Mehr Chancen für ältere Arbeitslose

Waltraud Michael und Michael Steigmann sind überzeugt von Queo
Waltraud Michael und Michael Steigmann sind überzeugt von Queo

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29. September 2008, 08:14 Uhr

Nordwestmecklenburg - Arbeitslosigkeit ist eine Last. Dauert sie lange an, kann sie zur Qual werden. Von den 4458 Empfängern von Arbeitslosengeld II (ALG II) sind 468 Personen älter als 55 Jahre. „Sie sind zum Teil mehr als zehn Jahre ohne Arbeit und haben es besonders schwer, eine Anstellung zu finden“, sagt Waltraud Michael, Leiterin der Arge Nordwestmecklenburg. Um ihnen zu helfen, wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu kommen, gibt es seit 2005 das Projekt „Queo“ „für Arbeitssuchende ab 50 plus“. Sie betont dabei die lateinische Bedeutung des Namens Queo: „Es heißt ,Ich kann es’ und steht unter anderem für die Erfahrung, die ältere Arbeitnehmer mitbringen“, so Michael. Und die Erfahrung sowohl im Beruf als auch im Leben wissen Arbeitgeber zu schätzen, wenn sie mit dem Queo-Projekt kooperieren, das Teil des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten Programms „Perspektive 50 Plus“ ist.

Kleine Unternehmen haben keine Zeit, Arbeiter zu suchen
„Es sind in erster Linie Kleinst- und Kleinunternehmen, denen wir Personal vermitteln. Sie haben meist gar keine Zeit, sich qualifizierte Angestellte in Ruhe auszusuchen“, sagt Michael Steigmann. Er ist Geschäftsführer des Natur- und Heimatvereins Nordwestmecklenburg, der sich seit 1991 unter anderem mit arbeitsmarktpolitische Maßnahmen beschäftigt. Dazu gehört auch seit 2005 die Beteiligung am Projekt Queo, das nicht an Kreisgrenzen halt macht und sich von der Hansestadt Wismar über den Landkreis Nordwestmecklenburg bis zur Landeshauptstadt Schwerin erstreckt.

Die Argen in Grevesmühlen und Schwerin sowie das Job-Center in Wismar arbeiten eng mit dem SR Bildungszentrum Wismar, Wege zur Arbeit Wismar, der Protinus Projektentwicklungsgesellschaft, dem Natur- und Heimatverein Nordwestmecklenburg, der Qualifizierungs- und Entwicklungsgesellschaft Wismar sowie Regiovision Schwerin zusammen, die einen Teil der Arbeitsplatzvermittlung übernehmen.

71 Vermittlungen in den ersten Arbeitsmarkt in 2008
So wurden im vergangenen Jahr 348 Langzeitarbeitslose dem Projekt Queo zugewiesen und 71 davon konnten in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden – 36 davon durch den Natur- und Heimatverein. Für eine erfolgreiche Vermittlung werden zunächst die Stärken des jeweiligen Arbeitslosen analysiert, so dass er möglichst passgenau an einen Unternehmer vermittelt werden kann. In der Regel folgt dann ein Praktikum, bevor es zur festen Anstellung kommt. „Für die ersten drei bis sechs Monate gibt es dann für den Arbeitgeber Lohnkostenzuschüsse“, erklärt Michael Steigmann einen Anreiz der Betriebe, sich auf diese Form der Vermittlung einzulassen.

Damit sie qualifiziertes Personal bekommen und die Langzeitarbeitslosen Chancen im Arbeitsmarkt haben, werden auch Schulungen für spezielle Anforderungen wie ein Personenbeförderungsschein für den künftigen Taxifahrer aus Fördertöpfen finanziert. Mit dem Können der Über-Fünfzigjährigen und mit ihrer Erfahrung werben dann die Vermittler bei den Firmen und preisen die Arbeiter an. Umgekehrt wenden sich aber auch Firmen der Region an den Natur- und Heimatverein oder die Argen. „Einige Firmen im Baugewerbe suchen zum Beispiel Kräfte für Hilfsarbeiten, um die Facharbeiter davon zu entlasten. Ein Elektriker muss nur noch die Kabel verlegen, nachdem ein Helfer die Schnitte in der Wand gemacht hat“, beschreibt Michael Steigmann.

Arbeitslose, die bereits älter als 50 Jahre sind und auch Firmen können sich an die Argen in Grevesmühlen und Schwerin, das Job-Center in Wismar und beim Natur- und Heimatverein bei Karl-Heinz Gabriel unter 03881/758545 informieren.

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