Ruchower Familie sorgt sich um ihr saniertes Fachwerkhaus : Mais-Transport lässt Wände beben

1984 hat Renate Gebauer das Fachwerkhaus  in der Ruchower Dorfstraße gekauft, saniert es liebevoll mit ihrem Mann Klaus. Doch  nach der Maisernte hätten sich Risse im Haus eingestallt. Das Paar hofft  auf Hilfe zur Rettung des alten Pfarrwitwenhauses. Pubantz
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1984 hat Renate Gebauer das Fachwerkhaus in der Ruchower Dorfstraße gekauft, saniert es liebevoll mit ihrem Mann Klaus. Doch nach der Maisernte hätten sich Risse im Haus eingestallt. Das Paar hofft auf Hilfe zur Rettung des alten Pfarrwitwenhauses. Pubantz

Gerade haben Renate und Klaus Gebauer die Wände ihres Hauses wieder geglättet. Noch vor kurzem zogen sich riesige Risse im Innern des Fachwerkhauses in der Ruchower Dorfstraße quer durch die Räume.

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17. Februar 2011, 06:32 Uhr

Ruchow | Gerade haben Renate und Klaus Gebauer die Wände ihres Hauses wieder geglättet. Noch vor kurzem zogen sich riesige Risse im Innern des Fachwerkhauses in der Ruchower Dorfstraße quer durch die Räume. Auf Fotos haben die Gebauers alles festgehalten. "Das ist alles im letzten Herbst zur Maisernte passiert", sagt Renate Gebauer. Dann fahren Traktoren mit Hängern auf dem landwirtschaftlichen Weg unmittelbar am Haus vorbei - und lassen Wände vibrieren. Die Gebauers sorgen sich um das alte Pfarrwitwenhaus, das etwa zwischen 1720 und 1750 erbaut worden sei. "Wir haben viel Geld und Zeit hineingesteckt", erzählt sie. Allein die jüngsten Reparaturen hätten 4000 Euro gekostet. Dazu komme die Handarbeit: Die Lehmwickel haben die Hausbesitzer selbst gefertigt - Stück für Stück. Hoffnung haben die Ruchower in eine Umgehungsstraße, die im Rahmen der Flurneuordnung gebaut werden könnte (SVZ berichtete), um den alten Landwirtschaftsweg zu entlasten. Doch: Die Entlastung - geplant von der Schweinemastanlage bis zur Mühle am Ortsrand - könnte erst in ein paar Jahren kommen. Zu spät, fürchten die Gebauers.

Klaus Gebauer streicht mit einem Pinsel Wände. Mehr als eine Woche lang waren gerade Handwerker im Haus in der Dorfstraße 14. Anfang der 1990er-Jahre hat die Familie das alte Haus aus Lehm wieder instandgesetzt. "Ich habe dafür ein Seminar besucht", erzählt Renate Gebauer. Mit Liebe wuchs ein architektonisches Kleinod neu. Die Decken des Hauses sind schief, atmen Geschichte, das Raumklima angenehm feucht. Doch mit Sorge blickt die Familie auf die kommende Ernte: Am Ortsrand wächst gerade eine Biogasanlage aus dem Boden. Dann werden noch mehr Traktoren-Ladungen mit Mais am Fachwerkhaus vorbeirollen, bestätigt Bürgermeister Berthold Löbel, der selbst Landwirt ist. Die Straße sei wichtig, über sie würden 240 Hektar Land bewirtschaftet. Aus diesem Grunde habe die Gemeinde ja auch beantragt, dass über das Flurneuordnungsverfahren eine Umgehung geschaffen wird.

Der enorme landwirtschaftliche Verkehr sorgt für Unmut im Ort. "Ich wäre froh, wenn die Mais-Dinger hier nicht mehr langfahren", sagt Anwohner Lutz Kröger. Er bestätigt Aussagen der Gebauers: Die Fahrzeuge seien breit und würden auch am Straßenrand Schaden anrichten. Dazu komme das oft überhöhte Tempo, so Renate Gebauer. Ihr Mann schlägt eine Begrenzung vor: "Ich denke, die Geschwindigkeit ist mit schuld."

Renate Gebauer graut es vor dem nächsten Herbst. Sie hofft: Die Umgehungsstraße sollte so bald wie möglich kommen. "Sonst ist es für unser Haus zu spät."

Bürgermeister Löbel macht keine Hoffnung. Der Maßnahmeplan für die Flurneuordnung sei gerade beim Amt für Landwirtschaft in Parchim bestätigt worden. Darin enthalten ist auch eine Prioritätenliste. Diese sehe zunächst vor, die Bungalowsiedlung am Scharbowsee mit eine Straße anzubinden; Ruchow steht weiter hinten. Zum Wunsch, die Umgehungsstraße vorzuverlegen, sagt Löbel: "Das geht an der Realität vorbei." Ob alle Pläne der Gemeinde überhaupt umgesetzt werden können, hänge von Fördermitteln ab. Die Gemeinde müsse auch erstmal eigenes Geld vorweisen.

Dass die Schäden am alten Ruchower Pfarrwitwenhaus von den Maistransporten im vorherigen Herbst kommen, weist Löbel zurück. "Ich kenne das Haus. Es hat immer Risse gehabt." Dies sei seiner Ansicht nach darauf zurückzuführen, "weil das Haus falsch grundiert ist". Die Mais-Transporte hätten nachweislich eine Ladung von "etwa zehn, elf Tonnen" gehabt. Löbel: "Getreidetransporte sind z.B viel schwerer."

"Solche Risse am Haus können viele Ursachen haben", sagt Jochen Gülker, Bauamtsleiter in Sternberg. Er habe die Straße überprüft. Sie sei wie der Baugrund in ordentlichem Zustand und für den landwirtschaftlichen Verkehr zugelassen. An die Gebauers ergeht Gülkers Hinweis: Laut Landesbauordnung müsse der Eigentümer die Standsicherheit des Hauses gewährleisten. Denkbar sei aus seiner Sicht eine 30-km/h-Regelung an der Straße. Diese müsse aber die Gemeinde beim Landkreis Parchim beantragen.

Das Haus ist sogar älter, als die Gebauers vermuten. "Nach unseren Unterlagen wurde das Gebäude nach 1653, aber vor 1704 errichtet und 1834 grundlegend umgebaut", sagte gestern Hans-Georg Zwang, Leiter der Bauaufsicht beim Landkreis Parchim. Es werde in der Denkmalliste des Kreises unter der Nummer 1754 geführt.

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