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25. November 2017 | 06:47 Uhr

Mais noch keine Monokultur im Kreis

vom

svz.de von
erstellt am 18.Okt.2010 | 05:44 Uhr

Prignitz | Die Maisernte in der Prignitz fällt gut aus. Was im Frühsommer aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit noch nach enormen Ertragseinbußen aussah, hat sich dank der Niederschläge im August/September zu einer normalen Ernte gemausert. "Wir erreichen bei Blattmasse und Kolben fast den Durchschnittsertrag der vergangenen Jahre", hieß es fast einhellig beim jüngsten Maistag der Landwirte in Quitzow.

Unbestritten ist: Mais ist als wichtiges Energiefutter für Rinder und Schweine nicht mehr wegzudenken. "Wir bauen neben Getreide und Kartoffeln auf 180 Hektar an, brauchen die auch für den Eigenbedarf, für unsere Milchproduktion. Es wäre als Dallminer schlecht, zugunsten von zusätzlichem Maisverkauf für Biogasanlagen aus den Kartoffeln auszusteigen, wo wir die Stärkefabrik im Ort haben", erklärt Manfred Löper, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Dallmin, mit Blick auf eine mögliche Biogasanlage in Premslin. Denn unbestritten ist auch, dass sich die Anbaufläche im Land Brandenburg von 1999 bis 2008 um 150 Prozent vergrößerte. Die Prignitz liegt etwas darunter. Sie verfügt über eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 140 000 Hektar, 35 000 Hektar davon sind Grünland.

"1999 wurden 11 500 Hektar mit Mais bestellt, in diesem Jahr waren es knapp 24 000 Hektar", informierte Anke Jennerjahn, stellvertretende Sachbereichsleiterin Landwirtschaft der Kreisverwaltung. Die Ursache ist für sie klar: "Biogas." Im Jahr 2009 gab es in der Prignitz 18 Biogasanlagen , neun weitere sind geplant. Wird damit noch mehr Mais angebaut und steuert die Prignitz einer Monokultur entgegen? "Natürlich gab es eine Zunahme im Maisanbau, doch haben wir damit in der Region nicht die Anbaugrößen von 1990", relativiert Ulrich Kieback, Vorsitzender des Kreisbauernverbands. Die Gefahr einer Monokultur sehe er nicht. Bis zu 25 Prozent Mais-Anteil hält er für normal.

Nicht die Augen verschließen will er vor der Zunahme des Schädlings Maiszünsler. Werde Mais als Monokultur oder in sehr engen Fruchtfolgen angebaut, könne es zur Entwicklung von resistenten Unkräutern, Nitrat-Verlusten und Herbizidinfiltration ins Grundwasser kommen, ebenso würden Krankheitserreger gefördert, die auch das Getreide befallen. "Wenn die Fruchtfolge eingehalten wird, sollten diese Probleme beherrschbar sein", meinte Kieback.

Wie andere Landwirte sieht er Biogasanlagen als Ergänzung für einen Landwirtschaftsbetrieb, um Gülle zu veredeln, Stickstoff und Phosphor für den Boden besser aufzuschließen - und natürlich auch Geld zu verdienen. "Man muss immer auf die Nachhaltigkeit gucken." Bauchschmerzen hat nicht nur er, was reine Biogasanlagen betrifft, losgelöst von landwirtschaftlicher Produktion. "Wenn einer da den Landwirten für Gärsubstrate viel Geld bietet, ist nicht gesagt, dass er auch zahlt. Oft gibt es Streit, vor allem dann, wenn der Betreiber wechselt und sich Verträge ändern."

Auch Kommunalpolitiker haben Bedenken. So fand das Ansinnen, den Flächennutzungsplan zu ändern, so dass weitere Biogasanlagen am Mertensdorfer Weg im Zusammenhang mit einem möglichen Gewächshauskomplex gebaut werden können, keine Mehrheit unter Putlitzer Stadtverordneten. Das seien industrielle Anlagen, die nichts mit der einstigen Idee für Landwirtschaftsbetriebe gemein haben. Hier gehe es nur darum, Geld zu investieren und zu vermehren, meinte der Abgeordnete Wilbert Langfeldt.

"Noch sehe ich es nicht so, dass Mais zu einer Monokultur werden könnte", stimmte Karsten Jennerjahn, Landwirt in Schrepkow und Präsident des Brandenburgischen Bauernbundes, Ulrich Kieback zu. Wichtig sei eine normale Fruchtfolge. "Zu DDR-Zeiten hatten wir zehn Prozent der Flächen mit Mais bestellt, da sind wir vielleicht wieder." Zwar seien weitere Biogasanlagen geplant, so dass verstärkt Mais angebaut werden könnte, doch auf Dauer werde nicht nur Mais vorrangig als Gärsubstrat eingesetzt.

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