Mauer wird zum Minus-Geschäft

Muss die Stadt an der Parkstraße einen Hochwasserschutzzaun für den Sporthotel-Investor bauen oder nicht? Darüber streiten die Geister und ganz Warnemünde. Klar ist: Selbst wenn nachverhandelt wird, bleibt die Stadt auf Kosten hängen. Viele sprechen deshalb von einem Minus-Geschäft.

svz.de von
29. Mai 2008, 09:11 Uhr

Warnemünde - Für 871 000 Euro muss die Stadt im Fall der Fälle eine Schutzmauer gegen Sturmfluten entlang der Parkstraße erricjten – genau zwischen neuem und altem Friedhof. Eine entsprechende Vereinbarung mit dem Staatlichen Amt für Umwelt und Natur (Staun) hat Rostock vor mehr als zehn Jahren unterzeichnet, um überhaupt Baurecht zu bekommen. Dieser Deal fällt der Verwaltung nun auf die Füße.

Eine Chronologie:

1997
Als die Stadt 1997 einen Bebauungsplan für das Filetstück an der Küste schreiben will, meldet sich das Staun zu Wort. Denn ein Teil der Fläche ist für den Hochwasserschutz reserviert. Und so soll es auch bleiben. Deshalb schließen Bauamt und Umweltbehörde eine Vereinbarung: Die Stadt darf bauen, muss aber einen Teil der Fläche für den Hochwasserschutz reservieren – und dafür auch die Kosten tragen. „Die Stadt wollte damals unbedingt bauen und hat das in Kauf genommen“, rechtfertigt Bauamtsleiterin Ines Gründel.

2001
Erst 2001 kommt es zu einem Verkauf. Die Ostsee Freizeitpark GmbH zahlt etwa 410 000 Euro (800 000 Mark) für das Areal. Den Abriss des Studentenwohnheims finanziert der Käufer. Hochwassermauer oder Düne aber nicht. Das hätte zwangsläufig zum Scheitern der Vertragsverhandlungen geführt, erklärt die Stadt in einer schriftlichen Stellungnahme Jahre später. „Damals hat über diese Kosten niemand einen Ton verloren“, kritisiert Bauausschussmitglied Karl Scheube (SPD).

2007
Mittlerweile hat sich der Käufer zurückgezogen, weil er seine ehrgeizigen Pläne nicht verwirklichen konnte. Dafür ist nun die Hamburger Devello Immobilien AG eingesprungen, die für 36 Millionen Euro ein modernes Sport- und Wellnesshotel hochziehen will. An der vertraglichen Bindung zum Hochwasserschutz ändert dies nichts, obwohl das Staun mittlerweile nördlich Dünen aufgeschüttet hat und die Gefahr einer Überflutung minimiert ist.

2008
Eine Initiative, die vertragliche Bindung zum Hochwasserschutz aufzuheben, lehnt das Staun im März dieses Jahres allerdings ab. Denn ein 100-prozentiger Schutz bestünde in dem Bereich nicht, argumentiert Amtsleiter Hans-Joachim Meier. Damit bleibt die Stadt aller Voraussicht nach auf den Kosten hängen, die mittlerweile auf 871 000 Euro für eine Hochwassermauer taxiert werden. Denn die Banken und Versicherer des Investors werden höchstwahrscheinlich auf Sicherheiten pochen – und dazu gehört auch der Hochwasserschutz.

Unter den Fachleuten aus der Bürgerschaft ist dieser Vorgang aus der Ära von Oberbürgermeister Arno Pöker und Bausenator Peter Grüttner höchst umstritten: Die Stadt verkauft für 400 000 Euro und verpflichtet sich im Gegenzug für fast 900 000 zu bauen. „Das ist doch ein absolutes Negativ-Geschäft“, bemängelt Bauausschussvorsitzender Frank Giesen (CDU). Helge Bothur (Die Linke) sieht die Verwaltung in der Pflicht, das Problem auszuräumen und gegebenenfalls den Investor zur Kasse zur bitten.

Die Bürgerschaft wird bereits am kommenden Mittwoch über das Thema zu beraten haben. Dann vielleicht mit veränderten Vorzeichen. Denn Staun-Amtsleiter Meier ist mittlerweile auf einen Kompromiss aus: „Wir werden kurzfristig mit der Stadt und dem Investor nach einer einvernehmlichen Lösung suchen.“

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