Maria Weigel bringt die Bützower Haukohls nach fast 400 Jahren zusammen

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07. Mai 2008, 08:42 Uhr

Bützow - „Noch einen Kaffee?“ Maria Weigel schenkt Fritz Hoßmann, dem Vorsitzenden des Heimatvereins, nach. Im Mittelpunkt mag sie gar nicht stehen, Rummel um ihre Arbeit ist ihr unangenehm. Doch Hoßmann möchte, dass die Leistung der 52-Jährigen bekannt wird: Maria Weigel ist seit Jahren arbheitslos, hangelt sich von ABM zu Ein-Euro-Job, zurzeit in der Bützower Kleiderkammer.

Im Ehrenamt hat sie sich zu einer Hobby-Historikerin gemausert: Am heimischen Computer öffnen sich die Türen in ihre neue Welt. Maria Weigel hält Kontakt zu Dutzenden Nachfahren der Bützower Familie Haukohl: in deutsche Städte, nach Dänemark, in die USA. Sie arbeitet die Geschichte der wohl ältesten heute noch in Bützow lebenden Familie auf.

Angefangen habe es mit einer ABM beim Heimatverein, in dem sie heute Mitglied ist. Die Idee: nach Nachfahren der Haukohls forschen, weltweit möglich im Internet. Ausgangspunkt: Joachim Haukohl ist im Jahre 1640 erwähnt im Bürgerbuch der Stadt. Wohin mag es seine Nachfahren verschlagen haben? Durch Zufall habe sie Nancy und Jürgen Haukohl in Huntsville/Alabama gefunden.

Familien-Linien in Amerika wieder vereint
Schnell gab es Kontakt zu weiteren Familien-Mitgliedern, erklärt Maria Weigel, sie erhielt eine Liste eines Familien-Treffens der Haukohls 1957 in Hannover. Verfasser ist Christian Haukohl, der damals grübelt, wie Verwandte aus der DDR im Westen zurechtkommen sollen: „Zur Zeit beschäftigt mich das Problem, wie man den über den Vorhang Zureisenden die Währungsschwierigkeiten erleichtern kann“, schreibt er.

Rund 50 Namen stehen auf der Liste, darunter heute Verstorbene. „Ich habe die anderen alle angerufen oder per E-Mail angeschrieben“, erklärt die Bützowerin. „Eine Riesenarbeit“, sagt Fritz Hoßmann. Denn zu verfolgen waren mehrere Linien der Haukohls: u.a. über die Städte Plau am See, Görlitz, Lübeck, Hannover, Essen, Karlsruhe, Kampen, Düsseldorf, nach Dänemark und in verschiedene Orte in den USA.

Manches Mal musste sie die Anfrage mehrfach wiederholen, bis jemand reagierte. „In Amerika habe ich die Familien zusammengebracht, die wussten gar nichts voneinander“, sagt Maria Weigel schmunzelnd. Fritz Hoßmann betont: „Sie ist der Dreh- und Angelpunkt.“

So formte sich ein Bild, Informationen und Fotos fanden den Weg nach Bützow. Dabei kamen interessante Geschichten zu Tage: So habe ein Haukohl-Nachfahre in Plau am See eine Stiftung zur Gründung eines Kindergartens ins Leben gerufen, die noch heute bestehe. Günter Haukohl sei im Forschungsteam von Raumfahrt-Pionier Wernher von Braun in Peenemünde gewesen. „Raketen-Haukohl“ nennt ihn Fritz Hoßmann. Ursprünglich soll die Familie aus Vorpommern stammen. Auf Rügen habe es um 1300 Ritter namens „Huxol“ (Hukschol) gegeben.

Drei Tage Programm in Plau, Bützow, Peenemünde
Maria Weigel sitzt im Arbeitsraum des Heimatvereins, studiert E-Mails. „Die kommen am 17. September“, liest Fritz Hoßmann vor.
Immer wieder gehen Schreiben bei der Bützowerin ein. Denn vom 18. bis 21. September will sie ein Familien-Treffen der Haukohls organisieren – nach 400 Jahren Vereinigung in Bützow.

Drei Tage Programm sind geplant: Peenemünde, Plau am See – und natürlich ein ausführlicher Tag in Bützow mit einem „gemütlichen Abend“ will Weigel organisieren. „Ich möchte mit ihnen in die Kirche gehen, wo Haukohls getauft wurden.“ Rund 50 Nachfahren hätten ihr Kommen bereits zugesagt. Hotelzimmer sind zu buchen. Maria Weigel ist auch eine Art kostenloses Reisebüro – für alle Haukohls.

Warum sie das alles tut? Maria Weigel zuckt mit den Schultern. „Aus Spaß an der Arbeit“, sagt sie. Sie wolle es gut tun. Dabei hat die 52-Jährige weder von der Abstammung her ein inniges Verhältnis zu Mecklenburg noch zur Geschichte: Sie stammt aus Sachsen, ist Wirtschaftskauffrau, war als Buchhalterin tätig. Vielleicht kommt daher die Gründlichkeit. „Ich bin kein Historiker, sondern Hobby-Forscher.“

Sie wolle die Fakten über die älteste heute noch hier lebende Bützower Familie niederschreiben, der Nachwelt erhalten. Kommen die Haukohls aus der ganzen Welt im September her – „dann ist meine Arbeit getan“, erklärt Maria Weigel.

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