Mecklenburgischem Staatstheater Schwerin droht Insolvenz

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01. August 2009, 11:25 Uhr

Dem Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin droht Generalintendant Joachim Kümmritz zufolge im Herbst die Insolvenz. Die 2010 geplante Umstellung der Theaterzuschüsse des Landes bedeute nach seinen Informationen ein Minus von 1,5 Millionen Euro jährlich für die größte Bühne Mecklenburg-Vorpommerns, sagte Kümmritz am Freitag in Schwerin. Verschärft werde die Situation durch geringere Einnahmen als erwartet aus der diesjährigen Open Air-Oper „Die Zauberflöte“. Rund 41 000 Zuschauer kamen, kalkuliert hatte das Theater mit 47 000. „Wir arbeiten schon seit Jahren auf Rasiermessers Schneide“, erklärte Kümmritz.

Der Aufsichtsratsvorsitzende, Schwerins Finanzdezernent Dieter Niesen (SPD), forderte eine Übernahme des Staatstheaters durch das Land. Bisher ist die Landeshauptstadt Hauptgesellschafter der gemeinnützigen Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin GmbH. Die knapp 100 000 Einwohner zählende Kommune finanziert das Theater derzeit mit jährlich 6,6 Millionen Euro, das Land gibt Kümmritz zufolge 9,6 Millionen, das Theater selbst spiele 4,5 Millionen Euro ein. Der Intendant verwies auf das Beispiel Hannover, wo das Land Niedersachsen das Theater vor Jahren übernommen habe.

Das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin hat nach den Worten von Kümmritz 320 Mitarbeiter und jährlich um die 200 000 Besucher. Seit 1990 seien bereits rund 200 Stellen gestrichen worden. Um das jetzt drohende Finanzloch zu schließen, müssten Kümmritz zufolge weitere 70 Mitarbeiter entlassen werden. Das Theater gilt mit einem Einspielergebnis von gut 20 Prozent seines Gesamtetats als eines der effektivsten bundesweit. Niesen gab sich kämpferisch: „Eher lasse ich mich am Theater anketten, als dass hier die Axt angelegt wird.“ Eine Fusion vom dem Rostocker Volkstheater lehnte er ab.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern hält seit Mitte der 1990er Jahre seine Zuschüsse an die Theater mit 35,8 Millionen Euro konstant. Die aktuellen Pläne sehen vor, diese Summe bis zum Jahr 2020 zu garantieren. „Das reicht hinten und vorne nicht“, sagte Kümmritz. Bis zu 500 Mitarbeiter an allen Standorten (Schwerin, Rostock, Parchim, Neubrandenburg/Neustrelitz, Stralsund/Greifswald, Anklam) müssten entlassen werden. Niesen warnte vor dem Hintergrund des Tourismus als wichtigem Wirtschaftszweig in Mecklenburg-Vorpommern vor einer Zerstörung der Theaterlandschaft. Die meisten Bühnen veranstalten ein umfangreiches Sommerprogramm mit Tausenden Zuschauern. In Schwerin hat nach der „Zauberflöte“ am 8. August das Open Air-Musical „Sorbas“ mit Gojko Mitic in der Hauptrolle Premiere. Gespielt wird auf dem Alten Garten vor dem Schloss bis zum 30. August.

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