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Schweriner Baugespräch : Mehr Chancen für die Platten-Siedlung

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Die Pläne für Schwerin sind ehrgeizig: Einfamilienhäuser zwischen Plattenbauten, naturnahe Grünanlagen und weiterer Rückbau von Leerstand und der Infrastruktur. Das Mueßer Holz verändert sein Image.

svz.de von
erstellt am 02.Apr.2013 | 10:16 Uhr

Das Grün vor der Haustür, Innenhöfe mit viel Privatsphäre und großer sozialer Zusammenhalt - das sind die Visionen der Bauexperten für den Dreesch und das Mueßer Holz. Die Pläne sind ehrgeizig: Einfamilienhäuser zwischen Plattenbauten, naturnahe Grünanlagen und weiterer Rückbau von Leerstand und der Infrastruktur. Beim dritten Schweriner Baugespräch versuchten Stadtentwickler Andreas Thiele, Baudezernent Wolfram Frie ders dorff und Landschaftsarchitekt Ulrich Franke ein Zukunftsbild von Schwerins Großwohnsiedlung zu zeichnen.

"Seit 2011 verzeichnet das Mueßer Holz einen leichten Bevölkerungszuwachs von 80 Menschen", sagt Friedersdorff. Das sei ein Anfang. Landschaftsarchitekt Franke sieht den Image-Kampf des Schweriner Plattenbaugebietes als Kampf mit "Luxusproblemen": Dort grasen keine Schafe, die Anwohner haben den Wald vor der Haustür und der Zippendorfer Strand ist mit dem Fahrrad erreichbar. "Stadtteile in Gelsenkirchen haben so etwas gar nicht, sonden dagegen wirkliche Image-Probleme", zieht er einen Vergleich. Umdenken sei gefragt: Wilde Wiesen statt englischer Rasen und Büsche statt gepflegter Hecken. Naturnahe, leicht und kostengünstig zu pflegende Grünstreifen sollen den kantigen Charakter der Platte auflockern.

Gleichzeitig sollen die von hohem Leerstand geprägten Wohnblöcke weiter zurückgebaut werden. Parallel muss auch die Infrastruktur - wie Fernwärmeleitung und Wasserversorgung - an die sinkende Bevölkerungszahl angepasst werden, wie Thiele sagt. Die sozialen Spannungen und auch das Migrationsthema habe man in den vergangenen Jahren "in den Griff" bekommen. "Dennoch stehen wir im Mueßer Holz vor den größten Umbrüchen", sagt er. Robert Erdmann, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft, nimmt das Beispiel Einfamilienhäuser im Mueßer Holz. Die Stadt müsse niedrigschwellige Angebote schaffen. Viele Bewohner fühlen sich im Mueßer Holz zuhause. "Die dort lebenden beruflichen Aufsteiger sind diejenigen, die am ehesten Interesse an einem Eigenheim im Mueßer Holz hätten." Mit ihnen könne der dauerhafte Aufbau des Quartiers Erfolg haben.

Die Stadt könne sich vor allem den nahe gelegenen dörflichen Charakter vom angrenzenden Consrade zu Nutze machen, meint Friedersdorff. Vor allem Privatsphäre sei wichtig. "Wenn mir vom Hochhaus gegenüber jeder direkt auf meinen Grill gucken kann, ist das schwierig", sagt er weiter. Auch die Entwicklung der Gartenstadt sei vor Jahren noch fraglich gewesen, heute sei dort kaum Leerstand vorhanden. Eine ähnliche Entwicklung stellt sich Frieders dorff auch im Mueßer Holz vor. "Anfangs sind immer alle pessimistisch", sagt er. "Einen Stadtteil zu verändern, das ist immer ein Prozess. Wir planen eigentlich mit dem Berliner Platz und dem Plattenpark neue Inseln zu schaffen, die dann Stück für Stück zusammenwachsen", beschreibt er seine Vision. Einiges sei schon geschafft: Ein gutes Beispiel ist die Nils-Holgersson-Schule, in der das dritte Baugespräch stattfand. Auch die neue Dreescher Schwimmhalle wird weitere Akzente setzen.

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