Marienkäfer treibt es an die Küste

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Unzählige Tierchen sind derzeit an den Ostseestränden unterwegs und sammeln sich an windgeschützten Stellen.dpa

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23. Juli 2010, 05:53 Uhr

Warnemünde | Bevor Kathrin Flindt gestern morgen die Türen ihres "Sport-Kleks" in der Friedrich-Franz-Straße aufschieben konnte, musste sie zunächst zum Besen greifen, um hunderte Marienkäfer von den Scheiben abzufegen. "Die Bäume sind voller Blattläuse, das mögen die Käfer. Wenn es doch nur mal richtig regnen würde, dann wäre der Spuk wahrscheinlich vorbei", meint die Geschäftsfrau. "Die Insekten sind überall. Sogar in der Ostsee treiben sie zu Tausenden", sagt Walter Vogt. Allerdings, so schränkt der Geschäftsführer des Leuchtturmvereins ein, handele es sich "noch um keine so richtig große Plage wie im vergangenen Jahr".

Von einer ganz anderen Situation als 2009 geht Uwe Hermanns aus. Der Sachbearbeiter für Artenschutz im Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege hat festgestellt, dass in dem langanhaltenden Winter viele Marienkäfer erfroren sind. "Leider", bedauert Hermanns, denn auf Grund der Regenfälle im Frühjahr und der Wärme jetzt "gibt es Blattläuse ohne Ende". Und genau die sind die wichtigste Nahrungsquelle für den gepunkteten Glücksbringer. Dieser kann bis zu 50 Läuse pro Tag verputzen und etliche Tausend während seines Lebens. Ganz normal, so der Artenschützer, sei es auch, dass zahlreiche Marienkäfer mit dem Wind aus dem Süden in den Norden getragen worden sind. Der Endpunkt ihrer Reise ist unsere Küste, wo sie ein glatte Notlandung hingelegt haben, um nicht auf die Ostsee getrieben zu werden. Allerdings hat das rechtzeitige Abbremsen nicht in jedem Fall geklappt, denn die Insekten treiben auch im Wasser. Das wiederum bedeutet nicht sofort ihr Todesurteil, denn durch den Luftraum unter den Flügeldecken können sie eine Zeit lang gut passiv schwimmen.

"Da es zur Zeit unglaublich viele Blattläuse gibt, reagiert die Natur und passt sich an, in dem die Population der Marienkäfer stark ansteigt. Biologisch gesehen, ist das ein ganz normaler Vorgang", sagt Hermanns, der keinen direkten Zusammenhang zum Klimawandel sieht. "Wir hatten ein Jahr lang sehr viele Hornissen und Wespen. Es hieß, die werden immer mehr und damit zur Plage. In diesem Sommer habe ich noch nicht ein einziges Hornissennest gesehen. Die Natur weiß sich glücklicherweise von Fall zu Fall zu helfen", sagt Uwe Hermanns, für den der Marienkäfer keine Plage, sondern ein nützliches Insekt ist.


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