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14. Dezember 2017 | 09:23 Uhr

Maischolle wird rar in der Ostsee

vom

svz.de von
erstellt am 30.Mai.2010 | 09:28 Uhr

Warnemünde | Über der Warnow liegt an diesem Maimorgen noch ein dichter Nebelschleier, als Eckhard Krüger in sein Boot steigt und zu den Stellnetzen startet. "Vor allem Schollen soll ich mitbringen. Das ist derzeit der am meisten nachgefragte Fisch. Aber da tut sich kaum etwas", dämpft der erfahrene Fischer vorab allzu hohe Erwartungen an einen guten Fang. Wenig später sieht er sich bestätigt. Nur wenige Fische haben sich im Netz verfangen. Darunter gerade mal drei Schollen.

Niemand weiß, warum Plattfische ausbleiben

"Traditionell ziehen die Schollen auf ihrer Frühjahrswanderung vom Breitling über Oldendorf bis nach Gehlsdorf. Früher hatten wir im Mai auch immer die besten Fänge. Aber seit einigen Jahren geht es ständig bergab", bilanziert Krüger, der einer der letzten Rostocker Fischer auf der Warnow ist. Er vermutet, dass die Einbrüche mit der ständigen Vertiefung der Fahrrinne zum Überseehafen zusammenhängen, weil die Schollen nicht mehr wie gewohnt vorankommen. Doch auch anderswo entlang der Ostseeküste fielen die Fänge zuletzt immer dürftiger aus.

Eine von Natur- und Umweltschützern geäußerte Befürchtung, dass die Bestände lange Zeit überfischt wurden und es so jetzt an Nachwuchs fehlt, teilt Norbert Schulz vom Verein Fisch und Umwelt nicht. Der offensichtliche Rückgang der Scholle liege wohl auch nicht am Wetter oder am Klimawandel, aber Genaueres wisse eigentlich niemand. "Es beschäftigt sich derzeit kaum jemand ernsthaft mit der Scholle. Sie ist, anders als in der Nordsee, in der Ostsee nicht quotiert und insofern gibt es auch keine Untersuchungen zur Bestandsentwicklung", erklärt der Fischereiforscher. Mit lediglich einem Prozent an der Gesamtfischmenge, die in Deutschland jährlich angelandet wird, ist der Anteil der Scholle vergleichsweise unbedeutend. Zielgerichtet stellt hierzulande schon lange kein Fischer mehr Schollen nach. Sie gelten lediglich als gern mitgenommener Beifang.

Das sah über viele Jahrhunderte völlig anders aus. Wenn sich die Fischer mit ihren vergleichsweise noch sehr kleinen Booten nach den Frühjahrsstürmen im Mai endlich wieder hinaus zu ihren Fanggründen trauten, brachten sie vor allem Schollen mit nach Hause.

Nur magere Fänge nach langem Winter

Wohl, weil es zu dieser Zeit kaum andere Fische aus heimischen Gewässern gab, habe die Gastronomie schon früh die "Maischolle" für sich entdeckt, mutmaßt der Rostocker Fischhändler Olaf Ossowski. Der gute Ruf dieses frühen Fisches habe sich gehalten. Er könne sich jedenfalls vor Kundennachfragen kaum retten, sagt der Händler aus dem Rostocker Fischereihafen. Dabei sei doch die Scholle im Mai von der Konsistenz her "in einem äußerst schlechten Zustand".

Die Erklärung ist einfach: Nach einem schlechten Nahrungsangebot über die Wintermonate sind die weiblichen Tiere durch das Laichen im März und April noch zusätzlich geschwächt. "Jetzt ist die Schonzeit zwar vorbei, aber die haben derzeit kaum was auf den Gräten", erklärt Ulf Korich, Inhaber der Rostocker Handelsgesellschaft Fisch und Feinkost. Und zum Beweis langt er aus dem gerade angelieferten Tagesfang einen Fisch heraus. Lediglich geschätzte Zentimeter zwei Scholle verschwinden zwischen Daumen und Zeigefinger. Im August/September wäre diese Scholle zwischen Bauch und Rücken mindestens doppelt so dick gewesen.

Einen guten Tipp für Fischfans hat Nicole Knapstein. "Wer jetzt unbedingt Scholle essen will, sollte sich die Filets besser trocknen. In Häppchen geschnitten und anstelle von irgendwelchen Chips geknabbert, sind sie ein Leckerbissen", sagt die Chefin vom Verein Landaktiv, die regelmäßig Frischemärkte organisiert und Kunden dabei auch gleich passende Rezepte reicht.

Der Überlieferung nach war es ein Küchenchef in eben diesem Hamburger Stadtteil, der die allzu magere Mai scholle versuchte mit einer Stippe aus fettem Speck aufzubessern. Ein paar Nordseegarnelen obendrauf sollte sie noch etwas dicker wirken lassen. Der Trick ist bis in die Gegenwart ein Verkaufserfolg: Maischolle nach Finkenwerder Art.

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