz oder Straftaten im Rotlicht-Milieu.

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