Mecklenburg wird durstig - Trinkwasser wird langfristig knapp

Noch gibt es genug im Glas – Ende des Jahrhunderts soll das Trinkwasser aber knapp werden. Foto: dpa
Noch gibt es genug im Glas – Ende des Jahrhunderts soll das Trinkwasser aber knapp werden. Foto: dpa



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25. Mai 2008, 07:07 Uhr

Schwerin/Neubrandenburg - Usedom und Mallorca haben einiges gemeinsam: Beides sind beliebte Ferieninseln, von der Sonne verwöhnt und zeitweilig von Touristen überrollt. Hydrogeologen sehen, dass sich eine weitere Gemeinsamkeit entwickelt: Auf Usedom wird, wie schon auf Mallorca, das Trinkwasser knapp.

„Bis zum Ende dieses Jahrhunderts wird die nutzbare Grundwassermenge auf 45 Prozent der jetzigen Menge zurückgehen“, erwartet Ullrich Ewert. Er ist Niederlassungsleiter der HGN Hydrogeologie GmbH Schwerin, ein Ingenieurunternehmen, das Kommunen in den Bereichen Wasser, Boden und Umwelt berät.

Ursache für den Wassermangel sei die Klimaerwärmung, die zu einer veränderten Verteilung der Niederschläge führen werde. Die wahrscheinlich stärkeren Niederschläge im Winter würden keinen Ausgleich bringen, da das Wasser größtenteils abfließen statt versickern werde, sagt der Ingenieur.

Im Ostens MVs nur noch halb so viel Regen
Die höheren Sommertemperaturen werden demnach zu einer stärkeren Verdunstung führen - es werde weniger Grundwasser neu gebildet, aus dem Trinkwasser gewonnen werden kann.

Während sich Prognosen zufolge im Westen Mecklenburg-Vorpommerns die Sommerniederschläge nur um 5 bis 10 Prozent verringern, werden sie sich im Osten mehr als halbieren, was den größten Rückgang in Deutschland bedeute. Politiker und Behörden würden das Ausmaß aber derzeit nicht wahrnehmen. „Für Wasser ist keine Lobby da“, sagt Ewert.

Nach der Präsentation der auf Landtagsbeschluss erarbeiteten Klima-Studie Anfang Mai in Schwerin sagte Ewert, die Auswirkungen würden deutlich krasser sein als von der Politik dargestellt. Die befürchteten Veränderungen brauchten schnellere, unbürokratische und pragmatische Maßnahmen – schon jetzt.

Kommunen kämpfen heute mit zu wenig Abwasser
Etliche Kommunen kämpfen heute aber noch mit dem gegenteiligen Phänomen: Es gibt zu viel Trinkwasser und zu wenig Abwasser, gemessen an den Anlagen für die Ver- und Entsorgung.

Schuld seien der demografische Wandel, zu große neue Anlagen nach der Wende und die Sparsamkeit, sagt Peter Schuldt, Leiter der Hydrogeologie-Niederlassung in Neubrandenburg. Das Trinkwasser verkeime, weil es zu lange in den Leitungen bleibe. Teilweise werde Chlor zugesetzt, bei einer Überdosierung schmecke das Wasser nicht mehr. Zudem stiegen die Kosten. Manche Versorger ließen das Wasser einfach laufen. Das sei die preisgünstigere Lösung, die einzige, die funktioniert, sagt Schuldt. „Es bleibt nichts anderes übrig, um die Qualität zu halten.“

Der Wasserverbrauch von 230 Liter pro Einwohner und Tag in der DDR sei um 35 bis 40 Prozent gesunken. Entsprechend wenig Abwasser falle an, das in den Rohren mit den riesigen Durchmessern schlecht abfließe. Abhilfe könnte geschaffen werden, indem in die dünnere eingeschoben würden. Eine generelle Lösung gebe es nicht, sagt Schuldt.

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