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"Wetten dass...": Lanz kanns : Markus Lanz schultert „Wetten dass...“

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Ein Kraftakt: Die Erwartungen hätten kaum höher sein können – und Markus Lanz hat sie zumindest zum Teil erfüllt. In den Augen der meisten Kritiker lieferte er ein solides Debüt als „Wetten, dass..?“- Moderator ab.

svz.de von
erstellt am 07.Okt.2012 | 06:59 Uhr

Düsseldorf | "Die Menschen mögen den Markus, der hat das toll gemacht", sagt Frank Elstner (70). Der Erfinder von "Wetten, dass..?" hatte den Neustart von Europas größter TV-Show in Düsseldorf aus der ersten Reihe verfolgt. Auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) lobt ihren Gastgeber der vergangenen drei Stunden: "Ich finde, er hat das klasse gemacht. Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt."

Trotz ungewohnter Tonprobleme und eines manchmal etwas gehetzt wirkenden Ablaufs: Markus Lanz (43) hat seine Feuertaufe in den Fußstapfen von Thomas Gottschalk mit 13,62 Millionen Zuschauern wohl nicht nur in den Augen von ZDF-Intendant Thomas Bellut bestanden. Nur bei Gottschalks Abschied sahen in den vergangenen sieben Jahren mehr Menschen dem Show-Spektakel zu.

Auch wenn die erste Sendung nicht repräsentativ ist: Aus dem "Quoten-Gemetzel" am Samstagabend geht Lanz als Sieger hervor: "Das Supertalent" mit den Herausforderern Thomas Gottschalk und Dieter Bohlen blieb mit 4,57 Millionen Zuschauern abgeschlagen. Die Festung "Wetten, dass..?" hat dem Angriff standgehalten.

Ein paar Hakler gab es, räumte Lanz unmittelbar nach der Show ein. Seine Bilanz gestern: "Ich denke, wir haben es nicht versenkt, sondern gezeigt, dass in Frank Elstners Idee noch eine Menge Kraft steckt. Darauf kann man aufbauen, aber: Wir haben noch viel Arbeit vor uns." Über die Quote freue er sich natürlich, entscheidend sei aber die Qualität. Zugegeben: Der Debütant hatte sich bei der Premiere durch eine Menge Material zu kämpfen. Zuweilen wirkte es so, dass Lanz Getriebener des neuen, engeren und auf Vielfalt getrimmten ZDF-Konzeptes wurde. Erst später in der Sendung befreite er sich von der Last und gewann zunehmend an Sicherheit. Da glich "Wetten, dass..?" auch wieder "Wetten, dass..?" Als zunächst dickes Problem erwies sich für Lanz die Vielzahl der Gäste: Gleich zu Beginn der Show versammelten sich alle prominenten Paten - unter anderem NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, das Paar Sylvie und Rafael van der Vaart, Sänger Rolando Villazón, Schauspieler Wotan Wilke Möhring und Modeschöpfer Karl Lagerfeld - auf der neuen Couch.

Unruhe kam auf. Lanz suchte nach Orientierung, wetzte hin und her. Zuweilen kauften ihm der lustige Möhring und die als Assistentin fungierende forsche Cindy aus Marzahn den Schneid ab. Lanz trug zunächst auch nicht zur Ruhe bei. Er redete zu viel und traf mit Dauergesprächspartner Lagerfeld neben ihm auch nicht gerade auf den dankbarsten Verbalakrobaten. Lanz zu Lagerfeld: "Wie machen Sie einen drauf?" Das mache er nicht, sagte der Stargast. "Ich muss 24 Stunden arbeiten." Sylvie van der Vaart fragte Lanz, wie denn Wohnwagenbewohner in Holland hießen. "Campers", lautete ihre Antwort. "Gambas?" retonierte Lanz. Lanz leistete auch körperlich zu viel: Zwischendurch stemmte er 30 Liegestütze mit einer Kiste Bier auf dem Rücken - das muss ein cooler Moderator nicht unbedingt.

Doch Hektik hin, Hektik her. Mit der Zeit wurde aus "Wetten, dass..?" wieder ein Schuh. Zwar misslang die erste Wette noch, als ein Kandidat auf einem Seil stehend per Fallrückzieher Fußbälle ins Tor befördern wollte, dann aber runterfiel. Doch die anderen Wetten glückten meist: Ein Junge kannte sich nicht nur bestens im Berliner S-Bahn-Netzplan aus, er konnte ihn auch mit allen Zusatzverbindungen ansagen wie ein Profi, und das Publikum bog sich vor Lachen. Eine Hundefriseurin erkannte die Rassen ihrer Schützlinge am Haar. Ein Mann konnte seiner Partnerin per Ohrenwackeln zumorsen. Das hatte Loriotsche Züge. Und im Hafen zog ein Ruder-Achter den 14-jährigen Wakeboarder Max Balser durch einen Slalom-Parcours. Das passte alles. Lanz, der inzwischen sein Jackett ausgezogen hatte und in Weste moderierte, gewann an Souveränität, aber noch nicht an großem Glanz. Auf der neuen fahrbaren Couch zeigten sich Schauspieler Wotan Wilke Möhring und Comedian Bülent Ceylan charmant und Modezar Karl Lagerfeld gewohnt seltsam. Vergleichsweise blass blieben Campino, Kraft und die van der Vaarts. Um Kopf und Kragen redete sich Superstar Jennifer Lopez, die binnen weniger Sekunden gefühlte zehn Mal die Marke Chanel erwähnte.

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