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Schweriner Umland: Projekt einer Broilermastanlage an A 24 : Massentierhaltung bleibt in der Kritik

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Die weltweit steigende Nachfrage nach Fleisch, ist auch in Westmecklenburg zu spüren. Nicht nur im Supermarkt, sondern bei der Planung und dem Bau von Massentieranlagen rund um Schwerin.

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erstellt am 24.Mär.2011 | 11:38 Uhr

Die weltweit steigende Nachfrage nach Fleisch, insbesondere Geflügelfleisch, ist auch in Westmecklenburg zu spüren. Und zwar nicht nur an der Fleischtheke im Supermarkt, sondern bei der Planung und dem Bau von Massentieranlagen rund um Schwerin.

Landwirt Ingo Fischer aus Scharbow will am Rande der Ortslage, in unmittelbarer Nähe zur A 24, eine Broilermastanlage für insgesamt 126 000 Tiere errichten. Im bundesdeutschen Vergleich ist so ein Mastbetrieb im Mittelfeld angesiedelt. Für einen großen Teil der Anwohner aus Scharbow und Bobzin, ist die Anlage eine Nummer zu groß. Protest regt sich, wie auf der jüngsten Sitzung der Stadtvertretung in Hagenow - Scharbow ist Ortsteil - deutlich zu vernehmen war.

Der Investor will mit seinem Vorhaben, das sich erst im Vorplanungsstadium befindet, die Existenz des Familienbetriebes auf lange Sicht sichern.

In öffentlicher Runde stellte der Planer Dr. Wilfried Eckhof das Projekt vor. In acht Mastdurchgängen pro Jahr sollen in einem Zeitrahmen von etwas mehr als einem Monat Küken zu schlachtreifen Hähnchen gemästet und dann als Lebensmittel vermarktet werden. Vorgesehen sind drei Ställe - jeder für 42 000 Tiere. Pro Quadratmeter soll es einen Tierbesatz von 23 Hühnern geben.

Tierschützer und die Bürgerinitiative "Saubere Landluft" bemängeln diese "Turbo mast" und machen bereits im Vorfeld auf die Gefahren so einer Anlage aufmerksam. Sie rechnen mit erhöhter Keimzahl, mit Belastungen durch Kot und Geruch und mit einem stark zunehmenden Lkw-Verkehr in den Dörfern.

Investor und Planer machen darauf aufmerksam, dass sie die Planungen nach den gesetzlichen Regelungen vorbereiten. "Wenn unsere Unterlagen komplett sind, werden wir eine Informa tionsveranstaltung für die Anlieger anbieten", so Investor Fischer.

Ebenfalls noch in der Vorbereitung befindet sich das Projekt eines holländischen Unternehmens. Dieses plant nahe Barnin eine Stallanlage für 35 000 Legehennen, die Bruteier für die folgende Geflügelmast liefern sollen. Ende vorigen Jahres sickerten Informationen über dieses Vorhaben durch. Schnell formierte sich Widerstand. Unter dem Motto "Für unsere Heimat - gegen Massentierhaltung zwischen Barnin und Wessin" hat sich eine Bürgerinitiative gegründet. Die Kritiker befürchten erhebliche Einschränkungen ihrer Lebensqualität durch Geruchsbelästigungen und Keime. Die Bürgerinitiative warnt auch vor Gefahren für das Trinkwasser.

Ähnlich wie das Barniner Vorhaben klingt die Beschreibung eines Projektes, das bereits im Amt-Ludwigslust-Land verwirklicht wird. Roland Siegemund, der seit dem Jahr 2000 im elterlichen Betrieb Champignons in Göhlen produziert, lässt seit Mitte Februar zwischen Göhlen und Hornkaten drei Ställe für Legehennen errichten, um mit etwa 38 000 Tieren Bruteier zu produzieren. Im September soll die Eierproduktion anlaufen. Die Gemeindevertretung hatte bereits Mitte vorigen Jahres ihre Stellungnahme abgegeben. Da das Bauvorhaben alle Vorschriften erfüllt, wurde das gemeindliche Einvernehmen erklärt.

Die Errichtung von Massen tieranlagen wird vor Ort zumeist kritisch gesehen. Mit Unterstützung können die Investoren hingegen bei den Landesbehörden rechnen. Till Backhaus (SPD), Minister für Landwirtschaft sowie Umwelt, betont in diesem Zusammenhang immer wieder, dass es in Mecklenburg-Vorpommern noch lange "keine bedenk liche Tierkonzentra tion" gäbe.

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